| Liévin

1:54,87 Minuten: Hodgkinson stürmt zum Weltrekord, Stepanov zur Hallen-WM-Norm

© Dan Vernon for World Athletics
Ein fast Vierteljahrhundert alter Hallenweltrekord ist Geschichte: Keely Hodgkinson pulverisierte am Donnerstagabend in Liévin mit 1:54,87 Minuten die 800-Meter-Bestmarke von Jolanda Ceplak aus dem Jahr 2002 um fast eine Sekunde. Die britische Olympiasiegerin hat eine ganz besondere Beziehung zu dieser Bestmarke. Aus deutscher Sicht überzeugte Alexander Stepanov.
Martin Neumann

Manche Geschichten schreibt nur der Sport. Als Keely Hodgkinson am 3. März 2002 in Atherton, etwa 16 Kilometer nordwestlich von Manchester gelegen, geboren wurde, gingen in Wien gerade die Hallen-Europameisterschaften über die Bühne. Speziell die 800 Meter der Frauen sollten an diesem Sonntag für Furore sorgen. Denn Jolanda Ceplak (Slowenien) steigerte den 14 Jahre alten Weltrekord der Neubrandenburgerin Christine Wachtel um eine halbe Sekunde. Auch die österreichische Hoffnung Stephanie Graf blieb am 3. März 2022 als Zweite mit 1:55,82 Minuten unter der alten Bestmarke.

Ausgerechnet die am Tag des Weltrekords geborene Keely Hodgkinson gelang am Donnerstagabend nun die Steigerung der mittlerweile fast ein Vierteljahrhundert alten Bestmarke. Beim Meeting in Liévin (World Indoor Tour Gold) nahm die Olympiasiegerin das Tempo von Pacemakerin Anna Gryc an, 55,56 Sekunden wurden für die Polin bei 400 Metern mit Keely Hodgkinson im Schlepptau gestoppt. Und auch auf der zweiten Hälfte blieb die Britin auf Weltrekordkurs. Selbst die harte vierte Runde lief die Olympiasiegerin unter 30 Sekunden und katapultierte die 800 Meter der Frauen in der Halle mit 1:54,87 Minuten (Weltrekordentwicklung, siehe unten) in eine neue Dimension. Die Zwischenzeiten von Keely Hodgkinsons laut European Athletics auf dem Weg zum Weltrekord (100-m-Abschnitte): 13,52 sec, 26,80 sec, 41,30 sec, 56,01 sec, 1:10,55 min, 1:25,06 min, 1:39,67 min.

Weltrekord hatte sich am Samstag angedeutet

Selbst im Freien, wo sich die 800 Meter durch die weiteren Kurven deutlich einfacher laufen lassen, waren nur acht Frauen jemals schneller als die Britin. Da konnte in Liévin selbst die schnelle Schweizerin Audrey Werro nur rund 500 Meter folgen. Sie belegte mit 1:58,38 Minuten Rang zwei. Dass Keely Hodgkinson in brillanter Form ist, hatte sie bereits am Samstag mit 1:56,33 Minuten im Vorlauf der britischen Meisterschaften ohne Tempomacherin bewiesen. Das B-Rennen über 800 Meter ging ohne Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) über die Bühne. Die Deutsche Meisterin hatte auf den geplanten Start verzichtet.

Im ersten 800-Meter-Finale der Männer stellte Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) erneut seine aktuell außergewöhnliche Form unter Beweis. Auf der Schlussrunde übernahm der 21-Jährige wie vor elf Tagen in Karlsruhe das Kommando, zog das Feld auseinander und sicherte sich mit 1:45,89 Minuten den Sieg. Damit reihte er sich auf Platz vier der ewigen deutschen Hallenbestenliste ein und unterbot die Hallen-WM-Norm für Torun (Polen; 20.-22. März) punktegenau um eine Hundertstelsekunde.

Alexander Stepanov packt seinen Spurt aus

Im zweiten Zeitlauf, offiziell als A-Finale ausgeschrieben, waren die Läufer noch ein Stück schneller unterwegs. Eliott Cristean war für die Konkurrenz nicht zu halten, so lief der Belgier in 1:43,91 Minuten zum Sieg. Damit steigerte er den Meetingrekord des Polen Adam Kszczot. In der Endabrechnung der beiden Zeitläufe belegte Alexander Stepanov Rang sechs. Der in diesem Winter auf 1:45,95 Minuten verbesserte Malik Skupin-Alfa (LG Offenburg) konnte auf den finalen 200 Metern das Tempo seines Landsmanns nicht mehr mitgehen und belegte mit 1:47,38 Minuten im ersten Zeitlauf Rang sechs.

Die deutschen Hürdensprinterinnen verpassten am Donnerstagabend das Finale in Liévin. Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen) zeigte trotzdem ein starkes Rennen und verfehlte mit 8,03 Sekunden das mit Weltklassesprinterinnen gespickte Finale nur um zwei Hundertstelsekunden. Bei Hawa Jalloh (MTG Mannheim) war der Abstand zu den Finalplätzen mit 8,31 Sekunden etwas größer. Den Sieg im Finale sicherte sich Hallenweltrekordlerin Devynne Charlton (Bahamas) mit 7,79 Sekunden. Knapp dahinter folgten Pia Skrzyszowska (Polen; 7,83 sec) und die Schweizer Weltmeisterin Ditaji Kambundji (7,84 sec). Bei den Männern gab’s mit 7,45 Sekunden (exakt 7,446 sec für beide) einen geteilten Sieg für Just Kwaou-Mathey (Frankreich) und Enrique Llopis (Spanien).

Emmanouil Karalis mit neuen Stäben über 6,00 Meter

Die von Stabhochsprung-Höhenflügen verwöhnten Zuschauer in Liévin wurden auch diesmal nicht enttäuscht. Der mit neuen Stäben angereiste Emmanouil Karalis (Griechenland) meisterte als erster Springer des Winters – drei Tage vor dem Saisoneinstand von Armand Duplantis – die Sechs-Meter-Marke. Leicht und locker flog er gleich im ersten Versuch über die Latte. Erst 6,07 Meter waren für den Griechen (noch) zu hoch. Auch Sondre Guttormsen (Norwegen) war bei 6,00 Metern nicht chancenlos. Er meisterte 5,90 Meter im ersten Anlauf und belegte vor dem höhengleichen Zach Bradford (USA) Rang zwei.

Auf der Rundbahn purzelten die Landesrekorde. Über 1.500 Meter führte Weltmeister Isaac Nader (Portugal) mit 3:32,44 Minuten ein Quartett an, das sich in die Rekordlisten ihres Landes eintrug. Es folgten Federico Riva (Italien; 3:33,04 min), Andrew Coscoran (Irland; 3:33,09 min) und der Niederländer Stefan Nillessen (3:33,64 min) ebenfalls mit neuen Landesrekorden.

Nadia Battocletti kratzt am Europarekord

Über 3.000 Meter steigerte Freweyni Hailu (Äthiopien) die Weltjahresbestzeit auf 8:24,59 Minuten. Kurz dahinter folgte ihre Landsfrau Aleshign Baweke mit 8:26,29 Minuten. Als Dritte verpasste Italiens Laufstar Nadia Battocletti den Europarekord der Britin Laura Muir mit 8:26,44 Minuten nur um drei Hundertstel. Über 2.000 Meter verpasste Jessica Hull (Australien) den Weltrekord von Genzebe Dibaba (Äthiopien) über die selten gelaufene Strecke mit 5:26,68 Minuten um drei Sekunden. Sie stellte allerdings ebenso einen neuen Kontinentalrekord auf wie die zweitplatzierte Portugiesin Salome Afonso (5:30,21 min).

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

Entwicklung Hallenweltrekord 800 Meter Frauen

2:05,3h | Barbara Wieck (DDR), 9. März 1969, Belgrad
2:03,3h | Hildegard Falck (GER), 27. Februar 1971, Kiel
2:03,2h | Svetla Zlateva (BUL) 18. Februar 1973, Sofia
2:02,9h | Svetla Zlateva (BUL), 25. Februar 1973, Lyon
2:02,65 | Stefka Yordanova (BUL), 11. März 1973, Rotterdam
2:01,8h | Mary Decker-Slaney (USA), 17. Februar 1974, San Diego
2:01,1h | Nikolina Shtereva (BUL), 25. Januar 1976, Sofia
2:01,12 | Jane Colebrook-Finch (GBR), 13. März 1977, San Sebastián
1:59,9h | Ursula Hook (GER), 21. Januar 1979, Dortmund
1:58,4h | Olga Vakhrusheva (UdSSR), 16, Februar 1980, Moskau
1:58,42 | Sigrun Wodars (DDR), 1. Februar 1987, Wien
1:57,64 | Christine Wachtel (DDR), 10. Februar 1988, Turin
1:56,40 | Christine Wachtel (DDR), 13. Februar 1988, Wien
1:55,82 | Jolanda Ceplak (SLO), 3. März 2002, Wien
1:54,87 | Keely Hodgkinson (GBR), 19. Februar 2026, Liévin

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