| Interview der Woche

Anna Hahner: „Plötzlich hat jemand den Stecker gezogen“

Das Lächeln wirkte am Ende ein bisschen gequält. Anna Hahner (run2sky.com hatte am Sonntag beim Berlin-Marathon Probleme, das Tempo zu halten, wirkte alles andere als locker. In 2:30:19 Stunden verfehlte die Läuferin ihre beiden großen Ziele: Ihre Bestzeit (2:26:44 h) aus dem Vorjahr verpasste sie um rund dreieinhalb Minuten, die DLV-Olympianorm (2:28:30 h) um knapp zwei Minuten. Nach dem Rennen fragte laufen.de, warum der 27. September nicht ihr Tag war.
Norbert Hensen

2014 erlebten die Zuschauer eine Anna Hahner, die gefühlt 42 Kilometer lang lächelte. Warum lief es heute nicht so rund wie vor einem Jahr?

Anna Hahner:

Rational kann ich das noch nicht erklären. Die Vorbereitung lief super, auch in der Woche in Berlin habe ich mich sehr gut gefühlt. Als ich heute Morgen an der Startlinie stand, war ich mir sicher, dass es eine Bestzeit werden kann. Bis zur Halbmarathon-Marke habe ich mich wirklich klasse gefühlt. Warum die Beine plötzlich so schwer wurden, kann ich noch nicht sagen. An den Bedingungen hat es auf jeden Fall nicht gelegen. Die Zuschauer waren wieder mal gigantisch.

Wann haben Sie gespürt, dass es nicht rund lief?

Anna Hahner:

Es ging schon bei Kilometer 25 los. Die Beine wurden schwerer, ich konnte das Tempo einfach nicht mehr halten. Es fühlte sich an, als hätte mir jemand den Stecker gezogen. Auf die Olympianorm hatte ich zunächst ja noch einen Puffer, ich wollte unbedingt noch unter 2:28:30 Stunden bleiben, aber hinten raus ging es einfach nicht mehr.

Ihre Durchgangszeit beim Halbmarathon (1:13:12 h) war schneller als Ihre offizielle Bestzeit. Müssen Sie im Nachhinein sagen, dass es vielleicht zu schnell war?

Anna Hahner:

Ich bin sehr kontrolliert gelaufen, habe auch nicht überzogen. Daran lag es nicht, wir müssen jetzt in Ruhe analysieren, woran es gelegen haben könnte.

Dieter Baumann, Co-Kommentator des Rennens bei der ARD, meinte, dass Sie Ihre Unterdistanz-Leistungen noch deutlich verbessern können. Wie stehen Sie dazu?

Anna Hahner:

Ich muss dazu sagen, dass wir im Training großen Wert auf die Entwicklung der Grundschnelligkeit legen. Sicherlich haben wir noch Potenzial, schneller zu werden und das auch im Wettkampf zu zeigen. Klar, ein größerer Puffer zum Marathontempo ist ein Vorteil – daran arbeiten wir.

Sie und auch Ihre Zwillingsschwester Lisa haben das große Ziel, im nächsten Jahr in Rio (Brasilien) zu starten. Wie geht das Projekt Olympia 2016 nun weiter?

Anna Hahner:

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist unser großer Traum – daran halten wir natürlich fest. Jetzt wünsche ich mir, dass Lisa in Frankfurt vorlegt und die Norm schafft. Ich werde dann im nächsten Frühjahr nachziehen. Ich weiß ja, dass ich die Norm laufen kann. Wir müssen nun in Ruhe Plan B schmieden. Wann und wo das Rennen sein wird, kann ich aber noch nicht sagen.

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