Saisonhöhepunkt der europäischen Leichtathletik: Vom 10. bis 16. August geht es bei der EM um Medaillen, Titel und Bestleistungen. 114 deutsche Athletinnen und Athleten stellen sich im Alexander Stadium von Birmingham der europäischen Konkurrenz. Wie das DLV-Team in den Vorrunden am Freitag abgeschnitten hat und es seine Resultate einschätzt, lesen Sie hier.
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Frauen
Speerwurf | Qualifikation
Julia Ulbricht souverän, Luisa Tremel nervenstark
Als erste Athletin der ersten Speerwurfgruppe war Julia Ulbricht (1. LAV Rostock) im Einsatz. Die Deutsche Meisterin konnte direkt ein Ausrufezeichen setzen: Ihr Speer flog auf 60,86 Meter. Damit fehlten nur 72 Zentimeter zu ihrer bei der DM in Bochum-Wattenscheid erzielten Bestleistung. Die direkte Qualifikationsmarke von 61,00 Metern erreichte sie zwar nicht ganz, konnte sich ihrer Sache aber dennoch sehr sicher sein. Denn einzig die Schweizerin Leonie Hügli warf mit neuem Landesrekord von 62,33 Metern weiter.
Auch die Athletinnen in Gruppe B konnten die Weite der Rostockerin nicht toppen. Esra Türkmen aus der Türkei reihte sich mit 60,43 Metern als beste Werferin in Gruppe B auf Rang drei im Gesamt-Klassement ein. Auch Luisa Tremel (LG Stadtwerke München) schaffte es ins Finale, musste aber deutlich länger bangen als ihre Teamkollegin. Auf 51,02 Meter im ersten Durchgang folgte ein ungültiger Versuch. Im dritten Durchgang bewies sie dann mit 58,32 Metern Nervenstärke – die siebtbeste Weite des Vormittags.
Für die Qualifikation reichten schlussendlich 56,90 Meter. Die amtierende EM-Zweite Adriana Vilagos (Serbien; 57,25 m) und die als Jahresbeste angereiste Sigrid Borge (Norwegen; 57,22) machten es spannend, zogen aber auf den Rängen zehn und elf doch noch ins Finale ein. Die polnische Olympia-Zweite von 2021 Maria Andrejczyk, die in diesem Jahr auch schon 62,78 Meter geworfen hat, schied dagegen mit 55,21 Metern aus.
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Julia Ulbricht (1. LAV Rostock):
„Es war für mich eine Herausforderung, den Wettkampf zu beginnen und als Erste zu werfen. Da war ich ein bisschen nervös und deswegen bin ich umso glücklicher, dass es so gut geklappt hat. Gleich im ersten so dicht ran an das große Q – das gibt einem schon Sicherheit und Motivation fürs Finale. Es gibt aber noch ein paar Kleinigkeiten, mit denen ich nicht so zufrieden bin, daran kann ich bis zum Finale noch feilen. Heute Morgen war ich schon aufgeregt, aber im positiven Sinne – so eine Vorfreude, Anspannung. Ich habe gemerkt, das Adrenalin ist da. Ich genieße einfach alles in vollen Zügen. Ich habe Spaß, versuche auch im Finale Spaß zu haben und schaue, was rauskommt. Es freut mich, dass ich einige große Namen jetzt sogar mal hinter mir lassen konnte.“
Luisa Tremel (LG Stadtwerke München):
„Es war vor allem sehr aufregend. Ich finde, es ist ein sehr schönes Stadion und es ist auch meine erste Europameisterschaft, deswegen habe ich alles aufgesogen. Und es hat ja gut funktioniert. Ich habe die anderen gestern aus dem Teamhotel angefeuert. Die Erfolge des deutschen Teams pushen total. Das Finale möchte ich genießen und wenn ich noch einmal an die Weite anknüpfen kann, bin ich zufrieden.“
4x400 Meter | Vorläufe
DLV-Team macht das Finale klar
Mit einem souveränen Auftritt haben sich die DLV-Langsprinterinnen ihren Platz im EM-Finale gesichert. Vom Start bis zum Zieleinlauf lag das Quartett stets auf einem der drei direkten Qualifikationsränge. Irina Gorr (TSV Gräfelfing), die auf der Außenbahn startete, brachte das Quartett ins Rennen. Die 28-Jährige ließ die Niederländerin Vanessa Mercera auf der Nachbarbahn nicht ziehen und wechselte in Schlagdistanz. Auch die Italienerinnen mischten noch mit.
Dann übernahm Jana Lakner (LG Telis Finanz Regensburg) das Staffelholz. Von ihrer starken Gegnerin Eveline Saalberg (Niederlande), die im Einzel-Halbfinale in 50,84 Sekunden Bestzeit gelaufen war, ließ sie sich nicht beeindrucken und heftete sich an deren Fersen. Deutschland, Italien und die Niederlande setzten sich gemeinsam vom restlichen Feld ab. Nach einem gelungenen Wechsel auf Annkathrin Hoven (TSV Bayer 04 Leverkusen) schob sich das DLV-Quartett Platz zwei. Auch die Leverkusenerin machte ihre Sache gut und übergab als Dritte an Johanna Martin (1. LAV Rostock).
Die Deutsche Meisterin musste den Finalplatz nur noch gegen Norwegen mit der starken Schlussläuferin Amalie Iuel absichern, das gelang souverän: In 3:26,24 Minuten belegte das DLV-Quartett Rang drei hinter den Niederlanden (3:25,00 min) und Italien (3:25,99 min), es war die viertbeste Zeit der ersten Runde. Die Vorlaufschnellsten kamen aus dem ersten Lauf, den die Gastgeberinnen aus Großbritannien in 3:22,25 Minuten dominiert hatten.
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Irina Gorr (TSV Gräfelfing):
"Es war richtig toll! Ich bin happy und freue mich riesig, dass ich hier dabei sein darf. Wir haben es ins Finale geschafft und darauf bin ich sehr stolz."
Jana Lakner (LG Telis Finanz Regensburg):
"Das Wichtige für mich war, die erste Kurve Druck zu machen und die Diagonale richtig zu beschleunigen, um uns eine gute Position zu sichern. Das hat super geklappt. Dann galt es noch mal, auf der Schlussgeraden anzuziehen, so gut es geht. Im Finale wollen wir gern noch eine bessere Zeit erzielen."
Annkathrin Hoven (TSV Bayer 04 Leverkusen):
"Wir schätzen das, wenn wir uns an ein anderes Team hängen und uns ziehen lassen können. Aber umgekehrt sind wir manchmal auch das Team, das andere schneller macht. Das gehört zur Taktik. Wir haben das stärkste Team seit Jahren. Das sind ja nicht nur wir, die hier auf der Bahn stehen, sondern auch Luna [Bredau], Mona [Mayer] und Skadi [Schier], die ja leider verletzt zu Hause ist. Das wollten wir zeigen."
Johanna Martin (1. LAV Rostock):
"Die Stimmung im Team ist sehr gut. Wir haben alle Verständnis füreinander und können über alles reden. Das macht ein Team aus. Wir haben viel Spaß zusammen. Und wenn man keinen Spaß hat, finde ich, kann man auch nicht gut laufen. Fürs Finale nehmen wir uns vor, einfach Spaß zu haben und unser Bestes zu geben."
Männer
1.500 Meter | Vorläufe
Robert Farken läuft souverän zum „Q“, Marc Tortell scheidet aus
In den 1.500-Meter-Vorläufen ging es richtig zur Sache. Denn nur ein Platz jeweils unter den Top sechs garantierte den Einzug ins Finale. Über die Zeitregel wurden keine Final-Tickets vergeben. Im zweiten Rennen blieb Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) stets aufmerksam und erarbeitete sich für die finalen 300 Meter eine gute Ausgangsposition. Dieser nutzte der Deutsche Rekordhalter, schaltete eingangs der Zielgeraden einen Gang hoch und lief als Zweiter in 3:41,65 Minuten souverän ins Finale, das am Sonntagabend über die Bühne geht. Nur Ex-Weltmeister Jake Wightman, dessen Vater das Rennen als Stadionkommentator in Birmingham begleitete, war acht Hundertstel schneller im Ziel.
Nicht ins Rennen um die Finalplätze konnte Marc Tortell (Athletics Team Karben) im ersten Lauf eingreifen. Auf der letzten Runde hatte er nach einem sehr unruhigen ersten Kilometer und einem Fast-Sturz die Tuchfühlung zur Spitzengruppe verloren. Am Ende lief er nach 3:42,21 Minuten als 13. ins Ziel. Zwölf Läufer waren mit schnelleren Bestzeiten als der Hesse ins Rennen gegangen.
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Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig):
„Am Ende steht die Final-Qualifikation. Darum geht es. Das Niveau in Europa ist über 1.500 Meter der Männer genauso wie über 800 Meter extrem hoch, da musste man im Vorlauf sein A-Game an den Start bringen. Das ist mir gelungen. Die Entscheidung über die Finalplätze spielt sich innerhalb einer Sekunde ab, das darf man nicht vergessen. So sind einige schnelle Leute nicht ins Finale gekommen. Egal in welches Rennen ich gehe: Ich will es gewinnen und das Maximale rausholen. Wenn das nicht klappt, kann man es später immer noch analysieren. In Meisterschaftsrennen muss man immer aufmerksam sein und genug Gänge für die letzte Runde habe. Dass ich die habe, hat die Zielgerade gezeigt.“
Marc Tortell (Athletics Team Karben):
„Es war für mich schon ein Erfolg hier dabei zu sein. Klar wäre ich gern ins Finale gelaufen, aber das war heute schon ein Stück weit weg. Man darf aber nicht vergessen, dass ich vor zwei Jahren schon aufhören wollte, heute durfte ich gegen die schnellsten Läufer Europas antreten. Das Rennen war sehr unruhig, es gab einen Sturz und ich selbst bin kurz darauf ebenfalls fast gestürzt. Als Andenken habe ich blutige Schienbeine. Leichtathletik ist zwar kein Kontaktsport, aber über 1.500 Meter manchmal schon. So ist Racing bei großen Meisterschaften. Generell mag ich solche Rennen, aber heute hatte ich einfach nicht die Beine, um mitzugehen.“
Stabhochsprung | Qualifikation
DLV-Duo sichert sich Finalplatz
Manchmal führen unterschiedliche Wege ans Ziel – auch in der Leichtathletik. Während Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics) in der Stabhochsprung-Qualifikation nur einen Sprung über 5,60 Meter benötigte, um ins Finale am Sonntagabend einzuziehen, griff Gillian Ladwig (Schweriner SC) gleich fünfmal zu seinem Arbeitsgerät – und rechnete nach drei Fehlversuchen über 5,60 Meter, dass das Finale ohne ihn stattfinden würde. Doch da er 5,45 Meter im ersten Versuch meisterte, ist er wie 13 weitere Stabhochspringer bei der Medaillenvergabe in zwei Tagen dabei.
Das gelang bei immer wieder auffrischendem Wind nicht allen Final-Kandidaten. Sowohl der niederländische Rekordler Menno Vloon konnte sich leicht angeschlagen nicht für das Finale qualifizieren. Auch sein türkisches Pendant Ersu Sasma scheiterte dreimal an seiner Einstiegshöhe von 5,45 Metern. Der Franzose Thibaut Collet, der in diesem Jahr 5,91 Meter gesprungen ist, musste bei 5,60 Metern einen „Salto Nullo“ hinnehmen. Anders Weltrekordler Armand Duplantis. Der Schwede meisterte 5,60 Meter mühelos und ist natürlich Top-Favorit am Sonntag.
Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics):
„Die Qualifikation muss man ernst nehmen, da kann immer alles passieren. Die Anlage ist sehr gut wie das ganze Stadion. Im Finale geht es darum, so hoch wie möglich zu springen. Dann wird man sehen, für was es reicht.“
Gillian Ladwig (Schweriner SC):
„Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass es nicht reicht. Als ich die 5,60 Meter dreimal gerissen habe, war ich richtig enttäuscht. Dass es doch geklappt hat, freut mich ungemein. Die Form passt auch für das Finale. Nur habe ich es heute versäumt, den Stab richtig nach vorn zu bewegen. Ich bin guter Dinge für mein erstes großes Finale und will deutlich höher springen als heute.“
4x400 Meter | Vorläufe
Deutsches Quartett sprintet ins EM-Finale
Kurz nach 11 Uhr Ortszeit mussten die deutschen Langsprinter hellwach sein. Denn dass der Einzug ins EM-Finale über 4x400 Meter kein Selbstläufer sein würde, war vor dem Startschuss klar. Denn die kontinentale Konkurrenz ist extrem stark. Doch Thilo Traue (LG Stadtwerke München), Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel), Manuel Sanders (TV Wattenscheid 01) und der EM-Fünfte Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) lösten die Vorlauf-Aufgabe souverän. Als Dritte des ersten Vorlaufs mit 3:01,07 Minuten schnappte sich der „DLV-Vierer“ das angepeilte große „Q“.
Thilo Traue brachte bei seinem ersten Start auf ganz großer internationaler Bühne die Staffel in Schwung und übergab als Vierter den Staffelstab an Thorben Finke. Der behauptete seine Position in einer Dreiergruppe, die quasi parallel den Stab übergab. Nach dem dritten Wechsel von Manuel Sanders auf Jean Paul Bredau ging es zwischen drei Staffeln um den dritten Platz.
Den sicherte sich Jean Paul Bredau, als er schon auf der Gegengeraden energisch am Schweizer Leonel Spitz vorbeizog. Nur die Meisterschaftsrekord (2:58,10 min) laufenden Italiener und die Belgier (2:59,35 min) waren schneller als die DLV-Staffel. Da im zweiten Vorlauf nur die Niederlande (3:00,98 min) schneller war, zog das deutsche Quartett als viertschnellstes ins Finale am Sonntagabend ein. Dort werden viele Staffeln – wie immer nach den Vorläufen bei Meisterschaften – den einen oder anderen Platz neu besetzen.
Stimmen zum Wettbewerb
Thilo Traue (LG Stadtwerke München):
„Das Ziel Finale ist erreicht. Im Finale am Sonntagabend heißt es dann: richtig Gas geben. Die Position eins kenne ich vom Verein aus, darum war es nicht Neues für mich. Klar habe ich gehofft, noch dichter am Belgier dran zu sein. Aber es läuft nicht immer wie gewünscht.“
Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel):
„Die Beine waren nach den zwei Einzelrennen schon wieder gut. Das Gefühl war okay, speziell auf der Zielgerade lief es noch einmal gut, als ich wieder am Schweizer vorbeigehen konnte.
Manuel Sanders (TV Wattenscheid 01):
„Das Rennen hat richtig Spaß gemacht. Wir sind ein neues, durchgemischtes Team mit frischem Wind. Es war eine solide, gute Leistung. Im Finale haben wir noch Potenzial nach oben und können schneller laufen. Das Finale ist Sonntagabend ist ganz zum Schluss und der Fokus liegt komplett auf uns. Das motiviert extra.
Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg):
„Erholung ist jetzt nach meinem dritten Rennen wichtig, damit es Sonntag richtig zur Sache geht. Wir stehen in einem europäischen Finale und wollen schnell rennen und es genießen. Dort liebäugeln wir schon mit dem Deutschen Rekord.“