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Inspiration in Corona-Zeiten (IV): Was sonst noch möglich ist

Die Resonanz war überwältigend: Für die Auszeichnung der "Besten Leichtathletik-Initiativen im Corona-Jahr 2020" gingen fast 100 Bewerbungen ein. Nach der Vorauswahl einer Expertenjury bestimmte eine Publikumswahl die Reihenfolge der Top Sechs. Doch auch zahlreiche Bewerbungen, die es nicht in die engere Auswahl geschafft haben, konnten mit kreativen und vielseitigen Ideen aufwarten. In den vergangenen Wochen haben wir daher weitere Projekte vorgestellt und enden diese Reihe heute mit weiteren bemerkenswerten Initiativen, die vielleicht auch anderen als Anregung dienen können.
Nicolas Walter

Aufrechterhaltung des Kinder- und Jugendtrainings im Stabhochsprung (SG Vorwärts Frankenberg)

Mitte März 2020 absolvierten die Leichtathleten der SG Vorwärts Frankenberg ihr letztes Training. Um nicht dauerhaft auf die komplexe und anspruchsvolle Disziplin des Stabhochsprungs verzichten zu müssen, organisierte der Trainer der Trainingsgruppe einen Einstichkasten aus Rochlitz und einige alte Läufer für den Anlauf aus Frankenberg. Zuhause hob er in seiner Einfahrt ein Loch für den Einstichkasten aus und verlegte die neue Anlaufbahn. Mittels weiterer kleiner Hilfsmittel entstand somit eine fast fertige Stabhochsprunganlage.

Lediglich eine Stabhochsprung-Matte fehlte zunächst. Durch einen Tipp eines Vereinsmitglieds erfuhren die Projektverantwortlichen schließlich, dass in einem Schullandheim alte Matratzen gegen neue ausgetauscht würden. Kurzerhand holte der Verein etwa 30 Matratzen ab und vervollständigte somit die nun fertige Anlage.

Nach einigen vorsichtigen Anfangs-Versuchen nahmen die Jugend-Athleten des Vereins schließlich das Training in Kleingruppen mit zwei bis drei Personen wieder auf. Und das mit voller Begeisterung. Die SG Vorwärts Frankenberg hielt mit der selbstgebastelten Stabhochsprung-Anlage nicht nur den Trainingsbetrieb aufrecht, sondern sorgte bei den jungen Sportlern mit einer innovativen Idee für viel Spaß und Abwechslung. Beispielhafter Stabhochsprung auf der Anlage im Video.

Beat Kip 2h (VfB Fallersleben)

Um seinen Athleten auch in Zeiten mit nur geringem Wettkampfangebot eine Trainingsmotivation zu bieten, rief der VfB Fallersleben die vereinsinterne Veranstaltung „Beat Kip 2h“ ins Leben. Ziel des Events war es, dass die Sportler des Vereins abwechselnd die 400-Meter-Distanz laufen und am Ende zusammengerechnet den inoffiziellen Marathon-Weltrekord von Eliud Kipchoge (Kenia; 1:59:39 h) unterbieten sollten. 

Gemeinsam trainierten die Athleten im Alter von 11 bis 65 Jahren motiviert auf dieses Ziel hin. Insgesamt 23 Sportler nahmen schließlich an der Veranstaltung teil – und das mit vollem Erfolg. Nach knapp 105 Stadionrunden konnte der Weltrekord in 1:56:37 Stunde sogar deutlich unterboten werden.

Zur Zusammenfassung der Veranstaltung auf der Homepage des VfB Fallersleben.
Die letzten 30 Minuten der Veranstaltung im Video.

Nightlight (TuS Feuchtwangen)

Manchmal sind es bereits einfache Ideen, die viel bewirken können: Die TuS Feuchtwangen hatte genau solch eine Idee. Nachdem der Landkreis Ansbach nach der vierstufigen Corona-Ampel die Stufe zwei erreicht hatte und die Ampel somit auf "rot" stand, waren in der Halle – sofern der Abstand von anderthalb Metern nicht dauerhaft gewährleistet werden konnte – nur noch sportpraktische Übungen mit dem Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung möglich.

Da die Vereinsverantwortlichen unter diesen Rahmenbedingungen ein Training für schwer umsetzbar hielten, überlegten sie, welche weiteren Optionen für die Durchführung des Trainings in Frage kommen würden. Kurzerhand wurde im Herbst das Training ins Freie verlegt. Da es allerdings zunehmend früher dunkel wurde, schaffte der Verein insgesamt vier mobile Akku-Scheinwerfer an und konnte somit einzelne Wettkampfbereiche auf dem Sportplatz ausleuchten.

Bereits mit zwei Scheinwerfern konnte die Stabhochsprunganlage ausreichend ausgeleuchtet werden, sodass die beiden anderen Scheinwerfer für Tempoläufe auf der Laufbahn, an der Kugelstoßanlage oder in der Nähe des Diskuskäfigs positioniert werden konnten. Der Verein schaffte es somit erfolgreich, die Freiluftsaison in den Herbst hinein zu verlängern und seine Athleten neu zu motivieren.

Hygienix und Hygienika (TSV Simbach)

Die Leichtathletik-Abteilung des TSV Simbach wählte aus jeder seiner Trainingsgruppen zwei Sportler aus, die unterstützend auf die Einhaltung und Umsetzung des Hygienekonzepts im Trainingsbetrieb achten sollten. „Hygienix“ und „Hygienika“ durften während des Trainings gesonderte T-Shirts tragen und kümmerten sich neben dem verantwortlichen Trainer fortan beispielsweise um das Führen von Anwesenheitslisten oder das Befüllen der Desinfektionsspender.

Mit dieser einfachen Idee wurde das Verantwortungsbewusstsein aller Nachwuchsathleten des Vereins auf kreative Art und Weise gefördert. Gleichzeitig konnte so einmal mehr sichergestellt werden, dass die vorgegebenen Hygienemaßnahmen eingehalten wurden.

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