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Der
deutsche 400-Meter-Läufer Ingo Schultz schaffte
das, wovon viele ihr Leben lang träumen. Innerhalb
von nicht einmal 45 Sekunden avancierte er bei
der Weltmeisterschaft in Edmonton zum neuen Shooting-Star
der deutschen Leichtathletik und weckte deren
Viertelmeiler aus ihrem Dornröschenschlaf. Sein
nächstes großes Ziel ist natürlich die Europameisterschaft
in München. Dort will er zeigen, dass die Leistung
in Kanada keine Eintagsfliege war und in der europäischen
Spitze ganz vorne mitmischen.
Das
Nordlicht, das für die LG Olympia Dortmund startet,
zählt als Vize-Weltmeister nun zu den großen Zugpferden,
wurde bei einer deutschlandweiten Umfrage zum
EM-Botschafter gewählt. Damit wird offenkundig,
was den 26jährigen Schultz auszeichnet. Auch nach
seinem großen Erfolg im Commonwealth Stadium ist
er sich immer noch treu und steht mit beiden Beinen
auf dem Boden.
Dabei
stürzte eine ganze Menge auf ihn ein, als er Ende
August nach seinem US-Urlaub, den er sich gleich
nach der WM genehmigte, mit seiner Medaille im
Gepäck wieder in Deutschland ankam. Ein Empfang
jagte den anderen, die Anfragen der Medien stapelten
sich. ãErst seit Oktober komme ich wieder dazu,
etwas zu lesenÒ, fand er erst spät etwas mehr
zu seinem alten Lebensrhythmus zurück. Zwischendurch
wurde er von den Negativschlagzeilen seines Vereins,
der am Rande des finanziellen Kollapses stand,
überrascht und sofort streckten andere die Fühler
nach dem begehrten Silbermedaillen-Gewinner aus.
ãIch bin aber ruhig geblieben und habe gehofft,
dass ich in Dortmund bleiben kann.Ò
Entsprechend groß war auch die Erleichterung,
als er erfuhr, dass sein bis ins EM-Jahr 2002
laufender Vertrag erfüllt wird.
Europameisterschaft
in München ist für den Botschafter das große Ziel
Im
November steigt er in das zielgerichtete Training
ein, tritt aber in der Hallensaison voraussichtlich
nur wenig in Erscheinung. Trotzdem schloss er
einen Start bei der Hallen-EM in Wien mit der
DLV-Staffel nicht kategorisch aus: ãWenn man mich
fragt, werde ich darüber nachdenken.Ò
Sein
großes Ziel ist aber zweifelsfrei die Europameisterschaft
in München im nächsten August, für die er auch
als EM-Botschafter Verantwortung übernimmt. ãDas
ist eine ehrenvolle AufgabeÒ, freut er sich, dass
er auch hier das Interesse des Organisationskomitee
weckte. Im Rahmen eines PR-Termins in München
hat er im Olympiastadion schon einmal die Bahn
vier, wenn auch noch ohne Spikes, getestet: ãDa
hat es schon gekribbelt.Ò Bei verschiedenen Auftritten,
mit seinem souveränen Erscheinen und natürlich
mit seiner Leistung will er den Anreiz geben,
das Event in der bayerischen Landeshauptstadt
zu pushen.
Auch
Wilfrid Spronk freut sich als Geschäftsführer
der Olympiapark München GmbH über das Engagement
des gelernten Diplom-Elektro-Technikers, der gerade
an seiner Doktorarbeit feilt (ãDas wird noch ein
bisschen dauernÒ). Ähnlich ungewöhnlich wie diese
Ambitionen abseits der Leichtathletik-Arenen ist
für einen Leistungssportler auch die Laufbahn
von Spätstarter Ingo Schultz. ãDurch andere Hobbies
hatte ich nie die Zeit gefunden, das zu vertiefenÒ,
erzählt er. Als Kind sang er im Chor, spielte
Geige und Schach. Erst bei den Bundeswehr-Sportfesten
stellte er sich schließlich die Frage, was er
aus seinem läuferischen Talent machen kann und
eins kam zum anderen, bis er vor rund drei Jahren
bei seinem Erfolgstrainer Jürgen Krempin landete.
ãMan sieht, dass noch eine Menge geht, wenn man
spät anfängtÒ, sagt er stolz. Welche Zeit er bei
seinem Potenzial in den Beinen hat, kann er nach
wie vor noch nicht abschätzen.
Deshalb
geht es für ihn im nächsten Jahr darum, sein Leistungsniveau
zu stabilisieren und seine Staffelkollegen für
die EM anzuspornen: ãWir wollen in München ordentlich
laufen.Ò Zu seinen Chancen auf der Einzelstrecke
möchte er sich noch nicht festlegen. ãDort werden
die Karten neu gemischt.Ò Aber eines ist heute
schon sicher. Auch im Olympiastadion steht Ingo
Schultz bei den vielen Zuschauern, auf die er
hofft, hoch im Kurs und auch dann gibt es wieder
etwas gratis dazu: ãSchon der erste Abstecher
nach München hat viel Spaß gemacht.Ò Das wird
sich, wenn alles planmäßig läuft, wiederholen
und es wäre keine Überraschung, wenn er dem Silber
von Edmonton noch etwas draufsetzen könnte.
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