| Nachruf

Trauer um Professor Manfred Steinbach

Ein Porträtbild in Schwarz-Weiß vom verstorbenen Prof. Dr. Manfred Steinbach © Imago/Camera 4
Im Alter von 92 Jahren ist Prof. Dr. Manfred Steinbach verstorben. Er bleibt nicht nur als erster deutscher Acht-Meter-Weitspringer in Erinnerung, sondern auch als DLV-Präsidiumsmitglied, das über zwei Jahrzehnte den Verband mitgestaltete.
Martin Neumann

Die deutsche Leichtathletik trauert um einen Weltrekordläufer, Weitsprung-Pionier und ausdauernden Funktionär, der sich über viele Jahrzehnte um die olympische Kernsportart verdient gemacht hat: Wie erst jetzt bekannt wurde, ist am 14. Mai Prof. Dr. Manfred Steinbach im Alter von 92 Jahren verstorben. Manfred Steinbach nahm 1956 in Melbourne und 1960 in Rom an zwei Olympischen Spielen teil. In der italienischen Hauptstadt wurde er als Vierter mit 8,00 Metern zum ersten deutschen Acht-Meter-Weitspringer. 1958 egalisierte er in Köln zusammen mit Martin Lauer, Heinz Fütterer und Manfred Germar mit 39,5 Sekunden den 4x100-Meter-Weltrekord der US-Staffel, die mit dieser Zeit in Melbourne triumphiert hatte.

Zwischen 1973 und 1993 zählte er in verschiedenen Funktionen zum Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. „Manfred Steinbach hat über viele Jahre als Athlet und Funktionär herausragende Verdienste für unsere Sportart erbracht. Die gesamte Leichtathletik-Familie trauert und spricht den Hinterbliebenen und Freunden ihr Mitgefühl aus“, sagt der DLV-Aufsichtsratsvorsitzende Jochen Schweitzer.

Manfred Steinbach wurde 1933 im polnischen Sprottau geboren und wuchs in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) auf. Sein sportliches Talent, speziell für Sprint- und Sprungdisziplinen, wurde bereits im Schüleralter entdeckt. Als Student der Medizin in Halle (Saale) schloss er sich 1952 dem Verein SC Wissenschaft Halle an. Vier Jahre später wurde er erstmals DDR-Meister über 100 und 200 Meter, egalisierte mit 10,4 Sekunden den DDR-Rekord und stellte mit der gesamtdeutschen Staffel zusammen mit Lothar Knörzer, Leonhard Pohl und Manfred Germar mit 40,0 Sekunden den Europarekord ein. Bei den folgenden Olympischen Spielen 1956 in Melbourne schied er im 100-Meter-Vorlauf mit 10,8 Sekunden aus.

1960 sprang Manfred Steinbach weiter als Jesse Owens

Die Zeit zwischen den Olympischen Spielen 1956 und 1960 wurde für Manfred Steinbach zur entscheidenden Weichenstellung seines Lebens. Im April 1958 – fünf Jahre nach seinen Eltern – flüchtete der damals 24-Jährige nach West-Berlin, startete zunächst für den VfL Wolfsburg und von 1961 an für den USC Mainz. 1960 in Rom feierte er mit Rang vier und dem ersten Acht-Meter-Sprung eines Deutschen im letzten Versuch seinen größten sportlichen Einzelerfolg. Der Deutsche Rekord sollte acht Jahre Bestand haben. Sechs Wochen vor Rom war er in Berlin mit 8,14 Metern sogar einen Zentimeter weiter gesprungen als der legendäre Weltrekordler Jesse Owens 1935. Doch mit 3,2 Metern pro Sekunde war die Windunterstützung zu groß.

Seine sportliche Karriere beendete Manfred Steinbach zwei Jahre nach seiner Habilitation 1961. Von 1965 bis 1970 leitete er das Sportmedizinische Institut der Universität Mainz und war 1967 als deutscher Teamarzt bei der Universiade im Einsatz. Seine berufliche Karriere führte ihn später als Ministerialbeamter ins hessische Sozialministerium und später als Ministerialdirektor ins Bundesgesundheitsministerium, wo er bis 1993 die Abteilung für Humanmedizin, Arzneimittel und Apothekenwesen leitete.

Für den Deutschen Leichtathletik-Verband war Manfred Steinbach im Präsidium zwischen 1973 und 1985 als DLV-Lehrwart tätig. Danach bekleidete er die Position des DLV-Breitensportwarts (1985-1989) und des DLV-Sportwarts (1989-1993). In dieser Zeit war er an der Eingliederung des DDR-Leichtathletikverbandes DVfL in den DLV beteiligt und erlebte die ersten Weltmeisterschaften 1991 in Tokio und die ersten Olympischen Spiele 1992 in Barcelona einer gesamtdeutschen Mannschaft seit den Olympischen Spielen 1964 in Tokio. Manfred Steinbach lebte zuletzt im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz), die Trauerfeier und Urnenbeisetzung findet am 17. Juni statt.

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