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Sebastian Bayer nimmt langen Anlauf auf Rio

Eine schmerzhafte Fersenprellung hat ihn im Juni dazu gezwungen, in der WM-Saison zu pausieren. Es war der erste Sommer seiner zehnjährigen Nationalmannschaftskarriere, in dem Sebastian Bayer keine Wettkämpfe bestreiten konnte. Die Verletzung ist mittlerweile ausgeheilt. Ausgeruht will der Weitspringer die optimale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio (Brasilien) angehen.
Pamela Ruprecht

Seit drei Wochen befindet sich Sebastian Bayer wieder im (Reha-)Training. Nach der Auszeit, in der der Europameister von 2012 kein spezielles Leichtathletik-Training absolvierte, muss alles wieder aufgebaut werden. Vom Oberkörper bis in die Beine. Sein Sprungfuß war von der Fersenprellung nicht betroffen. „Dem Fuß geht es sehr gut, wir haben alles komplett ausheilen lassen“, sagt der  29-Jährige und hofft, dass in Zukunft keine Schmerzen mehr auftreten.

Natürlich hätte er in den warmen Monaten lieber an Wettkämpfen teilgenommen und wäre lieber bei der WM in Peking (China) dabei gewesen, als mehr freie Zeit zum Baden zu haben. Der Hamburger war es gewohnt, dass sich sein Leben um das Training und die Saison-Höhepunkte dreht. „Wenn dieser Hauptteil wegfällt, kommt man schon mal an den Punkt, wo es ganz schön langweilig wird.“ Aber die Schonung war notwendig, um das Projekt Olympia nicht zu gefährden.

Start wie immer im Oktober

Das große Weitsprung-Event auf dem Nürnberger Hauptmarkt im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in Nürnberg, für das er noch in einem Foto-Shooting geworben hatte, musste Sebastian Bayer also als Zuschauer verfolgen, jedoch in einer speziellen Rolle. Als Co-Kommentator des leichtathletik.de-Livestreams machte er das Beste aus der Situation. „Das hat einerseits viel Spaß gemacht, andererseits war es sehr schwer, die Jungs vor so einer Kulisse springen zu sehen“, erinnert er sich.

Sebastian Bayer will selbst wieder in die Grube fliegen. Während die anderen Athleten nach Saisonabschluss im Urlaub waren, hat er seinen Körper wieder an sportliche Belastung gewöhnt. „Im September haben wir das Grundgerüst aufgebaut“, erklärt der Schützling von Bundestrainer Uwe Florczak. Außer gelegentlichem Muskelkater ist alles gut. Ab nächster Woche kann somit das normale Wintertraining beginnen. Der Startschuss fällt wie schon seit zehn Jahren in seinem Zyklus im Oktober.

Durch die Pause hat sich – wie erhofft – der Fokus auf das Ziel Olympia 2016 noch verstärkt. „Ich freue mich darauf und habe richtig Lust darauf, das nächste Jahr mit all den Zielen, die ich mir gesteckt habe, anzugehen.“ Der erste Plan lautet: bis Mai perfekt verletzungsfrei trainieren. Der zweite: zu Beginn der Freiluft-Saison so schnell wie möglich die Olympianorm von 8,15 Metern schaffen. Im Idealfall folgt darauf der dritte: rasch in die unmittelbare Vorbereitung auf Rio gehen.

Olympische Medaille (noch) knapp verpasst

Bei den Spielen 2012 London (Großbritannien) hatte Sebastian Bayer eine Medaille nur um Zentimeter verpasst. Der fünfte Platz beim Fest der fünf Ringe war einerseits ein großer Erfolg, „aber andererseits war das auch eine große Niederlage, wenn zwei Zentimeter zu einer Medaille fehlen.“ Das olympische Edelmetall ist das Hauptziel eines jeden Sportlers. So knapp daran vorbei zu schrammen – das soll ihm nicht noch einmal passieren. „Und das macht die letzten fünf Prozent Schweinehund im Training aus“, schöpft er Motivation daraus.

Das Trainingskonzept bleibt zunächst unverändert, auch wenn er mit seinem Trainer ständig an Verbesserungen feilt. Sebastian Bayer hat nach derzeitigem Stand eine komplette Saison vor Augen, muss aber sehen, wie sich das Training entwickelt. „Wenn ich mich fit fühle, will ich eine Hallensaison machen, wenn nicht, dann nicht“, lautet die Ansage des Hallen-Europarekordlers, der schon zwei EM-Titel unter dem Dach gesammelt hat. Er will verletzungsmäßig in Richtung Rio nichts riskieren.

Abhängig davon, wie das nächste Jahr verläuft, könnte seine Karriere 2017 und 2018 noch weitergehen. Nachdem Sebastian Bayer die Heim-WM in Berlin erlebt hat, weiß er, dass die Heim-EM in der Hauptstadt erneut ein einzigartiges Erlebnis wäre. Wichtigste Komponente für den Hamburger, der sich für die Austragung der Olympischen Spiele 2024 in seiner Wahlheimat engagiert: die Motivation. Wenn die in Zukunft genauso groß ist wie im Moment, ist ein weiterer Zwei-Jahres-Schritt denkbar. „Ich lasse das definitiv offen. Und wie heißt es so schön: Sag niemals nie.“

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