| Olympische Spiele 2016

Christoph Harting erklärt Verhalten und tauscht Rollen

Und dann spricht er doch: Christoph Harting (SCC Berlin) hat seinen viel diskutierten Auftritt bei der Siegerehrung nach seinem Diskus-Olympiasieg in Rio de Janeiro (Brasilien) nach dem Prinzip „kurze Hose, Holzgewehr, dann musste ich mich rechtfertigen“ erklärt und Einblicke zu seinem Verhalten gegeben.
dpa / Christian Fuchs

„Wie bereitet man sich darauf vor, Olympiasieger zu werden? Ich meine, selbst bei aller Tagträumerei, die man irgendwie vollziehen kann - sowas kannst du dir nicht vorstellen, sowas kannst du dir nicht ausmalen“, sagte der 25 Jahre alte Berliner in einem Interview der ARD, das es auch <link https: www.youtube.com>auf YouTube zu sehen gibt.

„Ich meine, die haben die Hymne nur für mich gespielt. Es war unfassbar", sagte Christoph Harting. „Stillstehen war nicht so meins, deswegen ist das vielleicht falsch angekommen.“

Entschuldigung von Christoph Harting

Er hatte geschunkelt und gefeixt, als die Nationalhymne gespielt worden war. Sein befremdliches Verhalten löste große Kritik aus. „Du bist auch noch halb im Wettkampfmodus, du bist im Kopf eigentlich völlig woanders, du bist hormon-technisch völlig übersteuert. Damit umzugehen ist natürlich eine Kunst für sich“, sagte Christoph Harting, der jüngere Bruder von Peking-Olympiasieger Robert Harting.

Er entschuldigte sich auch: „Wem ich da auf den Fuß getreten bin: Tut mir leid, war nicht so gemeint.“

Rollentausch: Christoph Harting interviewt Fanreporter

Außerdem erklärte Christoph Harting, warum er in diesem Jahr keine Interviews gegeben hat: „Es raubt unheimlich viel Zeit und Energie. Der Hauptgrund dafür ist: Ich bin Sportler und ich verstehe mich auch nur als solcher, das heißt meine Aufgabe ist Sport machen. Dafür lebe ich. Die PR-Maschinerie drumherum ist ein anderes Berufsfeld. Das muss man auch erst lernen. Da muss man seinen Gesellen machen.“

Einen ersten Schritt dahin tat er mit einem Rollentausch mit dem DOSB-Fanreporter. Dort stellte nämlich der frischgebackene Olympiasieger die Fragen – heraus kam ein unterhaltsamer, verbaler Schlagabtausch, den es ebenfalls <link https: www.youtube.com>auf YouTube zu sehen gibt.

Michael Vesper: "Nicht hoch spielen"

Grundsätzlich bleibt das Diskus-Ass aber gespalten: Christoph Harting kündigte zum einen an, dass er auch künftig im Olympiajahr keine Interviews geben wolle, aber nun auch wisse, dass es „als Olympiasieger ein Stück weit Verantwortung“ sei, den Medien gegenüberzutreten.  

Der deutsche Chef de Mission Michael Vesper bezeichnete es als "nicht gut", was Christoph Harting da bei der Siegerehrung gezeigt habe, verzieh ihm am Sonntag aber auch: "Er war noch im Wettkampfmodus. Wenn er noch eine Medaille hier gewinnen würde, würde er es mit Sicherheit anders machen. Man sollte das nicht allzu hoch spielen."

mit Material der Deutschen Presseagentur (dpa) und des Sportinformationsdienstes (SID)

 

Interview mit Christoph Harting

Der Auftritt von Diskuswerfer Christoph Harting nach seinem Olympiasieg hat für reichlich Diskussionen gesorgt. Einige Stunden nach seinem Wettkampf bezog er im Deutschen Haus in Rio de Janeiro Stellung.

Haben Sie schon realisiert, was Ihnen gelungen ist?

Christoph Harting:

Nein. Ich habe es noch nicht begreifen können. Man kann sich nicht vorstellen, wie geil es ist, Olympiasieger zu werden. Ich bin völlig übersteuert, ich habe so viele Gefühle.

Hatten Sie schon vor dem Wettkampf ein gutes Gefühl?

Christoph Harting:

Ich wusste beim Aufstehen, dass ich gewinnen werde. Ich wusste nicht wie, aber ich wusste es. Ich habe an die Ziele geglaubt, die ich mir gesteckt habe. Das lässt man sich von niemandem wegnehmen. Seit Saisonbeginn gab es nur ein Ziel. Es war ein steiniger Weg, aber ich habe es geschafft.

Ihr Verhalten nach dem Wettkampf und bei der Siegerehrung hat viele Diskussionen ausgelöst. Wie haben Sie die Situation erlebt?

Christoph Harting:

Ich war noch nicht aus dem Tunnel raus. Es war das erste Mal, dass ein großer Diskus-Wettkampf am Vormittag stattfand und die Siegerehrung zwei Stunden später. Wir hatten keine Zeit, uns darauf einzustellen. Ich war noch voller Energie. Ich habe nicht die richtige Kleidung getragen. Ich habe die Bilder noch nicht gesehen. Ich hätte mit den Dingen vielleicht anders umgehen können.

Bereuen Sie Ihr Verhalten?

Christoph Harting:

Es sind meine ersten Olympischen Spiele. Ich stehe das erste Mal ganz oben. Man ist darauf nicht vorbereitet. Viele Sportler weinen, andere sind ganz starr. Ich wäre gerne gedanklich früher aus dem Wettkampf rausgekommen. Es war nicht toll, es ist falsch angekommen. Ich wollte es genießen, auf meine Weise. Jeder, der vielleicht schon mal ganz oben stand, kann das vielleicht nachvollziehen. Ich möchte mich bei allen, die sich auf den Schlips getreten fühlen, entschuldigen.

Direkt nach dem Wettkampf haben Sie keine Interviews gegeben. Warum?

Christoph Harting:

Ich habe seit Anfang des Jahres keine Interviews gegeben. Ich bin Sportler und verstehe mich auch so. Ich will nicht Gesprächsthema sein und aus meinem Namen Kapital schlagen. Ich bin meiner Linie immer treu geblieben. Daher habe ich es gelassen. Mein erster Gedanke war, bleib fair, gib auch weiterhin keine Interviews. Dass es dann so gelaufen ist, habe ich erst abends im Deutschen Haus erfahren. Doof gelaufen. Es war nicht so gemeint.

Das Gespräch im Deutschen Haus führte Oliver Mucha (SID)

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