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08.04.2005 | Leute | Ursula Kaiser

Stefan Wenk will Wachablösung herbeiführen

Eigentlich musste es so kommen! Obwohl Manuela Alizadeh eigentlich nie Trainerin werden wollte. Aber die ehemalige Speerwerferin hat Stefan Wenk schon gekannt, da war er noch nicht mal ein Teenager. Und schon damals erkannte sie Talent und Potenzial des Tübingers. Inzwischen arbeitet die ehemalige Weltklassewerferin das vierte Jahr zusammen mit ihm und hat noch keine Minute bereut.

Stefan Wenk will in diesem Jahr angreifen (Foto: Chai)

"Stefan gibt mir in jedem Training das Gefühl, dass es sich lohnt", sagt die junge Frau, die den Speer selbst einmal auf 65,34 Meter donnerte. Davon abgesehen haben beide dieselbe Auffassung von Training, was sich offensichtlich auf die Leistung des 24-Jährigen niederschlägt.

Schon am 19. Februar dieses Jahres setzte Stefan Wenk ein Achtungszeichen in Richtung Konkurrenten. Und zeigte damit, dass es im deutschen Speerwurflager der Männer nun langsam mal an der Zeit für einen Generationswechsel ist.

Weiter Wurf im Schneeregen

Bei äußerlich widrigen Bedingungen, bei Minusgraden, Schneeregen und einer Witterung, bei der nicht einmal ein Hund Lust hatte, seine Nase nach draußen zu stecken, wurden für Stefan Wenk 83,07 Meter gemessen. Besonders überrascht hat diese Weite aber weder Manuela Alizadeh noch ihren Schützling. "Es war eigentlich schon abzusehen", erinnert sich der Tübinger, der sich angesichts der Wetterbedingungen vorrangig gewünscht hatte, "ohne Verletzung aus diesem Wettkampf rauszukommen."

Die 83,07 Meter sorgten in der Szene außerdem für gehörigen Respekt. Zumal in dem schlanken, hochgewachsenen jungen Mann noch weitaus mehr steckt. Um seine hochgesteckten Ziele zu erreichen, trainiert er in der Regel zwei Mal am Tag. Da er sich bei der Sportfördergruppe in Stuttgart-Bad Cannstatt als Zeitsoldat verpflichtet hat, kann sich Stefan Wenk auf den Sport konzentrieren.

Und auf Grund der guten Bedingungen im Unigelände des Sportinstituts in Tübingen hat er optimale Bedingungen. Im Winter wechselte er den Verein – ging von der LAV Asics Tübingen letztendlich zum VfB Stuttgart. Erst wollte Stefan Wenk einen eigenen Verein ins Leben rufen, doch letztendlich waren damit zu viele Schwierigkeiten verbunden und er landete bei den Stuttgartern.

Umfeld in Tübingen

Doch sein Umfeld befindet sich nach wie vor in Tübingen, Trainerin, Wohnort, Freunde. Und der junge Speerwerfer fühlt sich dort auch wohl. Hier arbeitet er auf ein Ziel hin: das neue deutsche Aushängeschild im Speerwerfen zu werden.

Mit 24 Jahren gehört er in dieser Disziplin sowohl international als auch national zu den Jungspunden. "Für die Nachwuchswerfer ist Speerwerfen eine harte Disziplin. Man wird in der Regel weltweit kaum einen Athleten finden, der mit 20 Jahren 86 Meter wirft", sagt der blonde Weitenjäger. "Natürlich gibt es Ausnahmen, aber in der Regel braucht man viel Zeit, um Kraft und Technik aufzubauen und zu verfeinern".

Für Stefan Wenk ist das Speerwerfen nicht nur ein Erfolgsgarant. "Die Faszination liegt für mich im komplexen Bewegungsablauf. Da spielen viele Faktoren in einer kurzen Zeit zusammen. Es ist einfach eine anspruchsvolle Disziplin. Außerdem ist es schön, den Speer fliegen zu sehen", sagt er und grinst.

Schnell und dynamisch

Der Tübinger gehört zur Spezie der schnellen, dynamischen Werfer. "Dennoch hat er enorme Maximalkraftwerte, obwohl er nicht so aussieht", wirft Manuela Alizadeh dazwischen. "Monstermuskulatur" wie es die beiden ausdrücken, sucht man bei ihm vergebens.

Er hat sich schon als kleiner Junge unheimlich gerne bewegt. Mit acht Jahren hat er angefangen mit Mehrkampf – und ist erst mal dabei geblieben. In den Wurfdisziplinen war er aber immer schon ganz gut. "Früher habe ich oft Steine übern Fluss geworfen", erzählt Stefan Wenk. Da sah man schon, was da dahinter steckte.

Doch er spezialisierte sich erst mit 17 Jahren. "Ich wollte immer vielseitig bleiben." Kein Wunder, dass auch die Basketballtrainer in der Hochburg Tübingen die Fühler nach ihm ausstreckten. Doch der Junge lehnte ab. Eine Mannschaftssportart ist nichts für ihn. "Ich möchte für mich selbst verantwortlich sein." Seine Markenzeichen: der starke Wille und die konsequente Einstellung zum Training. "Er hat den Biss, den man braucht, um ganz nach oben zu kommen", meint seine Trainerin, "manchmal provoziere ich ihn, dann haut er mir die Dinger vielleicht um die Ohren, das ist unglaublich."

Start in Doha

Den Winterwurf-Europacup Mitte März in der Türkei hat er sausen lassen. Wegen Rückenbeschwerden. "Ich wollte nichts riskieren", sagt er. Denn schnell hat man sich etwas eingefangen und muss die halbe Saison zusehen. Darauf hatte Stefan Wenk nun wirklich keine Lust.

Seinen ersten Wettkampf der Sommersaison wird er Mitte Mai in Doha bestreiten beim Super Grand Prix. Der Tübinger will sich so oft es geht mit der internationalen Konkurrenz messen. Da das Speerwerfen der Männer 2005 auch wieder Golden League-Wettbewerb ist, hofft er dort auch auf einige Einsätze.

Und dann ist natürlich die WM in Helsinki sein großes Ziel. Das wird nicht leicht. Angesichts der großen Dichte an guten Speerwerfern hierzulande. "Ich rechne mindestens mit vier Leuten, die die Norm von 81,80 Metern schaffen werden", sagt er. Er will auf jeden Fall dabei sein.

Kein Gruppentier

"International hat der Umbruch schon stattgefunden." Am nationalen will er nachhaltig beteiligt sein. In der internationalen Szene der Speerwerfer fühlt sich Stefan Wenk sehr wohl. Konkurrenz gibt es nur auf dem Platz. "Das sind alles nette Jungs und ich bin gut aufgenommen worden", sagt er spitzbübisch. "Es sind ja fast immer die Gleichen. Man sieht sich ja oft alle drei Tage." ‚Bis morgen, da schlage ich dich', ist in der Szene ein geflügeltes Wort. Den Tschechen Jan Zelezny hat er immer bewundert: "An ihm orientiert man sich." Vor zwei Jahren hat er das erste Mal gegen ihn geworfen, im letzten Jahr in Doha hat er ihn das erste Mal besiegt.

Richtig sauer ist Stefan Wenk äußerst selten und wenn, dann ärgert er sich meistens über sich selbst. Er gilt als umgänglicher, humorvoller und unkomplizierter Mensch, der nach oben kommen will und der gerne allein mit seiner Trainerin trainiert. "Ich bin nicht das Gruppentier. Allein kann man sich besser konzentrieren. Da kommt einfach mehr dabei heraus."

Unterhaltung hat er dennoch genug. "Gesprächsthemen gibt es immer, nicht nur über das Werfen." Manuela Alizadeh ist sehr wichtig für den jungen Athleten. "Sie ist meine Vertrauensperson und Sport ist im Moment die Hauptbeschäftigung in meinem Leben. Und ich mache ihn mit Leidenschaft und Spaß", sagt Stefan Wenk, der sich nebenbei für Multimedia, Grafik und Computer interessiert. Er will sich in Kürze auch eine Homepage gestalten lassen.

Immer hungrig

Eine weitere Leidenschaft des jungen Mannes: Essen. "Er hat immer Hunger", stöhnt Manuela Alizadeh augenzwinkernd. Sie hat ihre eigene Methode ihren Schützling besonders zu motivieren: "Wir wetten ab und zu um Steaks. Das Dumme ist nur, dass man es bei mir sofort sieht und bei ihm überhaupt nicht." Ein bisschen Spaß muss sein. Auch im Hochleistungssport.

Die beiden sehen ihre Zusammenarbeit als Glücksfall. "Immerhin lässt er sich von einer Frau trainieren, das spricht für ein gewisses Selbstbewusstsein", sagt Manuela Alizadeh und lacht. Seine große Stärke: er ist kein Schönwettersportler. Selbst wenn es regnet oder schneit, lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Wie bei den Winterwurfmeisterschaften in Sindelfingen. Matsch macht nichts, ist das Motto. "Ich musste ihn auch noch nie mit dem Silbertablett ins Training tragen", lacht Manuela Alizadeh. Stefan Wenk hat dazu seine eigene Philosophie: "Zwar hasse ich Regen bei Wettkämpfen, aber ich kann es doch nicht ändern, deshalb versuche ich ihn mir zum Freund zu machen."

85 Meter hat er sich in diesem Jahr zu seinem persönlichen Richtwert genommen. "Im Training habe ich schon so weit geworfen", verrät der 24-Jährige. Ein gutes Omen. Eins ist ziemlich eindeutig. Stefan Wenk steht in den Startlöchern für eine erfolgreiche Saison. Wer weiß, vielleicht klappt die Wachablösung ja früher als er selbst damit rechnet.

Bildergalerie

Der 24-Jährige hat sich bereits erste Meriten verdient (Foto: Gantenberg)

Als Sportsoldat genießt er gute Bedingungen (Foto: privat)

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