| Rückblick

Der große Disziplin-Check 2015 - 400 Meter Männer

Das Leichtathletik-Jahr 2015 neigt sich dem Ende entgegen. Hinter Athleten, Trainern und Fans liegen Monate voller Höhepunkte, mit internationalen Meisterschaften der U18, U20 und U23 sowie mit Hallen-EM und WM der Aktiven. Die abschließenden leichtathletik.de-Analysen zeigen, wie sich die einzelnen Disziplingruppen 2015 präsentiert haben. Heute: 400 Meter der Männer.
Jan-Henner Reitze

2015 im Rückblick

Mit Alexander Gladitz (LG Hannover) hatte das Jahr einen Senkrechtstarter, der als einziger DLV-Athlet 2015 unter 46 Sekunden geblieben ist. Schon im Winter begann das Jahr mit dem überraschenenden ersten DM-Titel und der Teilnahme an der Hallen-EM. Beim persönlichen Jahreshöhepunkt, der U23-EM, folgten Rang fünf im Einzel und Bronze mit der 4x400-Meter-Staffel, gemeinsam mit Jakob Krempin (TSG Bergedorf), Torben Junker (LG Olympia Dortmund) und Marc Koch (LG Nord Berlin). Eine starke Teamleistung.

Bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg waren Namen vorne, die aus den vergangenen Jahren bekannt sind. Eric Krüger (SC Magdeburg) holte sich vor Kamghe Gaba (LG Stadtwerke München) und Jonas Plass (Asics Team Wendelstein) den Titel. Nach seinem starken Jahr 2014 mit EM-Platz sechs und sechs Zeiten unter 46 Sekunden lief es für Kamghe Gaba in diesem Jahr gesundheitlich nicht ganz rund. Auch im Team reichte es bei der Staffel-WM nicht für die erhoffte, vorzeitige Olympia-Qualifikation. Zur WM nach Peking (China) wurde kein DLV-Quartett geschickt.

Nicht nur in der U23, sondern auch in der U20 zeigte sich, dass für die Zukunft einige Talente bereitstehen. Bei der U20-EM holten Constantin Schmidt (TG Obertshausen), Pascal Unbehaun (Erfurter LAC) und Jaakkima und Aleksi Rösler (beide SG Schlüchtern) ebenfalls Staffel-Bronze.

Unsere Top Drei

Alexander Gladitz

LG Hannover, 20 Jahre
SB/PB: 45,96 sec (2015)
DM: 11. Platz
U23-EM: 5. Platz | 3. Platz (Staffel)
DLV-Jahresbestenliste: 1.
Europäische Bestenliste: 36.
Welt-Jahresbestenlisten: 167.

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail alex-schaf zum athletenporträt von alex>Eric Krüger

SC Magdeburg, 27 Jahre
SB: 46,05 sec | PB: 45,77 sec (2013)
DM: 1. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 2.
Europäische Bestenliste: 43.
Welt-Jahresbestenlisten: 192.

<link http: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail kamghe-gaba zum athletenporträt von kamghe>Kamghe Gaba

LG Stadtwerke München, 31 Jahre
SB: 46,15 sec | PB: 45,47 sec (2006)
DM: 2. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 3.
Europäische Bestenliste: 46.
Welt-Jahresbestenlisten: 205.

Unser Hoffnungsträger

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail constantin-schmidt zum athletenporträt von constantin>Constantin Schmidt

TG Obertshausen, 19 Jahre
SB/PB: 46,50 sec (2015)

Zweimal ist Constantin Schmidt 2015 unter 47 Sekunden geblieben, erreichte das Halbfinale der U20-EM und holte sich Gold bei der Jugend-DM. Gute Voraussetzungen für den Anschluss in der Aktiven-Klasse im kommenden Jahr. Mit dem Chemnitzer Marvin Schlegel ist noch ein Nachwuchs-Athlet unter 47 Sekunden geblieben, der sogar erst in die U20 aufsteigt.

Der Pechvogel

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail david-gollnow>David Gollnow

LG Stadtwerke München, 26 Jahre
SB: 47,10 sec | 45,72 sec (2013)
                   
Schon in der Vorbereitung machte der Fuß Probleme. Zuerst biss sich David Gollnow noch durch und absolvierte auch erste Rennen. Dann musste der Münchner doch einsehen, dass weitere Wettkämpfe keinen Sinn machen, und dem Körper eine Pause geben.

2016 im Ausblick

Die Vorzeichen für das Olympia-Jahr stehen ähnlich wie in den Jahren zuvor. Einige Athleten haben die Anlagen, Zeiten unter 46 Sekunden zu erreichen. Ob dies auch gelingt, hängt vor allem davon ab, ob es verletzungsfrei durch den Winter und die Saison geht. Wettkämpfe unterm Hallendach werden wieder eher eine nachgeordnete Bedeutung haben. Die EM im Sommer ist ein erstes, willkommenes Ziel vor den Olympischen Spielen, Leistung abzurufen und sich auch im Einzel international zu messen.

Kommt eine annähernd optimale, individuelle Form der einzelnen Athleten zustande, gepaart mit zusätzlichen Kräften, den der Teamgeist freisetzt, ist für die Staffel nicht nur der Traum von Olympia greifbar. Dann kann es dort auch in den Endlauf gehen - wie zuletzt die WM 2011 in Daegu (Südkorea) gezeigt hat.

Langfristig möchte Bundestrainer Marco Kleinsteuber über sprintstarke Nachwuchsathleten das Niveau in seinem Kader erhöhen. Dieses Konzept braucht etwas Zeit. Die Erfolge im U20- und U23-Bereich verdeutlichen, dass Potential verhanden ist. 

Das sagt der Bundestrainer

Herr Kleinsteuber, wie fällt Ihre Bilanz für das WM-Jahr 2015 aus?

Marco Kleinsteuber:

Es war ein schwieriges Jahr, in dem wir viele Veränderungen angestrebt haben. Es war noch nicht von dem Erfolg gekrönt, den wir uns versprochen haben. Die Änderungen setzen schon im Jugendbereich an. Wir wollen die Athleten rausfiltern, die ein hohes Sprintpotential mitbringen. Langfristig sollen maximale Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer so entwickelt werden, das 45er-Zeiten nicht mehr die Ausnahme sind, sondern die Regel.

Was oder wer war für Sie das ganz persönliche Highlight der vergangenen Monate?

Marco Kleinsteuber:

Das war die U23-EM in Tallinn, insbesondere mit dem Ergebnis der 4x400-Meter-Staffel. Das Potential war auf wenigen Schultern gebaut. Die Jungs haben als Gemeinschaft agiert und so den Schlüssel zur Medaille gefunden. Das beweist, dass für ein Team internationale Erfolge möglich sind. Das wollen wir auch im Männerbereich schaffen.

Mit welchen Aufgaben und Zielen gehen Sie in die kommende Saison?

Marco Kleinsteuber:

Die Ziele bleiben bestehen. Wir wollen die individuelle Leistungsfähigeit der einzelnen Athleten weiterentwickeln. Das macht die Staffel stark, wenn diese Leistungen zusammengeführt werden können. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen bleibt das Ziel, was nur über eine gute Leistungsdarstellung bei den Europameisterschaften zu erreichen ist. Gleichzeitig bleibt die Forcierung der Unterdistanzen ein Projekt, um so die Leistungen über 400 Meter weiterzuentwickeln.

Zahlen und Fakten

Die Jahresbesten

45,96 sec - Alexander Gladitz (LG Hannover)
46,05 sec - Eric Krüger (SC Magdeburg)
46,15 sec - Kamghe Gaba (LG Stadtwerke München)
46,27 sec - Johannes Trefz (LG Stadtwerke München)
46,28 sec - Thomas Schneider (SC Magdeburg)
46,34 sec - Jonas Plass (Asics Team Wendelstein)
46,50 sec - Constantin Schmidt (TG Obertshausen)
46,56 sec - Alexander Juretzko (LG Hannover)
46,57 sec - Torben Junker (LG Olympia Dortmund)
46,60 sec - Jonas Hanßen (SC Myhl LA)

Internationale Endkampf-Platzierungen 2015

Hallen-EM: keine
WM: keine
U23-EM: 3. Staffel (3:05,97 min; Jakob Krempin, Alexander Gladitz, Torben Junker, Marc Koch); 5. Alexander Gladitz (46,42 sec)
U20-EM: 3. Staffel (3:10,12 min; Constantin Schmidt, Pascal Unbehaun, Jaakkima Rösler, Aleksi Rösler)
U18-WM: 4. Staffel (gemischt; 3:24,50 Minunten; Florian Colon Marti, Corinna Schwab, Lea Ahrens, Marvin Schlegel)

Entwicklung des Spitzenniveaus

JahrAthleten < 46,00Schnitt Top Ten
2005 Simon Kirch (45,80) 46,65
2006 Ronny Ostwald, Kamghe Gaba (45,47), Ruwen Faller (45,82), Sebastian Gatzka (45,88), Bastian Swillims (45,91), Andreas Wischek (45,93), Florian Seitz (45,95) 46,10
2007 Bastian Swillims (45,44), Ingo Schultz (45,67), Kamghe Gaba (45,84) 46,29
2008 Simon Kirch (45,57), Kamghe Gaba (45,67), Bastian Swillims (45,71) 46,03
2009 Kamghe Gaba (45,88 sec), Martin Grothkopp (45,94) 46,27
2010 Kamghe Gaba (45,92) 46,43
2011 Thomas Schneider (45,56) 46,41
2012 Eric Krüger (45,97) 46,54
2013 David Gollnow (45,72), Eric Krüger (45,77), Thomas Schneider (45,89) 46,40
2014 Kamghe Gaba (45,63) 46,53
2015 Alexander Gladitz (45,96) 46,33

Entwicklung Jahresbestleistungen

JahrDeutschlandEuropaDiff.WeltDiff.
2005 45,80 (S. Kirch) 44,56 (Benjamin/GBR) 1,24 43,93 (Wariner/USA) 1,87
2006 45,47 (K. Gaba) 44,91 (Djhone/FRA) 0,56 43,62 (Wariner/USA) 1,85
2007 45,44 (B. Swillims) 44,46 (Djhone/FRA) 0,98 43,93 (Wariner/USA) 1,99
2008 45,57 (S. Kirch) 44,60 (Rooney/GBR) 0,97 43,75 (Merritt/USA) 1,82
2009 45,88 (K. Gaba) 44,74 (Bingham/GBR) 1,14 44,06 (Merritt/USA) 1,82
2010 45,92 (K. Gaba) 44,71 (J. Borlée/BEL) 1,21 44,13 (Wariner/USA) 1,79
2011 45,56 (T. Schneider) 44,74 (K. Borlée/BEL) 0,82 44,35 (Merritt/USA) 1,21
2012 45,97 (E. Krüger) 44,43 (J. Borlée/BEL) 1,54 43,94 (James/GRN) 2,03
2013 45,72 (D. Gollnow) 44,73 (J. Borlée/BEL) 0,99 43,74 (Merritt/USA) 1,98
2014 45,63 (K. Gaba) 44,71 (Rooney/GBR) 0,92 43,74 (James/GRN)1,89
2015 45,96 (A. Gladitz) 44,45 (Rooney/GBR) 1,51 43,48 (von Niekerk/RSA)2,48

Das fällt auf

  • Im WM-Finale sind erstmals in der Geschichte in einem Rennen drei Athleten unter 44 Sekunden geblieben
  • Mit Wayde van Niekerk hat erstmals seit 2007 ein anderer Athlet als LaShawn Merritt oder Kirani James einen großen internationalen Titel bei Freiluft-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gewonnen
  • Alexander Gladitz hat sich um mehr als eine Sekunde gesteigert
  • Der Abstand zur internationalen Spitze hat zugenommen, der 10er-Schnitt im DLV war gleichzeitig zuletzt 2009 besser. Die Basis stimmt also.

Video-Clips

<link video:12285>Alexander Gladitz erstmals unter 46 Sekunden
<link video:12172>Kamghe Gaba Schnellster auf der Stadionrunde
<link video:13010>Constantin Schmidt siegt vor den Rösler-Zwillingen
<link video:12906>Doppelsieg für Chemnitzer Jungs
<link video:12431>Benjamin Vedel kratzt an den 46 Sekunden

Staffel:

<link video:12669>Chemnitz hat die schnellsten Viertelmeiler

Halle:

<link video:11826>Alexander Gladitz gewinnt ersten Titel
<link video:11610>Joshua Abuaku hauchdünn vorn

Die weiteren Disziplin-Checks 2015 im Überblick

<link news:43763>Sprint - Frauen
<link news:43766>Sprint - Männer

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