Am Montag geht mit dem Boston-Marathon der älteste City-Marathon der Welt über die Bühne. In einem Top-Feld mit zehn Läufern mit Bestzeiten unter 2:10:00 Stunden sind auch Richard Ringer und Hendrik Pfeiffer dabei. Hinter beiden liegen gute Trainingswochen, entsprechend gehen sie mit hohen Zielen ins Traditionsrennen.
Der Boston-Marathon ist traditionell einer der am stärksten besetzten Läufe des Jahres über die 42,195-Kilometer-Distanz. Bei der 130. Auflage des Klassikers sind am Montag (20. April) zwar nicht die allerbesten Athleten der Welt am Start – was auch mit der zeitlichen Nähe zum London-Marathon zu tun hat –, aber die Breite in der Spitze ist immer wieder außergewöhnlich. Zehn Männer gehen mit Bestzeiten von unter 2:05:00 Stunden ins Rennen, fünf Frauen sind schon unter 2:19:00 Stunden gelaufen. In dieser Hinsicht übertrumpft Boston sogar London und es ist gut möglich, dass diese Breite in diesem Jahr bei keinem anderen Marathon mehr erreicht wird. Mit den Kenianern John Korir und Sharon Lokedi starten die beiden Titelverteidiger. Zwei deutsche Topläufer gehen am Montag auf der hügeligen Punkt-zu-Punkt-Strecke ins Rennen: Richard Ringer (LC Rehlingen) und Hendrik Pfeiffer (Düsseldorf Athletics).
Der 29-jährige John Korir stürmte vor eineinhalb Jahren in Chicago in die Weltspitze: Der Kenianer gewann damals in 2:02:43 Stunden und triumphierte dann vor zwölf Monaten in Boston mit 2:07:40 Stunden. Bei seinem nächsten Rennen in Chicago kam er allerdings nicht ins Ziel, doch er meldete sich nur zwei Monate später zurück. In Valencia siegte er souverän mit einer Steigerung auf 2:02:24 Stunden. Damit ist John Korir der achtschnellste Läufer aller Zeiten. In Boston geht er allerdings nicht als schnellster Läufer ins Rennen: Vor ihm auf der nach Bestzeiten sortierten Startliste steht Benson Kipruto, der 2024 den Tokio-Marathon in 2:02:16 Stunden gewann und dann Dritter bei den Olympischen Spielen in Paris wurde. Im vergangenen November siegte der Kenianer – die Nummer sechs der Alltime-Liste – beim New York-Marathon.
Richard Ringer mit perfekter Vorbereitung
Richard Ringer und Hendrik Pfeiffer stehen auf der aktuellsten Startliste mit ihren persönlichen Bestzeiten von 2:05:46 beziehungsweise 2:06:45 Stunden auf den Positionen 12 und 16. Für beide ist es das Ziel, bei der Platzierung gegenüber der Meldeliste ein paar Ränge besser gutzumachen. Auf der hügeligen und schwer zu laufenden Strecke des Klassikers geht es nicht um Zeiten – zumal diese aufgrund des abfallenden Punkt-zu-Punkt-Kurses sowieso nicht in die offiziellen Bestenlisten aufgenommen werden –, sondern darum möglichst weit vorn ins Ziel zu laufen.
Da in Boston auch ohne Tempomacher gelaufen wird, ähnelt der Marathon einem Meisterschaftsrennen. Das könnte Richard Ringer entgegenkommen, denn bei den großen Titelkämpfen zeigte er immer wieder sehr starke Leistungen. Höhepunkt war dabei natürlich der Sieg bei den Europameisterschaften in München 2022. Es ist das erste Mal, dass Richard Ringer bei einem derartigen City-Marathon startet. „Ich bin sehr gut vorbereitet und war auch vier Wochen in Kenia. Dort konnte ich mich auch perfekt auf die hügelige Strecke vorbereiten. Wie eigentlich jedes Mal, wenn ich einen Marathon angehe, habe ich das Gefühl, dass ich noch ein Stück besser geworden bin – daher bin ich optimistisch“, sagte Richard Ringer. Sein Ziel: „Eine Top-10-Platzierung zu erreichen und mich gut zu präsentieren. Ich schiele natürlich noch etwas weiter nach vorn, aber dafür muss am Tag X dann alles zusammenpassen.“
Hendrik Pfeiffer in „Valencia-Form“
Auch Hendrik Pfeiffer reist optimistisch nach Boston: „Ich bin sehr guter Dinge. Ich konnte nach dem Berliner Halbmarathon im Training alles wie geplant umsetzen und habe auch ein paar neue Einheiten eingestreut“, sagte der Düsseldorfer, der bei dem Rennen über die „halbe Distanz“ in Berlin Ende März mit 61:33 Minuten seine persönliche Bestzeit nur um fünf Sekunden verpasst hatte. „Meine Form ist ungefähr so wie vor dem Valencia-Marathon“, sagte Hendrik Pfeiffer, der bei dem spanischen Rennen im vergangenen Dezember seine Bestzeit von 2:06:45 Stunden gelaufen war. „Mein Ziel ist es, einen besseren Platz zu erreichen als meine Meldeposition. Das Feld ist natürlich herausfordernd und die Strecke ist schwierig - aber sie ist auch eine gute Simulation für den Kurs bei den Europameisterschaften im Sommer in Birmingham“, sagte Hendrik Pfeiffer, der in Boston vor drei Jahren schon einmal gelaufen ist und Platz 16 belegt hatte. „Ich freue mich auf Boston und möchte clever und taktisch gut laufen.“
Im Rennen der Frauen ist die Titelverteidigerin Sharon Lokedi die recht klare Favoritin. Die Kenianerin pulverisierte vor einem Jahr den Streckenrekord in Boston. Sie verbesserte die Marke um gut zweieinhalb Minuten auf 2:17:22 Stunden. Ihre letzten beiden Rennen lief Sharon Lokedi in New York und belegte dabei jeweils Rang zwei. Schneller war bei beiden Läufen ihre Landsfrau Hellen Obiri. Sie startet jedoch nicht in Boston sondern läuft den London-Marathon.
Die Topläufer beim Boston-Marathon
MÄNNER:
Benson Kipruto (KEN) 2:02:16
John Korir (KEN) 2:02:24
Milkesa Mengesha (ETH) 2:03:17
Cybrian Kotut (KEN) 2:03:22
Abdi Nageeye (NED) 2:04:20
Lemi Berhanu (ETH) 2:04:33
Hailemaryam Kiros (ETH) 2:04:35
Alex Masai (KEN) 2:04:37
Alphonse Simbu (TAN) 2:04:38
Mohamed Esa (ETH) 2:04:39
Zouhair Talbi (USA) 2:05:45
Richard Ringer (GER) 2:05:46
Hendrik Pfeiffer (GER) 2:06:45
Nicholas Kipkorir (KEN) Debüt
FRAUEN:
Sharon Lokedi (KEN) 2:17:22
Irine Cheptai (KEN) 2:17:51
Workenesh Edesa (ETH) 2:17:55
Loice Chemnung (KEN) 2:18:24
Bedatu Hirpa (ETH) 2:18:27
Emily Sisson (USA) 2:18:29
Mary Ngugi-Cooper (KEN) 2:19:26
Calli Hauger-Thackery (GBR) 2:21:24
Susanna Sullivan (USA) 2:21:56