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28.03.2012 | Leute | Silke Bernhart

Trainer im Fokus - Sven Lang

Sie stehen hinter den Erfolgen der deutschen Topathleten, feilen mit ihnen an ihren Leistungen, jubeln und leiden mit ihren SchĂŒtzlingen – und bleiben doch meist im Hintergrund. leichtathletik.de widmet sich in einer neuen Serie den Trainerinnen und Trainern in der deutschen Leichtathletik. Heute: Kugelstoß-Bundestrainer (MĂ€nner) Sven Lang.

Sven Lang trainiert viele der besten deutschen Kugelstoßerinnen und Kugelstoßer (Foto: Chai)


Der Name Sven Lang ist unweigerlich verbunden mit dem seines prominentesten SchĂŒtzlings: Kugelstoß-Weltmeister David Storl (LAC Erdgas Chemnitz). Sven Lang betreute den heute 21-JĂ€hrigen schon, als er 2007 U18-Weltmeister und 2009 U20-Europameister wurde. Auch im Moment seines grĂ¶ĂŸten Triumphs bei den Weltmeisterschaften 2011 in Daegu (SĂŒdkorea) war er an seiner Seite.

Was dabei oft außer Acht gerĂ€t: Der Erfolg weiterer deutscher Topathleten trĂ€gt ebenfalls seine Handschrift. Bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Istanbul (TĂŒrkei) gehörten gleich drei der 17 deutschen Starter zur Trainingsgruppe von Sven Lang. Neben David Storl waren dies Christina Schwanitz und Candy Bauer (beide LV 90 Erzgebirge).

FrĂŒher als MehrkĂ€mpfer aktiv

Wenn man Sven Lang nach seiner eigenen Bestleistung  mit der Kugel fragt, muss der 49-JĂ€hrige ĂŒberlegen. „Au weia - das kann ich gar nicht mehr genau sagen. Ein bisschen was ĂŒber 15 Meter“, lautet dann die Antwort. Er sei frĂŒher ZehnkĂ€mpfer gewesen, erklĂ€rt er. Dabei hĂ€tten ihm damals eher die Langsprints und die Sprungdisziplinen gelegen. „Der Wurf war eigentlich nicht so mein Ding.“

Bis zu nationalen Meisterschaften schaffte es der Sachse als MehrkĂ€mpfer, die TĂ€tigkeit als Trainer rĂŒckte aber schon bald in den Mittelpunkt. Es sei schon immer sein Berufswunsch gewesen, Leichtathleten zu trainieren, erklĂ€rt er. So entschied er sich fĂŒr ein Studium der Sportwissenschaften an der Deutschen Hochschule fĂŒr Körperkultur (DHfK) in Leipzig, der Schmiede zahlreicher Erfolgstrainer der ehemaligen DDR.

GrĂŒndung des LV 90 Thum

Ein Jahr vor der Wende beendete Sven Lang sein Trainerstudium in Leipzig. Schon nach kurzer Zeit wurde er Teil des gesamtdeutschen Hochleistungssport-Systems, das einher ging mit der Etablierung einer neuen Vereinsstruktur – und fĂŒr Sven Lang selbst mit einer VereinsgrĂŒndung.

„Ich habe mit zwei Kollegen nach der Wende den LV 90 Thum gegrĂŒndet“, erklĂ€rt der Trainer und liefert damit auch gleich die BegrĂŒndung fĂŒr die Zahl 90 im Vereinsnamen. Aus dem LV 90 Thum wurde im vergangenen Jahr der LV 90 Erzgebirge, der nicht zuletzt dank Sven Lang fĂŒr geballte Kugelstoß-Power steht: Neben Christina Schwanitz und Candy Bauer starten fĂŒr den Verein auch Sophie Kleeberg, Sechste der Hallen-EM 2011 und der U23-DM-Dritte Max Bedewitz.

Beförderung zum Bundestrainer

Sven Lang ĂŒbernahm zunĂ€chst in seinem eigenen Verein das Traineramt und wurde spĂ€ter zusĂ€tzlich vom Verband Sachsen als Landestrainer angestellt. Damit war er bald auch fĂŒr Talente anderer Vereine, zum Beispiel des LAC Erdgas Chemnitz, zustĂ€ndig.

Anfangs betreute er Athleten unterschiedlicher Disziplinen, doch da sich die Trainer die Disziplinblöcke aufteilten, landete Sven Lang relativ bald im Wurfbereich, und dort blieb er.

Im Jahr 2009 berief der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) den Erfolgscoach als Kadertrainer fĂŒr den weiblichen Nachwuchs. Im Jahr 2012 wurde er zum Bundestrainer im Kugelstoßen der MĂ€nner befördert und leitet seitdem gemeinsam mit Frauen-Bundestrainer Klaus Schneider die Geschicke in einer der erfolgreichsten DLV-Disziplinen.

WM-Gold in Daegu: ein Gemeinschaftsprojekt von Trainer Sven Lang und Athlet David Storl (Foto: Chai)


Konsequent und geduldig


„Ich bin als sehr konsequent bekannt und in vielen Sachen wenig kompromissbereit“, sagt Sven Lang, wenn man ihn nach seinen zentralen Eigenschaften als Trainer fragt „Aber ich habe auch eine Wahnsinnsgeduld.“ Seine Sportler sagen ĂŒber ihn, er gehe individuell auf die einzelnen Athleten ein und könne Trainingsinhalte fĂŒr jeden gut vermitteln – eine Herausforderung bei einer Gruppe, die sich aus fĂŒnf und mehr Kandidaten fĂŒr internationale TitelkĂ€mpfe zusammensetzt.

Teil des respektvollen VerhĂ€ltnisses zwischen Trainer und Athleten ist, dass Sven Lang von seinen SchĂŒtzlingen gesiezt wird. Ihm ist es wichtig, dass er bei bis zu zwölf gemeinsamen Trainingseinheiten pro Woche abseits des Sportplatzes Distanz zu den Sportlern hĂ€lt: „Ich lasse ihnen ihre Freiheiten“, sagt er.

„Sven Lang hat zu 95 Prozent gute Laune. Und wenn er nicht gut gelaunt ist, liegt das selten an uns“, sagt Christina Schwanitz, die seit 2010 von Sven Lang betreut wird. Die 26-JĂ€hrige schwĂ€rmt von der guten Stimmung in der Trainingsgruppe und vom Einsatz ihres Trainers: „Er ist immer erreichbar und kĂŒmmert sich um alles.“ Nur abzuschalten falle ihm schwer, sagt die Kugelstoßerin. Er ist eben mit Leib und Seele Trainer, und das rund um die Uhr.

Pendeln zwischen Heim und Halle

RĂŒckhalt erfĂ€hrt der schwer beschĂ€ftigte Erfolgstrainer von seiner Familie. „Meine Frau hat großes VerstĂ€ndnis dafĂŒr, auch wenn es fĂŒr sie nicht ganz einfach ist“, sagt Sven Lang. Er wohnt in Markkleeberg und arbeitet in Chemnitz: pro Strecke 75 Minuten Fahrt auf der Landstraße. Oft bleibt er am Abend in Chemnitz und fĂ€hrt nicht mehr nach Hause. Sein erstes Enkelkind, gerade ein halbes Jahr alt, sieht er selten.

FĂŒr seinen Einsatz belohnt wird Sven Lang durch die Erfolge seiner Athleten. Die schönsten Erinnerungen hat er an das WM-Gold von David Storl, das auch fĂŒr ihn ĂŒberraschend und damit umso ĂŒberwĂ€ltigender war.

Eine weitere Auszeichnung erhielt der Markkleeberger am vergangenen Wochenende in Leipzig: Beim Mitteldeutschen Olympiaball wurde er zum Trainer des Jahres 2011 gekĂŒrt. Der Preis habe ihn mit Freude und Stolz erfĂŒllt, sagt er. „Aber ich habe schon dort gesagt: Ich habe den Preis stellvertretend fĂŒr alle Trainer in Empfang genommen.“

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