Braunschweiger Überraschungssprünge nach Athen
Auch am windigen zweiten Tag der Deutschen Meisterschaften in Braunschweig, die am Wochenende insgesamt 33.000 Zuschauer erlebten, erhöhte sich die Zahl der potenziellen Olympiastarter im DLV-Team noch einmal. Mit Andreas Pohle (Dreisprung) und Junioren-Europameisterin Silke Spiegelburg (Stabhochsprung) nutzten zwei Athleten die letzte Olympiachance.
Silke Spiegelburg jubelte sich zur Norm (Foto: Kiefner)
Silke Spiegelburg (Lengerich) sorgte im Frauen-Stabhochsprung für die Überraschung. Nachdem sie Anfang der Woche nicht für die Junioren-WM in Grosseto nominiert worden war, katapultierte sie sich nun mit etwas Wut im Bauch über die Olympianorm von 4,40 Metern und holte sich hinter der Mainzerin Carolin Hingst (4,50 m) den Vize-Titel. Die Leverkusenerin Floé Kühnert und die Hallen-WM-Teilnehmerin Nastja Ryshich (Ludwigshafen), die bereits die Norm geknackt hatten, blieben mit 4,20 bzw. 4,10 Metern im Kampf um den Titel außen vor. Das galt auch für die EM-Dritte Yvonne Buschbaum, die sich beim Einspringen die Achillessehne riss.
Den Olympiasprung nach Athen hat etwas überraschend auch der Ohrdrufer Andreas Pohle geschafft. Der Dreispringer überbot im letzten Durchgang die Norm von 16,99 Metern um fünf Zentimeter und war damit in Abstinenz von Vize-Europameister Charles Friedek klarer neuer Titelträger.
Ehrenrunde für die Hammerwerfer
Im Hammerwerfen ließen sich zum Auftakt des Sonntags die ersten Drei auf einer Ehrenrunde feiern und setzten so zumindest einen ersten emotionalen Akzent. Ex-Weltmeister Karsten Kobs (Leverkusen; 78,07 m) hatte sich wieder einmal durchgesetzt. Dessen Vereinskollege, der DLV-Jahresbeste Markus Esser, wurde mit 77,18 Metern um einen Zentimeter hinter dem Frankfurter Holger Klose nur Dritter. Karsten Kobs (über eine Leistungsbestätigung bei der Norm aus dem letzten Jahr) und Markus Esser (mit erfüllter Norm) werden nun den Weg zu den Olympischen Spielen in Athen antreten.
Dort will auch Ex-Weltmeisterin Franka Dietzsch, die in Braunschweig die Diskuskonkurrenz mit guten 64,41 Metern gewonnen hat, eine Rolle spielen.
Tobias Unger besticht trotz Gegenwind
Auf der Bahn stand über 400 Meter der Kampf um die Staffelplätze für die Olympischen Spiele im Mittelpunkt. Während die Favoriten Claudia Marx (52,94 sec) und Ingo Schultz (45,95 sec) nichts anbrennen ließen, waren dahinter bei den Frauen die hoch eingeschätzte Chemnitzerin Jana Neubert ein Opfer des wohl zu schnellen Anfangstempo und kam nur als Siebte ins Ziel.
Unter dem Gegenwind im Stadion an der Hamburger Straße litt die 200-Meter-Zeit von Sina Schielke (23,73 sec). Bei leicht verbesserten, aber noch nicht umgekehrten Windverhältnissen brillierte der Kornwestheimer Tobias Unger in der Männerkonkurrenz in 20,42 Sekunden. Verletzungsbedingt mussten in den Läufen Gabi Rockmeier und Ronny Ostwald abstoppen.
Erst Titel, dann Heiratsantrag
Auf den 800 Metern übernahm der Pirnaer René Herms nach rund 300 Metern die Spitze, um das Tempo hoch zu halten. Dem um die Olympianorm ringenden Nico Motchebon (Kornwestheim) half das aufgrund der äußeren Bedingungen alles nichts. Der Titelverteidiger aus Sachsen lief bei windigen Verhältnissen in 1:49,03 Minuten letztlich ungefährdet zum neuerlichen DM-Sieg.
Danach sorgte René Herms für ein weiteres Highlight, als er seiner Freundin vor 18.000 Zuschauern einen Heiratsantrag machte, der sogleich mit einem klaren "Ja" angenommen wurde.
Bemerkenswert war am Sonntag auch das siegreiche Comeback der Erfurterin Melanie Schulz nach Verletzungspause, auch wenn ihre Zeit von 10:22,08 Minuten noch nicht für höhere Ansprüche genügte. In erster Linie zählte aber der erste Platz.
Olympia-Tickets für Henry und Nicolay
Eine Überraschung brachte der Weitsprung der Frauen. Heike Drechsler schied schon nach einem Versuch mit einer Oberschenkel-Verletzung aus. Der Titel ging an die gebürtige Polin Urszula Gutowicz-Westhof (Berliner SC; 6,51 m). Bianca Kappler (LC asics Rehlingen) blieb mit 6,46 Metern nur Platz zwei, Sofia Schulte landete als Dritte bei 6,45 Metern.
Im Speerwurf der Männer gingen die beiden noch zu vergebenden Olympiatickets an Boris Henry (Sieger mit 86,36 m) und Christian Nicolay (Zweiter mit 82,77 m). Der bereits qualifizierte Peter Esenwein wurde als Sechster mit 80,65 Metern notiert. Bronze holte Peter Blank (82,65 m).
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