
Max Heß ist Deutschlands überragender Dreispringer im Jahr 2016.
Der große Disziplin-Check 2016 – Dreisprung Männer
Das Leichtathletik-Jahr 2016 mit dem Höhepunkt der Olympischen Spiele in Rio ist fast Geschichte. Athleten, Trainer und Fans haben Monate mit großen Erfolgen, aber auch Enttäuschungen hinter sich. Neben dem bunten Sportereignis in Brasilien fanden auch die Europameisterschaften in Amsterdam, die U20-WM in Bydgoszcz sowie die U18-EM in Tiflis mit starker DLV-Beteiligung statt. In unseren rückblickenden Disziplin-Analysen nehmen wir das Abschneiden der verschiedenen Disziplingruppen unter die Lupe. Heute: der Dreisprung der Männer.
Der Moment des Jahres 2016
Der Medal-Plaza ist brechend voll an diesem Abend Anfang Juli, die Menge jubelt und dann ertönt die deutsche Hymne. Oben auf dem Treppchen steht ein 19-Jähriger und schaut über die Köpfe der Menschen in die niederländische Nacht. Max Heß ist soeben Europameister im Dreisprung geworden. Er lacht, und doch schauen seine Augen ungläubig. Noch am Tag nach dem Überraschungs-Coup wird Max Heß sagen, dass er Zeit brauchen wird, um das Erlebte zu verarbeiten, stand die Saison 2016 doch eigentlich unter dem Motto Anschluss finden nach dem verletzungsintensiven Jahr 2015. Im EM-Finale selber war der Chemnitzer dagegen ganz cool. 17,20 Meter – seit elf Jahren sprang kein deutscher Dreispringer so weit.
Die Goldmedaille war gar seine zweite internationale Medaille bei den Aktiven 2016. Bei der Hallen-WM in Portland (USA) hatte er sich bereits Silber gekrallt. Und auch wenn er bei den Olympischen Spielen in Rio (Brasilien) das Finale unglücklich verpasste, es war keine große Überraschung, dass der inzwischen 20-Jährige Mitte Oktober vom Europäischen Verband mit dem Titel "Rising Star" ausgezeichnet wurde. Die internationale Konkurrenz – sie hat den Namen Max Heß seit dieser Saison auf dem Zettel.
Neben Max Heß qualifizierte sich auch der Stuttgarter Martin Jasper erstmals für eine EM – ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu den Vorjahren, wo der DLV bei internationalen Meisterschaften verstärkt durch Abwesenheit auffiel. Bei der U20-WM war für die Nachwuchsathleten Christopher Garritsen (SC Preußen Münster) und Benjamin Bauer (LAC Erdgas Chemnitz) zwar in der Quali Schluss. Beide hatten sich mehr erhofft, doch können sich mit neuen Bestleistungen und ihren guten Perspektiven für die Zukunft trösten.
Die Top Drei
Max Heß
LAC Erdgas Chemnitz, 20 Jahre
SB: 17,20 m | PB: 17,20 m (2016)
DM: 1. Platz
EM: 1. Platz | OS: 15. Platz (Qualifikation)
Hallen-WM: 2. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 1.
Europäische Bestenliste: 1.
Welt-Jahresbestenlisten: 6.
Martin Jasper
VfB Stuttgart, 27 Jahre
SB: 16,55 m | PB: 16,55 m (2016)
DM: 2. Platz
EM: 18. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 2.
Europäische Bestenliste: 28.
Welt-Jahresbestenlisten: 81.
Marcel Kornhardt
ASV Erfurt, 23 Jahre
SB: 16,47 m | PB: 16,47 m (2016)
DM: 3. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 3.
Europäische Bestenliste: 33.
Welt-Jahresbestenlisten: 90.
Internationale Top Acht-Platzierungen 2016
Olympische Spiele: keine
EM: 1. Platz Max Heß (17,20 m)
Hallen-WM: 2. Platz Max Heß (17,14 m)
U20-WM: keine
U18-EM: keine
Der Hoffnungsträger
Max Heß
LAC Erdgas Chemnitz, 20 Jahre
SB: 17,20 m | PB: 17,20 m (2016)
Erst 20 Jahre alt und schon mitten drin in der Weltspitze. Max Heß hat in diesem Jahr alle überrascht – und ein bisschen auch sich selbst. Nach einem verletzungsintensiven Jahr 2015 ging es diese Saison eigentlich primär darum, an bisherige Leistungen anzuknüpfen. Dass dabei zwei internationale Medaillen wohlgemerkt bei den Aktiven heraussprangen, war eine der schönsten Überraschungen der deutschen Leichtathletik in diesem Jahr. Sein Ergebnis bei den Olympischen Spielen kann man auch allein angesichts seiner Jugend getrost unter "Erfahrungswert" abhaken, denn Max Heß: Das ist die Zukunft des deutschen Dreisprungs.
Der Pechvogel
Manuel Ziegler
LG Telis Finanz Regensburg, 26 Jahre
SB: 15,71 m | PB: 16,54 m (2014)
Sein Körper machte ihm zum wiederholten Male einen Strich durch die Rechnung. Manuel Ziegler hatte auch in diesem Sommer erneut mit Verletzungssorgen zu kämpfen und zog daher die Notbremse: In Zukunft will er sich ganz auf seine berufliche Zukunft konzentrieren und hat daher nun einen Job als Maschinenbau-Ingenieur in Süddeutschland angenommen.
Fazit des Bundestrainers
Tamás Kiss, wie fällt Ihre Bilanz für das Olympia-Jahr 2016 aus?
Tamás Kiss:
Auch wenn Max Heß in Rio den Sprung ins Finale nicht geschafft hat: Das Fazit ist durchweg positiv. Wir haben mit Max Heß zwei internationale Medaillen in diesem Jahr geholt. Das beschert der ganzen Disziplin Aufwind und Aufmerksamkeit. Mit Martin Jasper war ein weiterer Athlet bei der EM am Start, der in den kommenden Jahren auch noch zulegen kann. Auch Marcel Kornhardt konnte sich in diesem Jahr steigern. Zudem rücken gute Jugendliche nach mit Christoph Garritsen und Benjamin Bauer, die in diesem Jahr international Erfahrung sammeln konnten. Und nicht vergessen: Max Heß ist erst 20 Jahre alt.
Was war für Sie das ganz persönliche Highlight?
Tamás Kiss:
Da gab es in diesem Jahr gleich zwei. Zunächst die Silber-Medaille bei der Hallen-WM von Max Heß und dann natürlich sein EM-Titel in Amsterdam. Er hat perspektivisch alle Karten in der Hand. Allein in diesem Jahr ist er schon vier Mal über 17 Meter gesprungen und er hatte einige gewaltige Sprünge dabei, die allerdings ungültig waren. Aber wenn diese Sprünge gültig sind, dann kann es in ganz neue Dimensionen gehen. Ich bin froh, dass er in Chemnitz bei seinem Trainer Harry Marusch optimale Bedingungen hat und sich dort gut weiter entwickeln kann.
Worin sehen Sie die Aufgaben und Ziele für die kommende Saison?
Tamás Kiss:
Insgesamt ist unser Ziel, die Leistungsdichte noch zu verstärken. Derzeit gibt es zwar keinen anderen deutschen Athleten, der Max Heß gefährden könnte, aber die anderen Springer müssen den Abstand zu ihm verkürzen. Dafür ist es etwa wichtig, dass Martin Jasper und Marcel Kornhardt an ihrer Schnelligkeit arbeiten und stabil in ihrer Höchstgeschwindigkeit werden. Max Heß ist natürlich unser heißester Kandidat im Hinblick auf die Weltmeisterschaften. Die Weltspitze ist stark, aber er kann mithalten und, wenn alles gut läuft, vielleicht sogar eine Medaille holen. Bei der U23-EM sehe ich Christoph Garritsen und Benjamin Bauer als heiße Anwärter, die beide über gute Perspektiven verfügen.
Statistik – Das sagen die Zahlen
Die zehn Jahresbesten
17,20 m – Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz)
16,55 m – Martin Jasper (VfB Stuttgart)
16,47 m – Marcel Kornhardt (ASV Erfurt)
16,37 m – Raúl Spank (LG Nord Berlin)
16,22 m – Christoph Garritsen (SC Preußen Münster)
15,90 m – Benjamin Bauer (LAC Erdgas Chemnitz)
15,88 m – Martin Seiler (ABC Ludwigshafen)
15,72 m – Mohammed Amin Alsazami (LAC Berlin)
15,71 m – Manuel Ziegler (LG Telis Finanz Regensburg)
15,70 m – Felix Wenzel (SC Potsdam)
Entwicklung des deutschen Spitzenniveaus
Jahr | Athleten > 16,90 m | Schnitt Top Ten |
---|---|---|
2005 | Charles Friedek (17,39) | 16,24 |
2006 | Andreas Pohle (16,97) | 16,14 |
2007 | keine | 15,8 |
2008 | Charles Friedek (17,04) | 15,82 |
2009 | Charles Friedek (16,97) | 15,88 |
2010 | keine | 15,77 |
2011 | keine | 15,86 |
2012 | keine | 15,99 |
2013 | keine | 15,9 |
2014 | keine | 16,21 |
2015 | keine | 15,95 |
2016 | Max Heß (17,20) | 16,17 |
Das fällt auf
- Max Heß' Entwicklung zieht eine ganze Sportart nach oben. Nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung, auch die Zahlen zeigen einen Aufwärtstrend. 17,20 Meter – so weit ist seit Ex-Weltmeister Charles Friedek 2005 kein deutscher Athlet mehr gesprungen.
- Die Siegweite bei Deutsche Meisterschaften war seit 1998 nicht mehr so gut. Max Heß sprang in Kassel 17,06 Meter. 1998 holte Charles Friedek mit 17,27 Metern den Titel.
Entwicklung der internationalen Jahresbestleistungen
Jahr | Deutschland | Europa | Diff | Welt | Diff |
---|---|---|---|---|---|
2005 | 17,39 (C. Friedek) | 17,81 (Oprea/ROM) | 0,42 | 17,81 (Oprea/ROM) | 0,42 |
2006 | 16,97 (A. Pohle) | 17,67 (Olsson/SWE) | 0,7 | 17,71 (Davis/USA) | 0,74 |
2007 | 16,72 (A. Pohle) | 17,74 (Evora/POR) | 1,02 | 17,90 (Gregorio/BRA) | 1,18 |
2008 | 17,04 (C. Friedek) | 17,67 (Evora/POR) | 0,63 | 17,67 (Evora/POR) | 0,63 |
2009 | 16,97 (C. Friedek) | 17,73 (Idowu/GBR) | 0,76 | 17,73 (Idowu/GBR) | 0,76 |
2010 | 16,29 (A. Pohle) | 17,98 (Tamgho/FRA) | 1,69 | 17,98 (Tamgho/FRA) | 1,69 |
2011 | 16,53 (A. Pohle) | 17,91 (Tamgho/FRA) | 1,38 | 17,96 (Taylor/USA) | 1,43 |
2012 | 16,64 (A. Pohle) | 17,53 (Aykman/USA) | 0,89 | 17,81 (Taylor/USA) | 1,17 |
2013 | 16,35 (M. Ziegler) | 18,04 (Tamgho/FRA) | 1,69 | 18,04 (Tamgho/FRA) | 1,69 |
2014 | 16,62 (A. Pohle) | 17,48 (Compaoré/FRA) | 0,86 | 17,76 (Pichardo/CUB) | 1,14 |
2015 | 16,29 (R. Spank) | 17,52 (Evora/POR) | 1,23 | 18,21 (Taylor/USA) | 1,92 |
2016 | 17,20 (M. Heß) | 17,20 (M. Heß) | 0 | 17,86 (Taylor/USA) | 0,66 |
Das fällt auf
- Ein DLV-Athlet ist die Nummer eins in Europa: Das gab es seit 1999 nicht mehr, als Charles Friedek mit 17,59 Metern sogar Weltjahresbester war.
- Seit 2009 war der Abstand zur Weltspitze nicht so gering.
Video-Clips
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Nachwuchs
U16-DM:Nicklas Sammets zweiter Streich
U20-DM: Christopher Garritsen springt im ersten Versuch zu Gold
U18-DM: 60 Zentimeter Steigerung: Imrad Ahmed fliegt zu Gold
U18-DM: Imran Ahmed: "Ich kann es selbst noch nicht fassen"
U20-DM Halle: Benjamin Bauer mit weitestem Satz in die Grube
Die Disziplin-Analysen im Überblick:
Männer – Sprint
Frauen – Sprint
Männer – Langsprint
Frauen – Langsprint
Männer – Mittelstrecke
Frauen – Mittelstrecke
Männer – Langstrecke
Frauen – Langstrecke
Männer – Hürdensprint
Frauen – Hürdensprint
Männer – 400 Meter Hürden
Frauen – 400 Meter Hürden
Männer – 3.000 Meter Hindernis
Frauen – 3.000 Meter Hindernis
Männer/Frauen – Gehen
Männer – Marathon
Frauen – Marathon
Männer – Hochsprung
Frauen – Hochsprung
Männer – Stabhochsprung
Frauen – Stabhochsprung
Männer – Weitsprung
Frauen – Weitsprung