04.03.2009 | Aktuell | Anja Herrlitz
Die große Hallen-EM-Vorschau - Frauen
Von Freitag bis Sonntag (6. bis 8. März) finden in Turin (Italien) die Hallen-Europameisterschaften statt - eine erste Standortbestimmung im Jahr der Weltmeisterschaften in Berlin. In insgesamt 26 Disziplinen werden Titelträger gesucht. leichtathletik.de hat sich für Sie die einzelnen Disziplinen vorgenommen. Wer gehört bei den Frauen zu den heißen Favoritinnen und welche Chancen haben die deutschen Starterinnen?
Verena Sailer mischt in Europa vorne mit (Foto: Chai)
60
Meter
Eine Zeit unter 7,20
Sekunden peilt die Mannheimerin
Verena Sailer bei der
Hallen-EM an und damit hätte sie gar keine schlechten Chancen mindestens auf
das Finale und vielleicht sogar dort auf eine vordere Platzierung. Die
Jahresschnellste in diesem Jahr ist nämlich die Russin Anna Geflikh mit 7,18
Sekunden. Nur einen Hauch langsamer war ihre Teamkollegin Natalya Murinovich (7,18
sec), die damit auch Ansprüche auf eine Medaille angekündigt hat. Nach einer
Verbesserung auf 7,24 Sekunden in Athen (Griechenland) sollte man auch die junge Bulgarin Inna
Eftimova, Zweite der U20-EM 2007, auf der Rechnung haben.
400
Meter
Egal wen die Russinnen
an den Start schicken - der Titel wird wohl nur über sie gehen, zu dominant
sind sie. Die besten sieben Viertelmeilerinnen kommen in diesem Winter aus
Russland, die Schnellste unter ihnen war Antonina Krivoshapka in überragenden
50,55 Sekunden. Kann sie diese Leistung erneut abrufen, sollte ihr Gold kaum zu
nehmen sein. Erste Anwärterinnen auf die Medaillen sind zudem ihre
Teamkolleginnen Darya Safonova (52,05 sec) und die Olympia-Dritte von 2004,
Natalya Antyukh (52,50 sec).
Ohne deutsche Beteiligung.
Tatyana Petlyuk ist immer für eine vordere Platzierung gut (Foto: Chai)
800
Meter
Sechs Läuferinnen sind
in dieser Hallensaison schon unter zwei Minuten geblieben, fünf von ihnen gehen
in Turin an den Start und sind damit erste Anwärterinnen auf eine Medaille. Gleich
zwei Läuferinnen unter der markanten Marke schicken die Briten mit Marilyn
Okoro (1:59,27 min) und Jennifer Meadows (1:59,52 min) ins Rennen. Die
schnellste Europäerin war bislang allerdings die Italienerin Elisa Cusma
Piccione, die mit ihrem Landesrekord von 1:59,25 Minuten auf sich aufmerksam
machte. Immer auf der Rechnung haben sollte man allerdings auch die Russinnen,
die durch die Russische Hallenmeisterin Mariya Savinova (1:59,45 min) und
Titelverteidigerin Oksana Zbrozhek (2:00,04 min) vertreten werden. Und auch die
Ukrainerin Tatyana Petlyuk (1:59,63 min) ist immer für eine vordere Platzierung
gut, wie Silber bei der Hallen-EM vor zwei Jahren und der Hallen-WM im
vergangenen Jahr beweisen.
Ohne deutsche Beteiligung.
1.500
Meter
Drei Läuferinnen haben
sich mit ihren bisherigen Ergebnissen der Hallen-Saison ein wenig vom Rest des
Feldes abgesetzt: Die Spanierin Nuria Fernández (4:01,77 min) sowie die beiden
Russinnen Anna Alminova (4:02,23 min) und Oksana Zbrozhek (4:03,86 min), wobei
Letzere in Turin die 800 Meter in Angriff nimmt. Beide Läuferinnen haben
allerdings auch für die 3.000 Meter gemeldet, auf die sich zumindest die
Spanierin konzentrieren will. Die 1.500 Meter will sie auch dann in Angriff
nehmen, sollten die Vorläufe über die längere Distanz ausfallen.
Ohne
deutsche Beteiligung.
3.000
Meter
Die 24 Jahre alte Russin
Anna Alminova ist sowohl über 1.500 und 3.000 Meter gemeldet, über die längere
der beiden Distanzen führt sie mit 8:28,49 Minuten und einem beeindruckenden
Vorsprung von gut 15 Sekunden die Hallen-Bestenliste Europas an. Die
Favoritenbürde muss sie als jetzt viertschnellste Läuferin aller Zeiten über
diese Distanz tragen. Hinter ihr haben sich die Irin Mary Cullen (8:43,74 min)
und die Portugiesin Jessica Augusto (8:44,81 min) einen kleinen Vorteil
gegenüber der übrigen Konkurrenz erarbeitet, auf dem sie sich aber nicht
ausruhen dürfen. Der Polin Lidia Chojecka könnte mit einem Sieg der Hattrick
gelingen, in dieser Saison hat sie sich allerdings noch nicht sehr stark
präsentiert.
Ohne deutsche Beteiligung.
Carolin Nytra und Nadine Hildebrand peilen das Finale an (Foto: Chai)
60 Meter
Hürden
„Zwischen 7,95 und 8,10
Sekunden ist es auf europäischer Ebene sehr eng. Da wird der Kopf im Halbfinale
entscheiden, wer in den Endlauf einzieht“, bringt es die Bremerin
Carolin Nytra (8,08 sec) auf den Punkt. Sie und
Nadine Hildebrand (8,06 sec; LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg) liegen in diesem Gedränge
mittendrin und rechnen sich bei einem guten Halbfinal-Lauf Chancen auf einen
Platz im Endlauf aus. Auswertungen ergaben, dass Carolin Nytra bei den
Deutschen Hallen-Meisterschaften in Leipzig auf dem Weg zu einer Zeit unter acht
Sekunden war, bis sie in eine Hürde trat. Mit einer solchen Zeit könnte sie um
eine Medaille kämpfen. Beste Chancen auf Gold haben sich die Spanierin
Josephine Onyia (7,95 sec), die Belgierin Eline Berings (7,97 sec) sowie die
Ex-Hallen-Weltmeisterin Derval O’Rourke (7,99 sec) erarbeitet. Auch die Russin
Tatyana Pavliy blieb schon unter acht Sekunden, steht aber nicht im russischen
Aufgebot.
Hochsprung
Die Frankfurterin
Ariane Friedrich ist aus deutscher Sicht wohl eine der
heißesten Kandidatinnen auf Gold oder mindestens eine Medaille. Gemeinsam mit
Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien) führt die 25-Jährige mit 2,05 Metern die
Weltbestenliste an, das einzige Aufeinandertreffen der beiden entschied die
Frankfurterin für sich. Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften bewies Ariane
Friedrich zudem mit knapp gerissenen Versuchen über 2,06 Meter, dass sie noch
mehr drauf hat. Sollte das Duo an seinen Vorleistungen anknüpfen, wird ihnen
Gold und Silber wohl kaum zu nehmen sein - für beide wäre es die erste Medaille
bei einer Hallen-EM. Kommt die Berlinerin
Meike Kröger an
ihre Bestleistung von 1,92 Metern heran oder sogar darüber, kann sie den Einzug
in das Finale schaffen.
Silke Spiegelburg springt um die Medaillen mit (Foto: Chai)
Stabhochsprung
Weltrekordlerin und
Überfliegerin Yelena Isinbayeva (Russland) verzichtet auf einen Start, so dass
sich ein spannender Wettkampf mit offenem Ausgang ankündigt. Vier Springerinnen
überflogen in der Halle schon 4,71 Meter, unter ihnen auch die frischgebackene
deutsche Hallen-Rekordlerin
Silke Spiegelburg aus
Leverkusen. Sie hat, genauso wie die Mainzerin
Anna Battke
(4,60 m), die schon zahlreiche gute Versuche an den 4,71 Metern gezeigt hat,
Chancen auf eine Medaille - vielleicht sogar auf Gold. Konkurrenz bekommen sie
dabei vor allem von der Russin Yuliya Golubchikova (4,71 m). Wiederholt
Kristina Gadschiew aus Zweibrücken ihre 4,50 Meter von den
Deutschen Hallen-Meisterschaften oder kann gar noch ein bisschen zulegen,
sollte auch ihr der Einzug in das Finale gelingen.
Weitsprung
Drei Russinnen kämpfen
um den ersten Hallen-EM-Titel in dieser Disziplin für ihr Land. Olga Kucherenko
(6,84 m), Tatyana Voykina (6,70 m) und Yelena Sokolova (6,69 m) haben sich
dafür bereits an der Spitze der diesjährigen Hallen-Bestenliste Europas in
Position gebracht, so dass auch mehr als eine Medaille für Russland
herausspringen könnte. Ein rein russisches „Treppchen“ will vor allem die Estin
Ksenija Balta verhindern, die zuletzt mit 6,70 Metern einen neuen Landesrekord
sprang. Die Berlinerin
Melanie Bauschke sollte mindestens in
den Bereich ihrer Saisonbestleistung springen, um das Finale zu erreichen.
Dreisprung
Die Russin Anastasia
Taranova-Potapova führt mit 14,67 Metern die Hallen-Bestenliste Europas an.
Konkurrenz droht ihr aber auf jeden Fall von der Slowenin Marija Sestak. In
diesem Jahr flog sie bislang auf 14,52 Meter, die Bestleistung der
Hallen-WM-Dritten von 15,08 Metern datiert aus dem vergangenen Jahr. Um das
Finale zu erreichen, muss die Jenaerin
Katja Demut
wahrscheinlich erneut in den Bereich ihrer Hallen-Bestleistung von 14,06 Metern
springen.
Denise Hinrichs absolvierte bislang eine starke Hallen-Saison (Foto: Gantenberg)
Kugelstoßen
Titelverteidigerin und
Lokalmatadorin Assunta Legnante präsentierte sich zuletzt mit aufsteigender
Form (18,85 m) und wird sicherlich um eine Medaille kämpfen. Noch besser
präsentiert haben sich in diesem Winter allerdings drei andere Stoßerinnen.
Neben der Rumänin Anca Heltne (19,54 m) waren dies die beiden Deutschen
Denise Hinrichs (TV Wattenscheid 01; 19,25 m) und
Petra Lammert (SC Neubrandenburg; 19,00 m). Beide kämpfen
nicht nur um eine Medaille, sondern eventuell sogar um Gold.
Fünfkampf
Siebenkampf-Olympiasiegerin
Natalya Dobrynska (Ukraine) und die Olympia-Dritte Kelly Sotherton
(Großbritannien) verzichten auf einen Start, Titelverteidigerin Carolina Klüft
(Schweden) hat dem Mehrkampf ade gesagt und Hallen-Weltmeisterin Tia Hellebaut
(Belgien) ist schwanger - es kündigt sich ein spannender Kampf um die
Mehrkampfkrone an. Beste Aussichten auf eine Platzierung ganz oben auf dem
„Stockerl“ haben die beiden Russinnen Anna Bogdanova und Olga Kurban, die beide
Bestleistungen von mehr als 4.600 Punkten aufzuweisen haben. Die Deutsche
Hallen-Meisterin im Mehrkampf,
Christine Schulz aus
Leverkusen, hat sich in diesem Jahr mit 4.517 Punkten schon in guter Verfassung
präsentiert und auch die Neubrandenburgerin
Sonja
Kesselschläger kann nicht zuletzt wegen ihrer Erfahrung ein Wörtchen
im Kampf um die vorderen Platzierungen mitreden.
4x400
Meter
Der Sieg geht wohl nur
über die Russinnen, die die sieben schnellsten Viertelmeilerinnen des Winters
stellen. Beste Chancen auf eine Medaille sollten den Britinnen, jeweils Dritte der
beiden letzten Hallen-Europameisterschaften, und den weißrussischen
Titelverteidigerinnen zugestanden werden.
Ohne deutsche
Beteiligung.
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