leichtathletik.de-Analyse - Mittelstrecke (F)
Die Olympische Leichtathletik-Saison 2008 ist Geschichte. Sowohl mit Enttäuschungen als auch mit freudigen Überraschungen im Gepäck kehrten die Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) aus Peking (China) zurück. leichtathletik.de nimmt die einzelnen DLV-Disziplinbereiche unter die Lupe, macht eine Momentaufnahme, bilanziert das Jahr 2008, blickt voraus auf 2009 und stellt die aktuellen Hoffnungsträger vor.
Wo stehen die DLV-Asse international?Die Lage bei den Mittelstrecklerinnen hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht gebessert. Keine deutsche Läuferin findet sich im weltweiten Vergleich sowohl über 800 als auch 1.500 Metern unter den besten 50 der Welt wieder.
Über die zwei Stadionrunden war einmal mehr die Wattenscheiderin Monika Gradzki, die seit ihrer Hochzeit mit dem früheren Wattenscheider Hindernisläufer Holger Merl Monika Merl heißt, das Maß der Dinge. In 2:00,51 Minuten stellte sie die deutsche Jahresbestleistung am 1. Juli im polnischen Bydgoszcz auf.
Auch über 1.500 Meter hat sich in der deutschen Jahresbestenliste wenig getan. Die Potsdamerin Antje Möldner, die erfolgreich auf 3.000 Meter Hindernis umgestiegen ist, bot in 4:11,96 Minuten die beste Zeit einer deutschen Läuferin an.
Die Bilanz 2008
Sowohl bei der Hallen-WM in Valencia (Spanien) als auch bei den Olympischen Spielen war der Deutsche Leichtathlteik-Verband (DLV) durch keine 800- bzw. 1.500-Meter-Läuferin vertreten. Am nächsten an die geforderten Normen für Peking lief Monika Merl heran.
„Monika war relativ stabil, ihr fehlte bloß ein Rennen, wo sie sich einfach hätte ziehen lassen können“, kommentiert DLV-Disziplintrainerin Beate Conrad die Versuche der Wattenscheiderin, die schon seit einigen Jahren Alleinunterhalterin auf nationaler Ebene über die zwei Stadionrunden ist. „Es konzentriert sich alles nur auf Monika“, meint Beate Conrad. In Zukunft wird Monika Merl vermehrt 1.500 Meter laufen, um ihre Grundlagenausdauer zu verbessern.
Doch nicht wie in den Jahren 2005 bis 2007 gewann Monika Merl den Meistertitel, sondern die Dortmunderin Jana Hartmann. Die 27-Jährige setzte ihre positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Sowohl unter dem Hallendach (2:04,16 min) als auch im Freien (2:02,53 min) stellte sie persönliche Bestzeiten auf. Ihre Saison beendete sie im Nationaltrikot beim Länderkampf DecaNation in Paris (Frankreich) mit einem Sieg.
Nachdem Antje Möldner erfolgreich den Wechsel auf die Hindernisstrecke vollzogen hat, sind Deutschlands 1.500 Meter-Läuferinnen noch mal ein ganzes Stück von der internationalen Spitze abgerückt. Mit 4:22,23 Minuten ging der Titel bei den Deutschen Meisterschaften über diese Distanz an die Wattenscheiderin Denise Krebs, die hinter Monika Merl (4:13,83 min) den dritten Platz in der deutschen Jahresbestenliste einnimmt.
Die Chancen 2009
„Ich bin überzeugt, dass wir über 800 Meter in Berlin vertreten sind“, gibt sich Beate Conrad optimistisch. Die Hoffnungen ruhen natürlich in erster Linie auf Monika Merl, doch auch Jana Hartmann und der Leverkusenerin Annett Horna räumt sie Chancen ein. Alle drei werden auch die Hallen-EM in Turin (Italien) in Angriff nehmen.
Für die jüngeren Läuferinnen wie Anja Clausnitzer (LAC Erdgas Chemnitz) und Caroline Walter (LG Karlsruhe) wird das Hauptaugenmerk auf der U23-Europameisterschaft liegen. Wie bereits in diesem Jahr bietet Beate Conrad ihren Schützlingen auch wieder Höhentrainingslager an. „Läufer sollten in die Höhe gehen“, betont sie.
Die Hoffnungsträger
„Ich habe den B-Kader sehr verjüngt und Leute nominiert, die gute 400 Meter laufen können“, sagt Beate Conrad. Unter anderem meint sie damit Sandra Keil (LAC Quelle Fürth/München) und Caroline Walter.
Athletinnen, die für die 800 Meter nicht die ausreichende Grundschnelligkeit mitbringen, rät sie zu einem Umstieg auf die 1.500 Meter. Das Beispiel Antje Möldner, die von Beate Conrad persönlich trainiert wird, hat gezeigt, dass sich ein Wechsel lohnen kann. Und dann kann vielleicht auch wieder der Kontakt zur internationalen Spitze im arg gebeutelten Mittelstreckenbereich hergestellt werden.
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