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RatzFatz
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Di 03.08.2004 um 14:55:03
Re: Doping - Werner Franke - Balco
Na dann stellen wir doch gleich noch Dr. Conconi und Dr. Ferrari ein. Dazu noch Trainer wie Charly Francis.
Die müssen doch eine zweite Chance bekommen. Die anderen die sauber arbeiten, die brauchen ja keine Chance.

Mit Fingerspitzengefühl hat das wahrlich nichts zu tun. Eher ist das ein Schlag ins Gesicht für deren Opfer und allen sauberen Sportlern und Trainern.

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Uli Fehr
Benutzer | Beiträge: 1685
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Mo 02.08.2004 um 22:38:46
Re: Doping - Werner Franke - Balco

Es ist ein Skandal, dass bestimmte Leute im DLV oder anderen Sportverbänden leitende Positionen einnehmen, die damals maßgeblichen am DDR-Dopingsystem mitgewirkt haben.
Dem kann ich mich emotional zwar nicht so ganz entziehen, schließlich geht es nicht um Parken ohne Parkschein sondern um teilweise menschenverachtendes Verhalten, es wurden Jugendliche ohne deren Wissen gedopt etc. Wer sowas macht, duldet oder gar initiiert, dürfte keinen Vertrag als Übungsleiter bekommen, geschweige denn eine leitende Funktion im Sport - lebenslang. Nun gibt's so einen § aber nicht, Vergehen sind nicht nachgewiesen oder sonstwas. Das Kapitel ist juristisch weitgehend abgeschlossen und IMHO liegt konkret gegen den DLV Cheftrainer nichts verwertbares vor, also hat er das gleiche Recht wie jeder andere fachlich qualifizierte den Job zu haben. Man kann nicht tausende von Trainern und Funktionären lebenslang ächten, man muss ihnen wie verurteiulten Veerbrechern auch quasi die Chance auf "Resozialisation" geben.
Ob die Anstellung nun unbedingt von Fingerspitzengefühl geprägt ist oder damit nicht vielleicht doch eine "unheimliche" Botschaft transportiert wird, ist eine andere Frage.


Und das die Opfer geschnitten werden.
Wenn das tatsächlich so ist wie in dem Artikel dargestellt ist das allerdings schlcihtweg ein untragbarer Skandal.

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RatzFatz
Benutzer | Beiträge: 250
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Mo 02.08.2004 um 14:50:57
Re: Doping - Werner Franke - Balco
Es ist ein Skandal, dass bestimmte Leute im DLV oder anderen Sportverbänden leitende Positionen einnehmen, die damals maßgeblichen am DDR-Dopingsystem mitgewirkt haben.
Und das die Opfer geschnitten werden. Hier wird immer noch mit aller Macht versucht die Decke unten zu halten.
Wer auspackt gilt als Verräter und wird gemobbt.
Der Täterschutz wird hier eindeutig übertrieben.

Kelli White hat ihre Medaillen weitergeben müssen. Haben das auch die DDR-Sportler, denen man nachweisen konnte, dass sie gedopt haben? Oder die, die zugegeben haben gedopt zu haben?

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svens
Benutzer | Beiträge: 73
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Fr 30.07.2004 um 15:02:14
Doping - Werner Franke - Balco
gestern erschien in der stuttgarter zeitung ein sehr interessantes interview mit Werner Franke. für alle, die die sz leider nicht lesen können hab ich ihn noch mal unten an diesen beitrag gehängt.
besonders bemerkenswert der abschnitt über den "ausgewiesenen Fachdoper der DDR, Bernd Schubert" und die veröffentlichung der dopingdokumente an der Lyndon-B.-Johnson-Bibliothek für Zeitgeschichte.

Ich hoffe nur, dass man diese unterlagen wirklich bald im internet nachlesen kann. so wie es den anschein hat, gäbe es da noch einigen überrschungen. auch beim dlv vor der wende hatten anscheinend viele funktionäre dreck am stecken. das wüde auch erklären, weshalb ein bernd schubert mit seiner vergangenheit überhaupt in seine jetzige position austeigen konnte.

gruss

s



Artikel aus der
Stuttgarter Zeitung
vom 29.07.2004

Die Gretchenfrage: "Na, was wird der wohl genommen haben?"

In zwei Wochen beginnen die Olympischen Spiele - Der Molekularbiologe Werner Franke erklärt im Interview, wie bis kurz vor Wettkampfbeginn noch gedopt werden kann

Der Betrug durch Genmanipulation könne in Athen noch keine Rolle spielen, sagt der Dopingaufklärer Werner Franke. Andere Möglichkeiten aber gebe es genug: "Bei den heute gebräuchlichen Mitteln reicht es locker, wenn man sie 14 Tage vorher absetzt." Die Fragen stellte Matthias Schmidt.

Herr Franke, können Sie uns eine Gebrauchsanweisung für Olympia geben? Welchen Sport kann man anschauen, ohne an Doping zu denken? Was würden selbst Sie ohne Argwohn betrachten?

Ohne Argwohn gar nichts. Aber ich sehe das durchaus positiv. Bei jedem denkenden Fernsehzuschauer hat sich im Hinterkopf mittlerweile ein Virus festgesetzt, das Virus des Zweifels. Bei jedem Rekord fragt er sich: Na, was wird der Athlet wohl genommen haben? Für mich als Naturwissenschaftler ist der Zweifel an sich etwas Gutes. Schon wegen des Balco-Skandals in den USA wird Doping in Athen das Gespräch des Tages sein, immer und immer wieder.

Aber Bogenschießen ist doch relativ unverdächtig. Und auch beim Fußball oder beim Handball denkt niemand an Doping . . .

Okay, beim Bogenschießen oder beim Segeln, da wurde nicht mal in der DDR gedopt. Aber sonst fast überall, auch im Fußball. Mir liegen Urinanalysen zum Beispiel von Dynamo Berlin vor, aus der Zeit, als etwa Falko Götz dort noch spielte. Methamphetamine und Amphetamine hatten die meisten damals drin. Man hat diese Aufputschmittel ja nicht zufällig die Zweite-Halbzeit-Droge genannt. Und im Frauenhandball gibt es eine Doktorarbeit einer Frau Dr. Ute Miedlich, die schon 1980 an der Universität Greifswald heimlich darüber arbeitete, wie männliche Sexualhormone zum Erfolg des DDR-Handballs beitrugen. Also sind Zweifel immer angebracht. (Anm. d. Red.: Der heutige Hertha-Trainer Falko Götz sagt, er sei unwissentlich gedopt worden und beteiligt sich an einer Sammelklage gegen die Verantwortlichen.)

Was die Leichtathletik angeht, sagen viele: Die sind eh alle voll. Haben sie Recht?

Man muss die Dinge schon sehr genau unterscheiden. Im Hochsprung zum Beispiel kann zu viel Muskelaufbau mit anabolen Steroiden auch kontraproduktiv sein. Man braucht zum Hochsprung zwar Muskeln, aber man darf nicht zu schwer sein. Und man muss die Muskulatur auch koordinativ beherrschen können. Je höher die koordinativen Anforderungen, desto mehr kann zu großer Muskelaufbau auch zu negativen Effekten führen.

Über einen Hochsprungrekord dürften wir uns also völlig ungeniert freuen?

Sagen wir so: im Hochsprung ist es jedenfalls noch möglich, dass auch ohne unerlaubte Mittel Weltspitzenleistungen erzielt werden.

Morgen in zwei Wochen werden die Sommerspiele in Athen eröffnet. Könnte ein Sportler jetzt noch dopen und trotzdem die Wettkampfkontrollen bestehen?

Bei den meisten Dopingsubstanzen, die heute gebräuchlich sind, reicht es locker, wenn man sie zwei Wochen vorher absetzt. Das sind etwa die Anabolika, die nicht in den Fettdepots des Körpers gespeichert werden. Die werden in 14 Tagen abgebaut. Deshalb ist klar: wer bis heute nicht überraschend im Training kontrolliert wurde, den wird man wohl auch bei einer Wettkampfkontrolle in Athen nicht erwischen.

Sind die Dopingproben in Athen so gesehen also sinnlos?

Nein, weil man damit die aktuell wirkenden Substanzen entdecken kann, Aufputschmittel oder das Ausdauerdopingmittel Erythropoetin (Epo) beispielsweise. Und man erwischt auch die Dummen unter den Dopern, die sich so voll gepumpt haben, dass es noch so lange nachweisbar ist.

Was würden Sie der Weltdopingagentur für die Zeit der Spiele raten?

Ein Beispiel für erfolgreiche Dopingfahndung ist der Fall des Skilangläufers Johann Mühlegg. Er ist in Salt Lake City zweimal Olympiasieger geworden, bei den Wettkampfkontrollen aber nicht erwischt worden. Vor dem Skimarathon aber kamen die Kontrolleure überraschend schon einige Tage vorher bei ihm im Training vorbei - und Bingo.

Das IOC hat vor einem Jahr auch Doping durch Genmanipulation verboten. Man könne damit zum Beispiel dafür sorgen, dass der Körper mehr rote Blutkörperchen produziert oder dass ein bestimmter Muskel wächst. Sie sind Molekularbiologe, halten Sie das für realistisch?

Zum jetzigen Zeitpunkt ganz eindeutig nicht. Da brauchen wir nicht den falschen Baum anzubellen.

Was macht Sie da so sicher?

Ganz einfach: wir sitzen hier im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, wo wirklich verzweifelt versucht wird, gentechnische Verfahren im Kampf gegen den Krebs nutzbar zu machen. Ich war hier zu Lande einer der Ersten, der versucht hat, fremde Gene in Zellen einzuschleusen und zelltypspezifisch anzuschalten; unsere ersten Publikationen dazu stammen von 1989. Aber bisher ist die Gentherapie weit gehend ein tragischer Misserfolg. Ein bestimmtes Gen an einer bestimmten Stelle im Körper anzuschalten, das beherrschen wir beim Menschen noch nicht. Man kann mit Mäusen einiges machen, aber das ist etwas anderes. Kurzum: schauen wir beim Doping besser dorthin, wo es wirklich abgeht, wo die guten alten einfachen anabolen Steroide systematisch eingesetzt werden. Wie damals in der DDR, nur dieses Mal in der kapitalistischen Variante.

Sie sprechen vom Skandal um die kalifornische Firma Balco, die zum Beispiel den Sprintweltrekordler Tim Montgomery mit Anabolika versorgte, die so konstruiert wurden, dass sie bei den bisher üblichen Dopingtests nicht auffallen.

Montgomery und viele andere Spitzensportler - von der Leichtathletik bis zum Baseball. Das ist die neue Dimension des Betrugs. Auf Seiten der beteiligten Firmen stehen wissenschaftlich gebildete Fachleute, mephistophelische Typen. Die haben ein gerade erst für bestimmte Gebärmuttererkrankungen eingeführtes Medikament, das Gestrinon, so modifiziert, dass es bei den Routinetests nicht auffällt. Die kennen die einschlägige Literatur, die kennen die geheimen Forschungsarbeiten aus der DDR. Da braucht man sich nicht wundern, dass sie sogar eine Substanz wie Norbolethon, die nie zu medizinischen Zwecken hergestellt wurde, wieder produzieren und einsetzen. Das kann übrigens jeder in der Anklageschrift gegen Balco nachlesen.

Ist der Markt dafür so groß, dass man damit richtig Geld verdienen kann?

Ja, sicher. Schauen Sie auf die Firma Quest Diagnostics Inc., die ich im Zusammenhang mit dem Balco-Skandal in den USA angezeigt habe. Quest Diagnostics spielt im System von Balco offenbar eine ähnliche Rolle wie einst das Labor von Kreischa für das systematische Doping in der DDR: Sie bestimmen für die Athleten regelmäßig die Urinwerte, auf die es bei den Kontrollen ankommt. Damit erlangt der Athlet vor einem Wettkampf die Gewissheit, dass er nicht auffallen wird. Quest Diagnostics ist eine große Firma mit etwa 4,7 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr, die machen so etwas nicht, wenn damit kein Geld zu verdienen ist.

In welcher Größenordnung?

Für das Personal, die Räume, die Geräte, die Testeinführung und Überprüfung und so weiter braucht man mindestens 250 000 Dollar im Monat, also drei Millionen Dollar pro Jahr. Das muss ja wieder reinkommen. Oder schauen Sie auf die Einnahmen von Victor Conte, dem Balco-Chef. Allein die 40 Schecks von Sportlern, die sichergestellt werden konnten, brachten mehr als 57 000 Dollar.

Wie erklären Sie sich, dass in den USA Doping plötzlich viel hartnäckiger verfolgt wird als früher?

Der Eindruck stimmt nicht. Die USA hatten bisher schon eine sehr viel weiter reichende Gesetzgebung bei Arzneimittelvergehen als Deutschland. Man muss allerdings klar sehen, dass bei Balco nicht die Dopingfahnder des Sports die Aufklärung leisteten, sondern die amerikanische Finanz- und Steuerbehörde, insbesondere deren Special Agent Jeff Novitzky. Der hat sich reingekniet, zum Teil verdeckt ermittelt, er hat die Mülleimer von Balco durchstöbert, den Chef beschattet. Wenn die Dopingfahnder der Sportorganisationen auch nur ein wenig von diesem kriminalistischen Handwerkszeug beherrschten, dann sähe es im Sport anders aus.

Warum sind so viele Sportler bereit, die gesundheitlichen Risiken des Dopings, die ja bekannt sind, einzugehen?

Es gibt Studien, da wurden junge Sportler gefragt: Würdest du Dopingmittel nehmen, wenn du sicher wärst, damit eine olympische Medaille zu gewinnen, dafür aber dein Leben zehn Jahre kürzer wäre? Da sagten viele Ja. Es sind junge Leute, die sind noch leichtsinnig und verdrängen die Konsequenzen. So, wie es auch Raucher machen: Wenn"s jemand trifft, mich trifft"s nicht. Die Nebenwirkungsrate beim Doping ist so hoch wie bei anderen Medikamenten auch. Es erwischt eine Person unter tausend. Nur: wer derjenige ist, das weiß man nicht.

Ihrer Frau Brigitte Berendonk und Ihnen ist vor kurzem das Bundesverdienstkreuz verliehen worden - unter anderem mit der Begründung, dass Sie sich in Ihrer Aufklärungsarbeit auch gegen Widerstände aus dem organisierten Sport und von staatlichen Stellen durchsetzen mussten. Was bedeutet Ihnen der Orden?

Wir betrachten das mit einem Lächeln, es hat eine ironische Seite. Und natürlich ist es auch eine Genugtuung. Bei der Verleihung waren übrigens auch viele Opfer des DDR-Dopingsystems da, die haben uns stehend applaudiert. Wir kennen sie seit Jahren, denn die meisten sind irgendwann zu uns gekommen, weil sie nirgends sonst Unterstützung fanden. Kein einziger Sportmediziner des deutschen Sports hat ihnen geholfen. Noch heute werden die Opfer, die in den Prozessen gegen die Verantwortlichen ausgesagt haben, von den Sportverbänden nicht zu den Treffen der früheren Olympiateilnehmer eingeladen. Man übt lieber den Schulterschluss mit den Tätern wie mit dem früheren DDR-Verbandschef Georg Wieczisk, der heute Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletikverbands ist. Oder mit jenem - gerichtlich so festgestellten - ausgewiesenen Fachdoper der DDR, Bernd Schubert, der auch in Athen als Cheftrainer des DLV dabei sein wird.

Warum haben Sie alle Dopingdokumente, die Sie in der DDR gefunden haben, an die Universität in Austin/Texas gegeben? Kopien liegen doch schon bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur . . .

In Deutschland sind viele davon auf Grund der Rechtslage, nämlich des deutsch-typischen großen Täterschutzes, nicht öffentlich zugänglich. In den USA wirkt das Recht auf Informationsfreiheit. Die Dokumente liegen jetzt in der Lyndon-B.-Johnson-Bibliothek für Zeitgeschichte, wo sie von Wissenschaftlern und Journalisten eingesehen werden können. So kann dieses Kapitel nicht mehr im Dunkel der Geschichte verschwinden. Und wenn die Bibliothek auf die Idee kommen sollte, die Dokumente ins Internet zu stellen, kann man auch nichts dagegen machen.

Sie wären vermutlich nicht so unbeirrbar gewesen, wenn Sie nicht selbst im Grunde ihres Herzens ein Freund des Sports wären.

Meine Frau hat ja schon 1969 in der "Zeit" über die Dopingpraktiken im Westen wie im Ostblock geschrieben, sie hat das als Olympiateilnehmerin 1968 und 1972 alles mitbekommen. Ich habe es als Trainer sozusagen vom Rande der Bahn aus verfolgt.

Sie haben unzählige Prozesse erzwungen, Sie haben in den Dopingfällen Baumann und Leipold auf Seiten der Sportler gekämpft, die Sie für unschuldig hielten. Jetzt munitionieren Sie nebenbei die amerikanischen Ermittler im Balco-Fall. Woher nehmen Sie Ihre Ausdauer?

Ich bin eben Ostwestfale. Das ist der Stamm, der schon im Jahr neun nach Christus die Römer im Teutoburger Wald nicht durchgelassen hat.

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