| Nordhausen Indoor

Hattrick mit Meetingrekord: Yemisi Ogunleye kratzt an den 20 Metern

Yemisi Ogunleye steht mit Deutschlandfahne neben einer Anzeigetafel, auf der ihr Name, ihr erster Platz und die Weite von 19,86 Metern vermerkt sind. © Christoph Keil
Das Nordhäuser Parkett hat Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye bislang immer Glück gebracht. Beim 17. Internationalen Kugelstoß-Meeting „Nordhausen Indoor“ am Samstag gelang ihr vor 1.600 Zuschauern nun der Hattrick mit neuem Meetingrekord. Mit seinem dritten Sieg in Folge verließ der Italiener Zane Weir den Nordhäuser Ring, bester Deutscher wurde Xaver Hastenrath.
Sandra Arm

Nordhausen liebt Yemisi Ogunleye, Yemisi Ogunleye liebt Nordhausen. Es war das Jahr 2024, als die Mannheimerin erstmals in der Rolandstadt antrat – und Weltmeisterin Chase Jackson aus den USA besiegte. „Das hat mir in der Entwicklung unheimlich viel gegeben, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es gibt einem einfach ein super gutes Gefühl, wenn du zu solch einem Wettkampf kommst und weißt, die Stimmung ist gut und der Fokus liegt hauptsächlich auf dem Kugelstoßen. Das ist natürlich einzigartig. Deswegen liebe es immer wieder nach Nordhausen zu kommen“, schwärmte die 27-Jährige.

Im Vorjahr folgte der zweite Sieg mit Meetingrekord von 19,77 Metern. So lautete die Frage vor dem 17. Internationalen Kugelstoß-Meeting 2026: Macht die Olympiasiegerin den Hattrick perfekt? Das gelang am Samstag auf eindrucksvolle Art und Weise. Bei ihrem zweiten Saisonwettkampf begeisterte Yemisi Ogunleye das Nordhäuser Publikum mit einer tollen Serie. Sie war sofort da, stieß die Vier-Kilo-Kugel auf 19,75 Meter und die Funken sprühten. Mit diesem Einstieg schockte sie sichtlich die internationale Konkurrenz.

Mit dem Fokus auf sich selbst zum Hattrick

Chase Jackson ist eine der schillerndsten Figuren der Kugelstoß-Szene – und dazu eine der weltbesten. Für die US-Amerikanerin war das Meeting in Nordhausen der erste Wettkampf in dieser Hallensaison. Ihr erster Versuch hatte deutlich Potenzial für die 20 Meter, er wurde nicht gültig gegeben. Sie brachte in den weiteren Runden nur zwei gültige Versuche in die Wertung. Ihr weitester landete bei 18,94 Metern. Damit belegte sie Rang drei.

Das erhoffte Duell mit Yemisi Ogunleye kam nicht zustande. Die Mannheimerin hatte den Fokus auf sich selbst gelegt, weniger auf die direkte Konkurrenz und lieferte eindrucksvoll ab. Alle nachfolgenden gültigen Versuche hätten ihr zum erneuten Meetingsieg gereicht. Im fünften Durchgang folgte die nächste Steigerung auf 19,86 Meter – und damit zur Verbesserung ihres eigenen Meetingrekords. Zugleich katapultierte sie sich auf Rang zwei der Hallen-Weltjahresbestenliste.

„Ich habe mich ehrlicherweise gar nicht mit diesem Duell auseinandergesetzt. Ich bin nach Nordhausen gekommen, mit dem Bewusstsein, hier stoße ich gut. Mit der Weite hätte ich auch Zweite werden können“, sagte die mehrfache Deutsche Meisterin, die Verständnis für den Auftakt der Amerikanerin aufbrachte. „Am Ende des Tages sind wir alle Menschen. Wir können gute, wir können schlechte Tage haben. Außerdem war es ihr erster Saisonwettkampf. Mein erster sah auch anders aus.“ Hinter der nun dreimaligen deutschen Meetingsiegerin belegte die Portugiesin Auriol Dongmo mit 19,02 Metern Rang zwei.

Zane Weir reicht ein Versuch zum Sieg

Bei den Männern sprühten ebenfalls gehörig die Funken. Dafür sorgten vor allem die internationalen Starter. Ein Versuche reichte Zane Weir für seinen dritten Meetingsieg in Folge. Der Italiener kam in ersten Versuch auf 20,56 Meter. Anschließend musste er verletzt zuschauen. So lieferten sich der US-Amerikaner Christopher Licata und Weirs Landsmann Nick Ponzio einen packenden Zweikampf um Rang zwei, den der US-Amerikaner mit 20,44 Metern für sich entschied. Auf Rang drei landete Nick Ponzio mit 20,31 Metern.

Bester Deutscher wurde Xaver Hastenrath (TSV Bayer Dormagen) mit neuer Bestleistung von 19,60 Metern. „Ich habe eine lange Verletzungspause gehabt, weshalb ich überhaupt erstmal zufrieden bin, dass es mit einer Bestleistung weitergeht“, resümierte der 22-Jährige.

Trotz der Vorgeschichte hätte er sich dennoch ein noch besseres Ergebnis gewünscht. Die 20 vor dem Komma soll nun in den kommenden Wettkämpfen in der Hallensaison stehen. „Ich habe heute keinen meiner Stöße richtig getroffen. Bei der Drehung hatte ich auch noch einige Probleme. Wahrscheinlich weil ich so lange raus war“, erklärte er. U23-Athlet Georg Harpf (LG Stadtwerke München) durfte sich mit 19,34 Metern ebenfalls über eine neue Bestleistung freuen. Mit 19,02 Metern ging der Sieg in der U23-Konkurrenz an Lukas Schober (SG Freital-Weißig 1861). 

Ziel erreicht: Emily Scherf stößt über 16 Meter

Das erste Mal über 16 Meter: Das gelang Emily Scherf (SC Neubrandenburg) in der U20-Konkurrenz. Gleich im ersten Versuch wuchtete sie ihr Arbeitsgerät auf die neue persönliche Bestmarke von 16,24 Metern. „Ich bin sehr, sehr zufrieden, dass ich die persönliche Bestleistung stoßen konnte, und dann auch noch im ersten Versuch. Gefreut habe ich mich, dass es über 16 Meter ging. Das war schon mein Ziel für den Wettkampf“, resümierte Emily Scherf, die noch am vergangenen Wochenende mit 40 Grad Fieber im Bett gelegen hatte. Trotz der neuen Bestmarke sah sie noch viel Potenzial: „Es war kein Stoß dabei, wo ich sage, den habe ich richtig getroffen.“

Der erste Versuch war auch sein bester: Simon Kunkel (USC Mainz) beförderte die Sechs-Kilo-Kugel auf 18,49 Meter. Trotz des Sieges in der U20-Konkurrenz haderte er ein wenig mit der Technik. „Ich bin noch nicht ganz auf dem technischen Niveau, auf dem ich gern sein würde. Krafttechnisch ist es schon ganz gut. Von der Weite war es nicht so verkehrt, aber ich habe die Kugel noch nicht so gut getroffen, vor allem wenn man weiß, was drin ist.“ Für den weiteren Verlauf in der Hallensaison sind die 19 Meter das erklärte Ziel des 18-Jährigen.

Bei den jungen Talenten der U18 setzte sich Johannes Kunkel (SC Neubrandenburg) mit neuer persönlicher Bestmarke von 17,63 Metern durch. Sein weibliches Pendant Lisa Hinrichsen (Eintracht Frankfurt) kam auf 15,16 Meter. Nach diesem Weltklasse-Auftakt geht es am morgigen Sonntag in die zweite Runde, wenn zum 20. Rochlitzer Kugelstoßmeeting die weltbesten Athleten zu Gast sind. 

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik ...

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