www.leichtathletik.de

11.08.2013 | WM 2013 | Silke Bernhart

Michael Schrader: „Ich liebe Zehnkampf!“

Zehnkämpfer Michael Schrader (TSV Bayer 04 Leverkusen) hat am Sonntag bei der WM in Moskau (Russland) mit neuer Bestleistung von 8.670 Punkten für die erste deutsche Medaille der Titelkämpfe gesorgt. Warum der Leverkusener trotz verletzungsgeplagter Jahre nie ans Aufhören gedacht hat, warum der Umzug nach Halle die richtige Entscheidung war und welchen Anteil sein Ex-Trainer und Ex-Weltmeister Torsten Voss an seinem Erfolg hat, berichtet der 26-Jährige im Gespräch mit den Journalisten.

Michael Schrader konnte in Moskau endlich zeigen, was er drauf hat (Foto: Chai)


Michael Schrader, herzlichen Glückwunsch zu WM-Silber! War das der Zehnkampf, auf den Sie so lange gewartet haben?

Michael Schrader:
Der Stabhochsprung hat mich ein bisschen geärgert, da wäre mehr drin gewesen. Aber ansonsten bin ich schon an meine Grenzen gegangen. Mehr ging heute einfach nicht! Ich bin überglücklich!

Entschädigt das WM-Silber für die langen Durststrecken?

Michael Schrader:
Ich habe in den letzten Jahren hart gearbeitet, war gut in Form und wurde dann immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Das hat nicht nur mir wehgetan, sondern auch meinen Trainern. Die haben genauso gelitten. Jetzt ist es einfach nur Klasse, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Dass ich nicht aufgegeben habe. Aber ich hätte sowieso weiter gemacht. Ich liebe Zehnkampf! Ich wusste immer, was ich drauf habe. Ich musste nur gesund bleiben.

Was hatten Sie sich denn für den WM-Zehnkampf vorgenommen?

Michael Schrader:
Ich wollte eigentlich nur meine Leistung aus Ulm bestätigen, das wären 8.400 Punkte gewesen. In Ulm habe ich das bei Mistwetter geschafft, hier bei einem so großen Wettkampf zieht sich das natürlich auch viel mehr. Mit 8.400 wäre ich voll zufrieden gewesen. Jetzt habe ich ein paar Punkte mehr gemacht. Aber es waren keine Leistungen dabei, die ich überhaupt nicht erwartet hätte. Im Zehnkampf ist es immer schwierig, an seine Leistungsgrenze zu gehen. Teilweise hat das hier geklappt, darüber bin ich sehr glücklich.

Welche Rolle spielt die Trainingsgemeinschaft in Halle?

Michael Schrader:
Ich glaube, ich habe mit Rico Freimuth und Norman Müller die stärkste Trainingsgruppe der Welt. Das hilft, auf einem sehr hohen Niveau zu trainieren. Das habe ich getan.

Und dass Rico Freimuth hier mit im Feld war?

Michael Schrader:
Wir sind sehr gute Freunde, beste Freunde. Wir haben uns gut unterstützt, uns die schlechte Laune genommen und die gute Laune auf den anderen übertragen. Das ist das Wichtigste im Zehnkampf: Man darf den Spaß nicht verlieren!

Der einzige deutsche Zehnkämpfer, der bei einer Weltmeisterschaft noch erfolgreicher war als Sie ist Ihr Ex-Trainer Torsten Voss, der 1987 Zehnkampf-Gold gewann. Welchen Anteil hat er an Ihrem Erfolg?

Michael Schrader:
Torsten Voss habe ich alles zu verdanken, mit ihm habe ich die Grundlagen gelegt. Hätte ich ihn nicht gehabt, würde ich wahrscheinlich schon lange keinen Zehnkampf mehr machen. Er hat mir trotz der Verletzungen den Spaß am Zehnkampf immer wieder vermittelt.

Seine Bestmarke haben Sie heute nicht ganz erreicht…

Michael Schrader:
Nein, da fehlen noch zehn Punkte. Deswegen hat er es auch verdient, einen Platz weiter vorne gelandet zu sein (lacht).

Warum fiel schließlich die Entscheidung, zu Wolfgang Kühne nach Halle zu gehen?

Michael Schrader:
Veränderungen tun immer gut, gerade im Leistungssport, wenn man über Jahre hinweg dasselbe Training macht. Torsten arbeitet tagsüber, ich habe also vier Jahre lang morgens alleine trainiert. Da war die Motivation ein bisschen im Keller. Außerdem funktioniert in der Halle in Uerdingen die Heizung nicht mehr. Wenn man ohnehin viele Wehwehchen hat, tut es nicht gut, in der Kälte zu trainieren. Also habe ich mich mit Torsten abgesprochen und er hat gesagt, wenn ich wechseln will, dann zu Wolfgang Kühne. Der hat mich gesund durchs Jahr gebracht und die Arbeit von Torsten fortgeführt.

Wie weit weg war der Gedanke an WM-Silber am Anfang des Jahres?

Michael Schrader:
Sehr weit weg! Ich wollte dieses Jahr einfach nur gesund durch die Saison kommen und mehrere Wettkämpfe machen. Eigentlich drei Zehnkämpfe, jetzt sind es nur zwei geworden, dabei bleibt es. Ich wollte gesund bleiben, mich für die WM qualifizieren und hier Spaß haben. Den hatte ich!

Wie wird die Medaille denn jetzt gefeiert?

Michael Schrader:
Wir holen uns gleich eine Wodka-Flasche, die haben wir uns schon ausgesucht (lacht). Aber viel getrunken wird nach so einem Wettkampf wahrscheinlich eh nicht…

Michael Schrader beendet Leidenszeit mit Silber


Mehr rund um die WM:
News | DLV-Team | Zeitplan | DLV-Teambroschüre | TV-Termine

Unterstützt durch:

Top Events

Team-EM 2014
Braunschweig (21./22. Juni)

Erdgas Mehrkampf-Meeting
Ratingen (28./29. Juni)

DM 2014
Ulm (26./27. Juli)

ISTAF 2014
Berlin (31. August 2014)

German Meetings e.V.

Sei dabei!