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30.01.2009 | Laufen & Walking | aktiv laufen

Was tun, wenn's im Kreuz schmerzt?

Auch LĂ€ufer bleiben von plötzlich auftretenden, tief sitzenden RĂŒckenschmerzen nicht verschont. Das sogenannte Iliosakralgelenk kann schon bei einer falschen Bewegung blockieren. Hier lesen Sie, wie Sie schnell wieder schmerzfrei auf die Laufstrecke kommen.

Kreuzschmerzen treten oft wie aus heiterem Himmel auf (Illustration: Fuckerer)


Den ganzen Tag hat sich Tanja Siebert auf ihre abendliche Laufrunde gefreut, nicht zuletzt aufgrund des sommerlichen Wetters. Zu Hause angekommen tauscht sie hastig ihr KostĂŒm gegen den Laufdress. An der HaustĂŒre will sie sich nur noch schnell die Laufschuhe anziehen und schon ist’s passiert: Knacks - beim BĂŒcken hat sie sich irgendwie zur Seite gewendet und sich dabei den RĂŒcken verdreht. Das war’s mit dem sportlichen Tagesausklang.

„Ich konnte mich plötzlich kaum noch normal bewegen. Die Schmerzen strahlen vom unteren RĂŒcken ĂŒber das GesĂ€ĂŸ und den Oberschenkel bis zum Knie aus“, berichtet Tanja Siebert ihrem OrthopĂ€den. Bei der anschließenden Untersuchung findet der Arzt ĂŒber der rechten Kreuzdarmbeinfuge den maximalen Schmerzpunkt. Ein spezieller Test zeigt, dass seine Patientin beim Aufrichten des Oberkörpers aus der RĂŒckenlage ein Bein vorschiebt. Diese sogenannte variable BeinlĂ€ngendifferenz erhĂ€rtet seine erste Verdachtsdiagnose: eine Blockierung des rechten Iliosakralgelenks.

EingeschrÀnkter Spielraum

Das Iliosakralgelenk (ISG, Articulatio sacroiliaca oder Kreuzbein-Darmbein-Gelenk) ist Teil unseres Beckens, ĂŒber das unsere Beine mit dem Skelett des Rumpfes in Verbindung stehen. Das Kreuzbein bildet die RĂŒckwand des knöchernen Beckens. Es steht als unterster Teil der WirbelsĂ€ule mit dem letzten Lendenwirbelkörper in Verbindung und liegt zwischen den beiden HĂŒftbeinen. Deren AuslĂ€ufer fĂŒhren in einem Bogen nach vorn und sind dort ĂŒber eine etwa ein Zentimeter breite knorpelige Verbindung, die Schambeinfuge, zusammengefĂŒgt. Die HĂŒftbeine bestehen aus jeweils drei miteinander verschmolzenen Knochen: dem Darmbein, dem Sitzbein und dem Schambein. Diese wachsen im Laufe der Wachstumsperiode zusammen, sodass ihre Grenzen im Erwachsenenalter nicht mehr erkennbar sind.

Die beidseitigen Verbindungen zwischen Kreuzbein und Beckenschaufeln (hinten Mitte) nennt man Iliosakralgelenke, abgekĂŒrzt ISG (Foto: Fotolia)


Zwischen dem Kreuz- und dem Darmbein liegen die beiden Iliosakralgelenke. Es handelt sich dabei um so genannte Amphiarthrosen, also Gelenke, deren Bewegungsspielraum stark eingeschrĂ€nkt ist. DafĂŒr verantwortlich sind eine straffe Gelenkkapsel und starke, kurze BĂ€nder. Das Iliosakralgelenk ist die grĂ¶ĂŸte Amphiarthrose des menschlichen Körpers und verankert die WirbelsĂ€ule fest im Beckenring.

Obwohl die Bewegungsmöglichkeiten im Iliosakralgelenk durch die starke BĂ€nderverankerung lĂ€ngst nicht mit denen des Knie- oder Schultergelenks vergleichbar sind, macht sich eine Blockierung auch hier unmittelbar bemerkbar: Die eingeschrĂ€nkten BewegungsumfĂ€nge des unteren RĂŒckens, des Beckens sowie gegebenenfalls auch der Beine und das GefĂŒhl, „etwas sei eingeklemmt“, werden von akuten Schmerzen im Bereich des ISG und oft auch von sogenannten pseudoradikulĂ€ren Beschwerden begleitet.

Schmerzen können in die Beine ausstrahlen

Durch die knöcherne Verschiebung werden die sensiblen VersorgungsnervenĂ€ste der kleinen Wirbel- oder Kreuzdarmbeingelenke irritiert, wodurch die Schmerzen vom RĂŒcken ĂŒber das GesĂ€ĂŸ in die Leiste oder bis zum Knie ausstrahlen können. Bei „echten“ radikulĂ€ren Schmerzen werden dagegen die aus dem Wirbelkanal austretenden Nervenwurzeln beeintrĂ€chtigt.

Sportler sind hĂ€ufig von einer Blockierung des ISG betroffen. Durch eine „falsche“, unvorhergesehene Bewegung und Krafteinwirkung, wie etwa einem „Tritt ins Leere“ bei Unebenheiten auf der Laufstrecke, beim BĂŒcken oder einem „Verheben“, kann sich die straffe Verbindung zwischen Kreuzbein und Becken verschieben. In vielen FĂ€llen verursachen schnelle Rotationsbewegungen die Verkantung der GelenkflĂ€chen. UngĂŒnstige Einflussfaktoren sind neben einer Überlastung und starker KĂ€lteeinwirkung auch bestimmte statische Voraussetzungen wie zum Beispiel eine angeborene BeinlĂ€ngendifferenz. Eine lĂ€nger andauernde Blockierung kann zu chronischen Beschwerden mit nachfolgender Überlastung der angrenzenden BĂ€nder fĂŒhren.

Befreiende Griffe

Mit den richtigen Griffen können Ärzte und Physiotherapeuten Schmerzen im Kreuz erfolgreich behandeln (Foto: Fotolia)


Tanja Siebert will ihre Schmerzen so schnell wie möglich loswerden und wieder mit dem Training beginnen. Ihr Arzt versucht zunĂ€chst, die akute Beweglichkeitsstörung im Kreuz-Darmbein-Gelenk mit chirotherapeutischen Maßnahmen zu beheben. Bei der Chirotherapie werden mit gezielten Handgriffen reversible Funktionsstörungen am Bewegungsapparat wie Gelenkblockierungen und Muskelfunktionsstörungen behandelt. Zu den dabei angewendeten Techniken gehören Weichteil- und Muskelentspannungstechniken, Mobilisationen und Manipulationen. Ein eingeschrĂ€nktes Gelenkspiel im ISG ist mittels Chirotherapie meistens gut zu therapieren.

Tanja Siebert geht es nach den verschiedenen Griffen und Drehungen ihres Arztes schon viel besser. Sie verspĂŒrte dabei auch eine Art „Einrenken“ im Bereich des ISG. Die Schmerzen sind nun wesentlich ertrĂ€glicher und sie fĂŒhlt sich wieder freier beweglich.

Lockerer Trainingsstart

„Dennoch sollten Sie nicht gleich morgen wieder loslaufen“, rĂ€t der Mediziner. Außerdem empfiehlt er Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen, falls die Beschwerden wieder stĂ€rker werden. Als weitere schmerzlindernde Behandlungsmaßnahmen kommen Akupunktur und physikalische Therapien wie StangerbĂ€der, Elektrotherapie, Massagen sowie die lokale Anwendung von WĂ€rme infrage. In hartnĂ€ckigen FĂ€llen kann der OrthopĂ€de auch BetĂ€ubungsmittel (LokalanĂ€sthetika) direkt in das Iliosakralgelenk injizieren.

Bei wiederkehrenden Blockierungen sollten zum Ausschluss anderer Erkrankungen wie Arthrosen, BandscheibenverĂ€nderungen, Wirbelgleiten, Morbus Bechterew, MuskelverkĂŒrzungen, BĂ€nder- und Sehnenreizungen oder rheumatisch bedingten Beschwerden auch Röntgen- beziehungsweise Computertomographiebilder und ein Blutbild angefertigt werden. Außerdem sind bei hĂ€ufig auftretenden ISG-Blockierungen Manuelle Therapie, rĂŒckenstabilisierendes Muskeltraining und eine Gangschule zur Vermeidung von funktionellen Fehlbewegungen sinnvoll.

Tanja Siebert fĂŒhlt sich nach dem chirotherapeutischen Eingriff ihres OrthopĂ€den mit jedem Tag besser. Durch tĂ€gliche WĂ€rmeanwendung und regelmĂ€ĂŸige Massagen ist sie nach einer Woche beschwerdefrei und nimmt ihr Training wieder auf. Aber bei aller Vorfreude auf die bevorstehende Laufrunde - beim Umziehen und besonders beim Anziehen der Laufschuhe lĂ€sst sie sich nun durch nichts und niemanden mehr aus der Ruhe bringen.

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