| Comeback nach Knie-OP

Tobias Blum verfolgt seinen Olympia-Traum

Bei seinem Marathon-Debüt in Köln hatte Tobias Blum vergangenen Herbst mit seinem Sieg als große Nachwuchshoffnung in der deutschen Langstreckenszene überrascht. Sein Traum ist ein Start bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.
Jane Sichting

Zweimal hat Tobias Blum (LC Rehlingen) bereits Anlauf auf einen Frühjahrs-Marathon genommen, beide Male wurde er von gesundheitlichen Problemen ausgebremst. Im letzten Jahr traf ihn mitten in der Saisonvorbereitung Mitte März die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber. „Das war ein riesiger  Rückschlag, denn man weiß nie, wie lange das dauert“, erinnert sich der 24-Jährige. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, gönnte er sich kurzfristig eine Auszeit in Garmisch-Partenkirchen. „Ich liebe die Berge und konnte den Kopf dort gut abschalten“, sagt der 24-Jährige.

Insgesamt sechs Wochen musste er mit dem Laufen pausieren. Um so überraschender kam für ihn dann sein Erfolg beim Halbmarathon in Hamburg Anfang Juli: In 1:04:19 Stunden lief er als bester Deutscher auf Platz elf und so schnell wie wie kein Deutscher seit 15 Jahren. Sein Marathon-Debüt gab der Nachwuchsläufer schließlich beim Köln-Marathon im Oktober 2018. In Abwesenheit der internationalen Weltspitze konnte der angehende Wirtschaftsingenieur die 42,195 Kilometer durch die Domstadt nicht nur gewinnen, sondern schaffte es mit einer Zeit von 2:16:55 Stunden direkt auf Platz acht der deutschen Jahresbestenliste.

Knie-OP statt Frühjahrs-Marathon

Beim diesjährigen Marathon in Düsseldorf Mitte Mai wollte er an die Erfolge in Köln anknüpfen. Doch erneut wurden seine Pläne durchkreuzt. Statt auf die Straße ging es auf den OP-Tisch. „Anfang des Jahres waren wir im Trainingslager in Kenia. Aufgrund von starken Schmerzen im Knie musste ich das aber abbrechen und mich Ende Januar operieren lassen“, sagt Blum. Und gibt zugleich Entwarnung: „Das war aber alles halb so wild. Ich hatte ein Ganglion im Gewebe, das entfernt werden musste.“

Erstmals aufgetreten seien die genetisch bedingten Probleme bereits in Köln. „Auf den letzten Kilometern hatte sich ein golfballgroßer Klumpen mit Flüssigkeit an meinem Knie gebildet“, erinnert er sich. „Vor lauter Adrenalin hatte ich das aber nicht bemerkt, auch nicht, als er geplatzt ist.“ Aufgrund der anhaltenden Schmerzen schien eine OP nun unausweichlich.

„Viel verloren habe ich dadurch aber nicht. Ich bin so gut drauf, wie nie“, sprudelt es freudig aus ihm heraus. Zwar verpasste er somit einen Start über die Marathon-Distanz in Düsseldorf, kann dem Ganzen aber dennoch etwas Positives abgewinnen. „Vielleicht ist das ganz gut so und zwei Marathonläufe im Jahr in meinem jungen Alter ohnehin zu viel“, ist er sich mit seinem Trainer Franz-Josef Reinhard einig.

Schnelle Zeiten auf den Unterdistanzen

Mit einem professionellen Team im Rücken schaffte Tobias Blum nur wenige Tage nach der OP wieder den Einstieg ins Training. „Ich habe wirklich Glück, mir hier am Olympiastützpunkt in Saarbrücken über die Jahre ein so tolles Umfeld aufgebaut zu haben“, zeigt er sich dankbar. Neben einem intensiven Reha-Programm wurde der Fokus in der Vorbereitung vor allem auf das Schnelligkeitstraining gelegt. Entsprechend geht es für Blum vorerst auf die Unterdistanzen. „Meine Schnelligkeit ist besser denn je und ich denke, dass ich auch beim Köln-Marathon im Oktober davon profitieren kann“, verrät er.

Seine aufsteigende Form unter Beweis gestellt hat er zuletzt als Tempomacher für Tom Gröschel bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften. Bis zur Halbmarathon-Marke verhalf er dem 27 Jahre alten Athleten vom TC Fiko Rostock in Düsseldorf zur späteren Bestzeit von 2:13:49 Stunden. Den Erfolg gönnt er seinem Kontrahenten um das Olympia-Ticket. „Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis. Ich freue mich einfach für Tom mit.“ Zudem gäbe es für Blum ja noch bei den Deutschen Meisterschaften beim Hannover Marathon im kommenden Jahr die Möglichkeit, neu anzugreifen und Gröschel den Titel streitig zu machen.

Köln-Marathon steht im Mittelpunkt

Zunächst fokussiert sich der Saarbrücker aber auf den Köln-Marathon im Herbst. „Mein Ziel ist es, eine Zeit unter 2:14:00 Stunden zu laufen“, sagt er. Auf dem Weg dahin will er sich vor allem auf den Unterdistanzen verbessern. Bereits am Mittwoch geht es für ihn beim Mitsommerlauf in Regensburg über die 5.000 Meter an den Start. Nachdem er bei der Langen Laufnacht in Karlsruhe eine Zeit unter 14 Minuten nur knapp verpasst hatte, will er es am Mittwoch besser machen. „In Karlsruhe war ich zu verkrampft, vor allem die letzten vier Runden liefen sehr zäh für mich“, zeigt er sich nicht zufrieden mit seiner Leistung.

Über die doppelte Distanz traut er sich eine Zeit unter 29 Minuten zu: „Ich denke, mit einer guten 28er-Zeit kann ich es bei den Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer in die Top Fünf schaffen.“ Obwohl er im vergangen Jahr mit Platz vier nur knapp an einer Medaille vorbei gelaufen ist, will er sich für das DM-Rennen in Essen (8. Juni) nicht unnötig unter Druck setzen. „Als Marathon-Läufer die Spezialisten zu schlagen halte ich eher für unwahrscheinlich“, lacht er.  Sein Traum von einem Olympiastart will er sich ohnehin über die Marathon-Distanz erfüllen.

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