www.leichtathletik.de

22.12.2007 | Aktuell | Alexandra Neuhaus

Claudia Tonn - Auf dem Weg zu neuer Lockerheit

Es gibt Jahre, in denen läuft nichts wie es soll. 2007 war ein solches Jahr für Claudia Tonn. Erst platzte beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen der schon sicher geglaubte Traum von der WM-Teilnahme, dann machten ihr zunächst Probleme im Sitzbein und schließlich Knieschmerzen einen endgültigen Strich durch die restliche Saisonplanung.

Claudia Tonn greift wieder an (Foto: Philippka)


Statt in Wettkämpfen in Aktion zu treten, fand sich die Athletin des LC Paderborn am 1. August auf dem Operationstisch wieder. Doch im nächsten Jahr soll alles anders werden, denn das große Ziel lautet: Olympia.

„Ich habe fest mit der Quali gerechnet“, bekennt die 26 Jahre alte Siebenkämpferin. Grund genug hatte sie, war der Wettkampf in Götzis (27. Mai) doch der zweitbeste ihrer Karriere. Umso größer dann die Enttäuschung, als in Ratingen nichts nach Plan lief. „Ratingen habe ich total versaut“, fällt Claudia Tonn ein vernichtendes Urteil über ihre eigene Leistung. 5.980 Punkte waren in der Endabrechnung zu wenig für die Weltmeisterschaft. Der Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) hatte genug Auswahl, nominierte drei andere Athletinnen.

„Ich bin ganz schlecht mit der Nicht-Nominierung zurecht gekommen“, bilanziert die gebürtige Hessin rückblickend. Zumindest bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften wollte sie später sich und allen anderen dann beweisen, was in ihr steckt. Doch auch daraus wurde nichts. „Nach einem Hochsprungtraining schwoll mein Knie plötzlich an“, erinnert sie sich. Zunächst verspürte sie keinen Schmerz, doch nach einer Woche wurde es so schlimm, dass sie nicht einmal mehr schmerzfrei gehen konnte. Die Diagnose: Eine Plica, eine Gelenkschleimhautfalte im Knie.

Optimistisch in die kommende Saison

Am 1. August wurde diese entfernt. Es war kein großer Eingriff, bedeutete aber dennoch den Tiefpunkt einer ohnehin schon verkorksten Saison. Doch die Zwangspause hatte auch ihre positiven Seiten, gab sie der Athletin Zeit, die vielen kleinen Wehwehchen auszukurieren, die der Leistungssport mit sich bringt. Und auch ihrem Studium an der Uni Bielefeld (M.A. in Public Health) konnte sich Claudia Tonn in dieser Zeit etwas intensiver widmen.

Seit Anfang Oktober steht der Leistungssport wieder auf Nummer eins ihrer To-Do-Liste. „Das Training läuft nach Plan und auch die Gesundheit spielt mit“, bescheinigt ihr Trainer Uwe Florczak und versprüht Optimismus im Bezug auf die kommende Saison. Denn 2008 soll es wieder bergauf gehen mit seinem Schützling. Das Duo hat das letzte Jahr genau analysiert, versucht herauszufinden, was schief gelaufen ist, was geändert werden muss, um den Traum von Olympia Realität werden zu lassen.

Analyse der vergangenen Monate

Wieder mehr Wettkämpfe - Hallensaison geplant (Foto: Gantenberg)


„Die letzte Hallensaison konnte ich aufgrund einer Verletzung nicht bestreiten“, erinnert sich Claudia Tonn und ergänzt: „Das war wohl der Grundstein für meine Unsicherheit im Sommer. Ich brauche Wettkämpfe. Dort hole ich mir meine Sicherheit.“ Keine Frage also, dass sie in diesem Jahr unterm’ Hallendach in Aktion treten wird.

Ein weiteres Mosaiksteinchen in Punkto Unsicherheit waren aber auch die großen Erwartungen an den eigenen Körper. „Mir ist in den letzten Jahren der Spaß, die Lockerheit abhanden gekommen“, gesteht Claudia Tonn ganz offen und ehrlich. „Ich habe mir selber Druck gemacht. 2004 bin ich, was Sponsoren und Medien angeht, von Null auf Hundert geschossen (Anm. d. Red. 12. Platz Olympische Spiele). Ich stand plötzlich in der Öffentlichkeit. Und das ist auch gut so, denn ich brauche externe Sponsoren, da ich keinen finanzstarken Verein hinter mir habe.“

Hohe Erwartungen an den eigenen Körper

Aber Sponsoren erwarten eben auch eine entsprechende Gegenleistung für ihre Unterstützung. Hinzu kommt, dass Claudia Tonn neben dem alltäglichen Training auch als Physiotherapeutin arbeitet und für die Uni müsse sie schließlich auch etwas tun. „Wahrscheinlich bin ich deshalb nicht so professionell wie andere Athletinnen, aber ich wollte es so und würde diesen Weg auch immer wieder einschlagen.“ Ein Indiz für die Kämpfermentalität, die in der sympathischen Athletin steckt.

Den verloren gegangenen Spaß will sie sich in der kommenden Saison zurückerobern. „Die Konkurrenz im Siebenkampf ist groß“, weiß Claudia Tonn und ist sich auch der Tatsache bewusst, dass die bloße Erfüllung der Norm noch nicht das Olympia-Ticket nach Peking (China) bedeutet.

Doch Claudia Tonn ist nicht nur körperlich wieder oben auf, motiviert und fokussiert auf eine neue Bestleistung (6.373 Pkt., 2006), sondern sie bringt auch wieder die nötige positive Energie mit, um den Weg zu den Olympischen Spiele einzuschlagen. Denn ihr Vorsatz für das kommende Jahr ist schlicht: „Spaß haben.“

Unterstützt durch:

Top Events

ISTAF Berlin
22. August 2010

EM 2010 in Barcelona
26. Juli bis 1. August 2010

DLV-BewegungsCamps


Facebook

Diese News veröffentlichen