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Der große Disziplin-Check – Langsprint Männer

Das Leichtathletik-Jahr 2016 mit dem Höhepunkt der Olympischen Spiele in Rio ist fast Geschichte. Athleten, Trainer und Fans haben Monate mit großen Erfolgen, aber auch Enttäuschungen hinter sich. Neben dem bunten Sportereignis in Brasilien fanden auch die Europameisterschaften in Amsterdam, die U20-WM in Bydgoszcz sowie die U18-EM in Tiflis mit starker DLV-Beteiligung statt. In unseren rückblickenden Disziplin-Analysen nehmen wir das Abschneiden der verschiedenen Disziplingruppen unter die Lupe. Heute: der Langsprint der Männer.
Pamela Ruprecht

Der Moment des Jahres 2016

Für vier deutsche 400-Meter-Läufer hielt das Jahr 2016 besondere Momente bereit. Für Alexander Gladitz und Johannes Trefz das Erreichen des Halbfinals bei den Europameisterschaften in Amsterdam (Niederlande). Für den erst 20 Jahre alten Constantin Schmidt den ersten internationalen (Staffel-)Einsatz bei den Aktiven bei eben jener EM. Und für Patrick Schneider ging es eigentlich das ganze Jahr steil bergauf. Als ehemaliger Fußballer setzte er sich mit 46,07 Sekunden überraschend in den Top Drei der deutschen Spitze fest, wo Kamghe Gaba nach einer Verletzung zu Saisonbeginn diesen Sommer vermisst wurde.

Doch all das konnte nicht dazu beitragen, den Team-Moment des Jahres für die DLV-Langsprinter zu schaffen. Nicht in Amsterdam, wo die Staffel im Finale Rang acht belegte und sich mehr erhofft hatte, und auch nicht in Rio de Janeiro (Brasilien), wohin man gar nicht reisen konnte. Das Projekt Olympische Spiele scheiterte an der Qualifikation. Die 4x400-Meter-Staffel wartet weiter auf ihren nächsten Auftritt auf Weltebene. Dieser ist dem DLV-Quartett – mit dem Deutschen U20-Meister Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz) in seinen Reihen – bei der U20-WM in Bydgoszcz (Polen) mit Platz fünf gut gelungen.

Die Top Drei

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail alexander-gladitz _blank>Alexander Gladitz

Hannover 96, 21 Jahre
SB/PB: 45,94 sec (2016)
DM: im Finale nicht angetreten
EM: Halbfinale, 22. Platz | 8. Platz (Staffel)
DLV-Jahresbestenliste: 1.
Europäische Bestenliste: 24.
Welt-Jahresbestenlisten: 141.

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail johannes-trefz _blank>Johannes Trefz

LG Stadtwerke München, 24 Jahre
SB/PB: 46,02 sec (2016)
DM: 1. Platz
EM: Halbfinale, 15. Platz | 8. Platz (Staffel)
DLV-Jahresbestenliste: 2.
Europäische Bestenliste: 29.
Welt-Jahresbestenlisten: 165.

Patrick Schneider

LAC Quelle Fürth, 23 Jahre
SB/PB: 46,07 sec (2016)
DM: 3. Platz
EM: 5. Platz | 8. Platz (Staffel)
DLV-Jahresbestenliste: 3.
Europäische Bestenliste: 33.
Welt-Jahresbestenlisten: 184.

Internationale Top Acht-Platzierungen 2016

Olympische Spiele: keine
EM: keine; 4x400 m: 8. Platz Johannes Trefz, Patrick Schneider, Kamghe Gaba, Constantin Schmidt (3:05,67 min)
Hallen-WM: keine
U20-WM: keine; 4x400 m: 5. Platz Manuel Sanders, Julian Wagner, Fabian Dammermann, Marvin Schlegel (3:08,13 min)
U18-EM: keine

Der Hoffnungsträger

<link https: www.leichtathletik.de nationalmannschaft athletenportraet athlet detail constantin-schmidt _blank>Constantin Schmidt

TG Obertshausen, 20 Jahre
PB: 46,50 sec (2015)| SB: 46,66 sec (2016)

Der Jüngste des deutschen Quartetts lief in Amsterdam die schnellste Teil-Zeit. Als Schlussläufer der DLV-Staffel wurden für die 400-Meter-Runde von Constantin Schmidt im EM-Finale 45,68 Sekunden gemessen. In einem Einzelrennen war der 20-Jährige bisher noch nicht unter 46 Sekunden geblieben. Das Potenzial dafür ist also da. Auch Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz), der bei der U20-WM Fünfter mit der Staffel wurde, gehört zu den talentierten nachrückenden Langsprintern.

Fazit des Bundestrainers

Marco Kleinsteuber, wie fällt Ihre Bilanz für das Olympia-Jahr 2016 aus?

Marco Kleinsteuber:

Die 4x400-Meter-Staffel hat sich nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren können. Das war unser Hauptziel, das haben wir nicht erreicht. Dementsprechend kann das Fazit nicht gut ausfallen. Mit dem achten Platz der Staffel bei den Europameisterschaften können wir auch nicht zufrieden sein, weil dort eine Platzierung zwischen Rang drei und sechs möglich gewesen wäre. Wir haben es nicht geschafft, das Leistungsvermögen der einzelnen Läufer in der Staffel zusammenzubringen. Positiv waren Einzelentwicklungen von einigen Athleten, wie zum Beispiel Patrick Schneider, Alexander Gladitz und Johannes Trefz. Mit den beiden Halbfinal-Platzierungen von Alexander Gladitz und Johannes Trefz hat man gesehen, dass eine individuelle Entwicklung eingesetzt hat. Auch mit einem jungen Athleten, Constantin Schmidt. Es ist nur leider nicht gelungen, das in der Staffel abzurufen.

Was war für Sie das ganz persönliche Highlight?

Marco Kleinsteuber:

Das persönliche Highlight der Saison war die Entwicklung von Patrick Schneider. Dass er sich so über den Saisonverlauf entwickelt, als jemand, der vorher noch gar nicht im Fokus der Top-400-Meter-Läufer war, das war das Highlight.

Worin sehen Sie die Aufgaben und Ziele für die kommende Saison?

Marco Kleinsteuber:

In erster Linie neu anzugreifen. Die Karten werden neu gemischt. Wir müssen es schaffen, unsere Kräfte in Form von der Staffel hin zu den internationalen Höhepunkten zu bündeln. Das Hauptziel muss sein, dass sich die individuelle Leistungsfähigkeit der momentan besten 400-Meter-Läufer weiter entwickelt. Für die internationalen Höhepunkte, die Staffel-WM und die Team-EM. Wenn wir die Qualifikation für die Weltmeisterschaften schaffen, müssen wir uns dort auf die Staffel konzentrieren. Das ist das große Ziel. Die letzten beiden Jahre waren wir international bei WM und Olympia nicht vertreten. Das wird nächstes Jahr nicht leichter werden, aber wir wollen versuchen, uns für die Weltmeisterschaften zu qualifizieren.

Statistik – Das sagen die Zahlen

Die zehn Jahresbesten

45,94 sec – Alexander Gladitz (Hannover 96)
46,02 sec – Johannes Trefz (LG Stadtwerke München)
46,07 sec – Patrick Schneider (LAC Quelle Fürth)
46,28 sec – Alexander Juretzko (Eintracht Hannover)
46,37 sec – Alhagie Drammeh (Gambia; TG Werste)
46,66 sec – Constantin Schmidt (TG Obertshausen)
46,67 sec – Kamghe Gaba (LG Eintracht Frankfurt)
46,75 sec – Kai Kazmirek (LG Rhein/Wied)
46,80 sec – Eric Krüger (SC Magdeburg)
46,86 sec – Jonas Plass (Asics Team Wendelstein)

Entwicklung des deutschen Spitzenniveaus

JahrAthleten < 46,00Schnitt Top Ten
2005 Simon Kirch (45,80) 46,65
2006 Ronny Ostwald, Kamghe Gaba (45,47), Ruwen Faller (45,82), Sebastian Gatzka (45,88), Bastian Swillims (45,91), Andreas Wischek (45,93), Florian Seitz (45,95) 46,10
2007 Bastian Swillims (45,44), Ingo Schultz (45,67), Kamghe Gaba (45,84) 46,29
2008 Simon Kirch (45,57), Kamghe Gaba (45,67), Bastian Swillims (45,71) 46,03
2009 Kamghe Gaba (45,88 sec), Martin Grothkopp (45,94) 46,27
2010 Kamghe Gaba (45,92) 46,43
2011 Thomas Schneider (45,56) 46,41
2012 Eric Krüger (45,97) 46,54
2013 David Gollnow (45,72), Eric Krüger (45,77), Thomas Schneider (45,89) 46,40
2014 Kamghe Gaba (45,63) 46,53
2015 Alexander Gladitz (45,96) 46,33
2016 Alexander Gladitz (45,94) 46,44
  • Der Top-Ten-Schnitt bewegt sich seit 2010 zwischen 46,33 und 46,54 Sekunden, ziemlich genau in die Mitte fällt der Schnitt auch dieses Jahr.
  • Bis auf 2013 konnte in diesem Zeitraum jeweils nur ein deutscher Langsprinter die Stadionrunde in einer 45er-Zeit zurücklegen.

Entwicklung der Jahresbestleistungen im internationalen Vergleich

JahrDeutschlandEuropaDiff.WeltDiff.
2005 45,80 (S. Kirch) 44,56 (Benjamin/GBR) 1,24 43,93 (Wariner/USA) 1,87
2006 45,47 (K. Gaba) 44,91 (Djhone/FRA) 0,56 43,62 (Wariner/USA) 1,85
2007 45,44 (B. Swillims) 44,46 (Djhone/FRA) 0,98 43,93 (Wariner/USA) 1,99
2008 45,57 (S. Kirch) 44,60 (Rooney/GBR) 0,97 43,75 (Merritt/USA) 1,82
2009 45,88 (K. Gaba) 44,74 (Bingham/GBR) 1,14 44,06 (Merritt/USA) 1,82
2010 45,92 (K. Gaba) 44,71 (J. Borlée/BEL) 1,21 44,13 (Wariner/USA) 1,79
2011 45,56 (T. Schneider) 44,74 (K. Borlée/BEL) 0,82 44,35 (Merritt/USA) 1,21
2012 45,97 (E. Krüger) 44,43 (J. Borlée/BEL) 1,54 43,94 (James/GRN) 2,03
2013 45,72 (D. Gollnow) 44,73 (J. Borlée/BEL) 0,99 43,74 (Merritt/USA) 1,98
2014 45,63 (K. Gaba) 44,71 (Rooney/GBR) 0,92 43,74 (James/GRN)1,89
2015 45,96 (A. Gladitz) 44,45 (Rooney/GBR) 1,51 43,48 (von Niekerk/RSA)2,48
2016 45,94 (A. Gladitz) 44,48 (Hudson-Smith/GBR) 1,46 43,03 (von Niekerk/RSA)2,91
  • Der Südafrikaner Wayde van Niekerk verbesserte den Weltrekord bei den Olympischen Spielen in Rio auf 43,03 Sekunden.
  • Obwohl sich der derzeit schnellste Deutsche Alexander Gladitz in diesem Jahr leicht verbessert hat, ist der Abstand zur Weltspitze auf dem höchsten Wert seit mehr als zehn Jahren. Grund ist der neue Weltrekord.
  • Seit 2008 kommt Europas Jahresschnellster immer aus Belgien und Großbritannien.

Video-Clips

Nachwuchs:

U16-DM: <link video:15292>Florian Zeitler erstmals unter 37 Sekunden
Jugend-DM: <link video:15232>Marvin Schlegel wie entfesselt
Junioren-Gala: <link video:14622>Fabian Dammermann verfehlt nur knapp die U20-WM-Norm
Junioren-Gala: <link video:14619>Cameron Chalmers demonstriert sein Können
Jugend-Hallen-DM: <link video:13730>Fabian Dammermann im Fotofinish vorne

Aktive:

U23-DM: <link video:14779>Constantin Schmidt: Vom Vizemeister zum Titelträger
Kurpfalz-Gala: <link video:14203>Benedikt Wiesend im Duell mit Pieter Conradie
Herzogenaurach: <link video:13988>Pascal Unbehaun gewinnt Zweikampf mit Laurin Walter
Herzogenaurach: <link video:14074>Patrick Schneider hat den besten Schlussspurt
Herzogenaurach: <link video:14077>David Verberg siegt – Kamghe Gaba verletzt
Hallen-DM: <link video:13810>Eric Krüger mobilisiert alles auf der Zielgerade

 

Die Disziplin-Analysen im Überblick:

<link news:50382>Sprint – Männer
<link news:50422>Sprint – Frauen

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