| Straßenlauf

Sisay Lemma gewinnt Boston-Marathon im Alleingang

© Norbert Wilhelmi
Die Sieger des 128. Marathons von Boston heißen Sisay Lemma aus Äthiopien und Hellen Obiri aus Kenia. Während Lemma sich am Montag schon früh vom Rest des Feldes absetzte, blieb es in der Frauenkonkurrenz fast bis zuletzt spannend
Jörg Wenig

Mit einem sensationellen Alleingang hat Sisay Lemma den Boston-Marathon gewonnen. Der Äthiopier löste sich bereits bald nach der 5-Kilometer-Marke von der hochklassigen Konkurrenz und gewann die 128. Auflage des Klassikers in 2:06:17 Stunden. Nach dieser Ausnahme-Leistung auf der schwierigen, hügeligen Strecke in Boston gehört Sisay Lemma sicherlich zu den Olympia-Favoriten bei den Spielen in Paris (Frankreich) im Sommer. Zweiter wurde sein Landsmann Mohamed Esa in 2:06:58 Stunden, Rang drei belegte der Titelverteidiger Evans Chebet (Kenia) mit 2:07:22 Stunden.

Mit Lorenz Baum (LAV Stadtwerke Tübingen) war auch der Deutsche Meister des Vorjahres am Start. In 2:16:51 Stunden schlug er sich bei seinem Boston-Debüt auf Platz 23 des Elitefeldes mehr als achtbar. Den DM-Titel hatte er im Vorjahr in Köln mit Bestzeit von 2:15:57 Stunden errungen.

Das Frauen-Rennen von Boston entschied zum zweiten Mal in Folge Hellen Obiri für sich. Die Kenianerin triumphierte in 2:22:37 Stunden und könnte sich damit einen der drei im kenianischen Team stark umkämpften Olympia-Startplätze gesichert haben. Ihre Landsfrau Sharon Lokedi wurde in 2:22:45 Stunden Zweite, erst auf dem letzten Kilometer musste sie Hellen Obiri ziehen lassen. Einen nie erwarteten dritten Platz belegte die bereits 44 Jahre alte Kenianerin Edna Kiplagat in 2:23:21 Stunden.

Fabienne Königstein von Erkältung ausgebremst

Es war nicht der Tag von Fabienne Königstein (MTG Mannheim). Die einzige deutsche Topläuferin in Boston gab das Rennen zwischen Kilometer 15 und 20 auf, nachdem sie zuvor bereits deutlich langsamer geworden war. Die 31-Jährige hatte in der ersten Nacht in Boston eine Erkältung erwischt, wie sie anschließen niedergeschlagen auf Instagram mitteilte. Die weiteren fünf Tage bis zum Rennen habe sie versucht, cool zu bleiben und die Füße hochzulegen. Zwar hätten sich die Halsschmerzen gelegt, mit Husten und Müdigkeit habe sie dann aber schließlich an der Startlinie gestanden.

"Ich habe versucht mental stark zu bleiben und mich ganz aufs Rennen zu fokussieren. Was bleibt auch anderes übrig? Aber beim heutigen Rennen war ich nicht 100 Prozent fit und das Renntempo fiel mir viel zu früh viel zu schwer", schreibt die Mannheimerin, die im Marathon als viertbeste Deutsche knapp den Sprung ins Olympia-Team verpasst hatte, mit ihrer Bestzeit von 1:09:32 Stunden jedoch auf eine EM-Nominierung für Rom (Italien) im Halbmarathon hoffen kann.

Männer-Anfangstempo: Weltrekord

Der 33-jährige Sisay Lemma, der seinen ersten größeren Marathon-Sieg bereits 2015 im Wien gefeiert hatte und in der Folge unter anderem in Frankfurt (2015), London (2021) und zuletzt in Valencia (2023) triumphierte, lief im ersten Drittel des Boston-Marathons Zwischenzeiten, die sogar im Weltrekord-Bereich (2:00:35 h) lagen. Nach 42:43 Minuten passierte er die 15-Kilometer-Marke, den Halbmarathon hatte der Äthiopier dann nach 60:19 Minuten erreicht. So schnell, stellte der US-Laufsport-Journalist David Monti fest, war in Boston noch niemand die erste Hälfte gelaufen. Weiter stürmte Sisay Lemma allein auf weiter Flur auch die ersten Hügel in Boston hinauf und wurde dabei kaum langsamer. Bei 30 Kilometern hatte er nach 1:26:56 Stunden nun einen Vorsprung von 2:49 Minuten, also rund einen Kilometer!

Der Titelverteidiger Evans Chebet hatte zwischenzeitlich das Tempo angezogen, doch es war zu spät. Auch wenn Sisay Lemma auf den letzten 10 Kilometern langsamer wurde, brach er in keiner Phase wirklich ein. „Ich wollte mich in Boston rehabilitieren und war zuversichtlich, dass ich dieses Mal gewinnen würde“, sagte Sisay Lemma, der 2017 in Boston aufgegeben und zwei Jahre später abgeschlagen auf Rang 30 ins Ziel gelaufen war. „Eigentlich wollte ich den Streckenrekord brechen.“ Diese Marke hält sein Landsmann Geoffrey Mutai, der 2011 eine Zeit von 2:03:02 Stunden erreicht hatte. „32 Kilometer lang lief es gut, aber die letzten zehn wurden dann sehr schwer“, sagte Sisay Lemma, der bei seinem Sieg in Valencia im vergangenen Dezember mit 2:01:48 Stunden zum viertschnellsten Marathonläufer aller Zeiten wurde.

Bei den Frauen lange ruhig, dann Vollgas

Im Rennen der Frauen waren die Favoritinnen mit gemächlicheren Tempo lange Zeit beisammen: Eine 19-köpfige Spitzengruppe passierte den Halbmarathon-Punkt nach 1:12:33 Stunden. Diese 19 Läuferinnen waren auch bei Kilometer 30 nach 1:43:27 Stunden bei gleichbleibendem Tempo noch gemeinsam vorne. Bis Kilometer 35 hatte sich die Gruppe dann auf ein Dutzend Athletinnen verkleinert.

„Ich habe zunächst versucht, ruhig zu bleiben“, erklärte Hellen Obiri später. Als die zweimalige 5.000-Meter-Weltmeisterin dann kurz nach 35 Kilometern das Tempo deutlich erhöhte, war das Gros der hochklassigen Konkurrenz schnell geschlagen. Bis ungefähr Kilometer 39 konnte die frühere Marathon-Weltmeisterin (2011 und 2013) und Boston-Siegerin (2021) Edna Kiplagat überraschend noch mithalten, danach gab es ein kurzes Duell zwischen Hellen Obiri und Sharon Lokedi. Auf den letzten 1.500 Metern war die Titelverteidigerin nicht zu schlagen und Lokedi fiel zurück. Obiri, die im November auch den New York-Marathon gewonnen hatte, lief zum dritten großen Marathon-Triumph in Folge.

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

Teilen
#TrueAthletes – TrueTalk

Hier finden Sie alle Folgen des Podcasts des Deutschen Leichtathletik-Verbandes!

Zum Podcast
Jetzt Downloaden
DM-Tickets 2024