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"München
ist eine schöne Stadt", sagt Karin Ertl.
Und die Hallen-Europameisterin im Fünfkampf
muss es wissen. Schließlich lebt sie seit
1994 hier. Trotz Großstadt hat sich die
bayerische Metropole einen ländlichen Charme
erhalten. Für die Mehrkämpferin ist
genau dies das gewisse Etwas, das die Stadt so
attraktiv macht. "Ich mag Ruhe und viel Grün.
Dann fühle ich mich richtig wohl", sagt die
27-jährige Athletin, die darüber hinaus
mit einem waschechten Münchener verheiratet
ist. Und beides hat sie in Hülle und Fülle.
Für die Leichtathletik-Redaktion bummelt Karin
Ertl durch die schönsten und interessantesten
Ecken der EM-Stadt, die vom 6. bis 11. August
2002 der Nabel der Leichtathletikwelt sein wird.
Auf ihrem Spaziergang präsentiert die hochgewachsene
blonde Athletin witzige Begebenheiten, imposante
Bauwerke, kulinarische Köstlichkeiten, gemütliche
Cafes, luftige Sitzgelegenheiten, traditionell,
bayerische Feiern und unterhaltsame Festlichkeiten.
Und entdeckt dabei auch noch selbst Neues und
Aufregendes in der Stadt, in der 1,3 Millionen
Menschen leben. Denn ein wenig Heimatkunde gibt
es dabei inclusive.
Viel Zeit bleibt der Hallen-Europameisterin normalerweise
nicht für einen Bummel durch die Stadt. Vor
sieben Jahren kam die junge Frau aus Immenstadt
im Allgäu nach München. Wegen dem Sport.
Ihr Trainer, Wolfgang Frenzl baute die Junioren-Vize-Europameisterin
von 1993 behutsam auf. "Ich habe mich sehr schnell
zurechtgefunden, da München doch recht übersichtlich
ist", sagt die 1,76 Meter große Sportlerin.
Im Englischen Garten fühlt
sie sich besonders wohl. "Ich bin ein Naturmensch",
sagt Karin Ertl über sich selbst. Bei einer
Fläche von 373 Hektar bietet der besagte
Englische Garten den Menschen eine riesige Grünfläche
zur Erholung vom Stadtleben. Im Sommer erwartet
den Besucher ein Biergarten nach dem anderen.
Wer sich sportlich betätigen will, hat genügend
Platz oder nimmt sich die Rad- und Wanderwege
vor. Und im Winter sieht man dort viele Eisstockschützen
oder Schlittschuhläufer. Geprägt wird
das Bild vom Chinesischen Turm, dem Seehaus, dem
Monopteros mit dem wunderbaren Blick auf die Türme
der Stadt und dem japanischen Teehaus geprägt.
Der bayerische Kriegsminister Graf Rumford, ließ
einst das Sumpfgebiet an der Isar zu einem Militärgarten
umgestalten.1808 wurde das Gelände dann mit
Zustimmung des Kurfürsten Karl Theodor in
eine Parkanlage ausgeweitet. Karin Ertl bevorzugt
die wärmere Jahreszeit, um durch die riesige
Anlage an der Isar zu schlendern. Und wenn es
ihr zu heiß wird, ist das auch kein Problem.
Dann steckt sie ihre Füße in die Isar.
"Eigentlich sollte man viel mehr Zeit haben, um
diese Wunder der Natur mehr zu genießen",
meint die Mehrkämpferin sehnsüchtig.
Die Athletin ist Profi. Der Sport bestimmt ihr
Leben. Der Tagesablauf dreht sich um die Leichtathletik
im Allgemeinen und den Mehrkampf im Speziellen.
In dieser Saison hatte Karin Ertl lange mit Verletzungsproblemen
am Sitzbein zu kämpfen. Das warf sie teilweise
in ihren Plänen weit zurück. Dennoch
belegte die 27-jährige bei der WM in Edmonton
den fünften Platz. Und auf eines freute sich
die Athletin, die als eine der wenigen Spitzenkräfte
weiterhin für die LAC Quelle Fürth/München
starten wird, nach ihrem Einsatz in Kanada ganz
besonders: sie durfte nach einer Dreiwochen-Diät
("Das mache ich immer vor einem Mehrkampf") wieder
Süssigkeiten schlecken, auf die sie zuvor
freiwillig verzichtet hatte.
Vor der WM war auch nicht viel drin mit diversen
Abstechern in die gemütlichen Cafes am Marienplatz,
eines der Herzstücke der Stadt. Von wegen
Sahnetorte, Nusskuchen oder heiße Schokolade.
Aber wenn schon nicht geschlemmt werden durfte,
auch die Beobachtungen rund um die "gute Stube"
der Stadt sind es wert, ein Weilchen in diesem
Abschnitt von München zu verweilen. Davon
einmal abgesehen, dass auch die Fußgängerzone
mit vielen Kaufhäusern und eleganten Boutiquen
zum Schnuppern und Schlendern lockt. Aber der
Marienplatz ist auch Schauplatz verschiedener
Veranstaltungen und Feierlichkeiten. Der Christkindlsmarkt
mit seinen betörenden Duftgemisch nach Bratwurst,
Mandeln oder Zimtleckereien bezaubert die Menschen
ebenso wie der bayerische Fasching im Februar.
Zu dieser Zeit wird er von den weiß-blauen
Narren in Beschlag genommen.
Früher hieß der Marienplatz "Schrannenplatz"
und war die Ost-West-Handelsachse. Ab dem Jahr
1310 durfte dort schon nicht mehr gebaut werden.
Als Attraktion gilt das neue Rathaus der Stadt,
dessen Glockenspiel täglich Tausende von
Touristen genießen. Auch der Frischbrunnen
und die Mariensäule haben Tradition.
Text: Ursula Kaiser
Fotos: Christine Olma
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