Die große Bühne gehörte am Abschlusstag der Hallenschen Werfertage traditionell den U23- und U18-Athleten. Letztere brachten sich bereits früh in der Saison in Stellung für die U18-Europameisterschaften. Im Kugelstoßen stieß Pauline Schubert erstmals über 17 Meter, Emmy Pfouga überraschte im Diskuswerfen und im Speerwurf ist ein Aufwärtstrend zu spüren.
#Werfenfetzt: der Slogan der Halleschen Werfertage – und dieses Wochenende hat auf alle Fälle Lust auf mehr gemacht. Insbesondere die U18-Athleten standen am zweiten Wettkampftag besonders im Fokus. Auf die Nachwuchstalente wartet in diesem Sommer mit den U18-Europameisterschaften in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli) ein internationaler Höhepunkt. Womit der Kampf um die Startplätze vor einigen Wochen begonnen hat. Schon jetzt deuten sich in einigen Disziplinen mehr Normerfüller als Startplätze an.
Wie im Kugelstoßen. In der männlichen Jugend ist es schon ein Quartett, das mit Stößen über 18 Metern auf sich aufmerksam gemacht hat. Und das mit Clesio De Carvalho (LG Steinlach-Zollern) an der deutschen Spitze. Mit 18,46 Metern kam der 16-Jährige nah an seine bisherige Spitzenweite von 18,74 Metern heran. Diese Weite bedeutete Rang zwei hinter dem stark aufgelegten Polen Adrian Dral, der mit zwei Stößen über 20 Meter begeisterte und die Konkurrenz mit 20,33 Metern für sich entschied.
„Die Platzierung stand schon von vornherein fest, gerade mit dem Polen, der richtig stark performte. Von der Weite war es ganz okay. Nach dem Diskuswerfen war ich schon ziemlich platt, und mit der Leistung kann ich auf jeden Fall zufrieden sein“, resümierte Clesio De Carvalho.
Lance Listner hat zwei Asse im Ärmel
Hinter dem deutschen Jahresbesten steigerten sich John-Christian Schochardt (SC Neubrandenburg) und Lance Listner (LAC Erdgas Chemnitz) auf 18,28 und 18,11 Meter. Ebenfalls über 18 Meter wuchtete Johannes Kunkel (SC Neubrandenburg) die Fünf-Kilo-Kugel schon in dieser Saison. In diesem Wettkampf blieb er mit 17,29 Metern hinter seinen Erwartungen zurück.
Mit der 1,5-Kilo-Scheibe konnte Lance Listner mit 62,62 Metern bereits ordentlich vorlegen. In Halle lieferte er erneut einen Wettkampf auf hohem Niveau ab und erreichte seine Tagesbestweite von 61,54 Metern im sechsten und letzten Versuch. Dies bedeutete für ihn Rang zwei hinter dem Briten Moyo Stumpenhusen (64,14 m).
„Die Bedingungen waren sehr gut, schönes Wetter und guter Wind. Deswegen hätte ich mir von der Weite etwas mehr erwartet, aber mit 61,54 Metern kann man dennoch zufrieden sein. Ich hätte heute schon gern eine neue Bestleistung geworfen, dafür habe ich die Würfe nicht richtig gut getroffen und den Wind nicht richtig ausgenutzt“, resümierte Lance Listner, der im Kampf um die EM-Tickets ein Wörtchen mitreden möchte. „Ich habe richtig Lust und bin heiß auf die Saison.“
Clesio de Carvalho vor allem im Kugelstoßen stark
„Die Plätze mit Kugel und Diskus sind heiß umkämpft“, weiß auch Clesio De Carvalho, der am kommenden Wochenende beim Diskusmeeting – Sky is the Limit – „mit frischeren Beinen“ auf eine weitere Steigerung hofft. Im Diskuswurf von Halle gelang ihm eine Serie mit sechs gültigen Versuchen, der weiteste wurde mit 60,08 Metern vermessen. Wenngleich er seine Chancen auf ein EM-Ticket eher im Kugelstoßen sieht.
„In der Saison ist das realistischer, aber auch im Diskus kann noch etwas mehr kommen.“ Mit John-Christian Schochardt (59,66 m) und Brandon Lisk (TV Wattenscheid 01; 56,86 m) boten sich zwei weitere Athleten für einen EM-Startplatz an.
Maurits van der Linden bester deutscher Speerwerfer
Recht spannend dürfte die EM-Qualifikation auch bei den U18-Speerwerfern mit jetzt vier Normerfüllern verlaufen. In diesen Kreis hat sich Maurits van der Linden (SC Magdeburg), der sich auf 67,60 Meter enorm steigerte und Rang zwei belegte, reingeworfen. Allerdings gestaltete sich sein Wettkampf etwas schwierig.
„Ich bin relativ schlecht reingestartet und konnte mich dann glücklicherweise im weiteren Verlauf immer weiter nach vorn arbeiten. Mit meiner Weite bin ich zufrieden, weil ich über eine längere Zeit mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte und konnte so gut wie gar nicht trainieren. Erst vor gut zwei Monaten bin ich wieder ins Training eingestiegen, weswegen das Ergebnis umso höher einzuschätzen ist“, sagte Maurits van der Linden, der sich in den kommenden Wettkämpfen in diesem Weitenbereich nun weiter stabilisieren möchte. Des Weiteren übertrafen Quentin Albers (SC Potsdam; 66,65 m) und Oliver Zeno Ispan (USC München; 66,17 m) den geforderten Richtwert von 66,00 Metern.
Bei den Hammerwerfern war es Kai Konopacki (UAC Kulmbach), der sich dem geforderten Richtwert für die U18-EM von 69,00 Metern am stärksten annäherte. Zum Auftakt in die Sommersaison standen für den Zweitplatzierten jetzt 67,74 Meter im Protokoll.
Pauline Schubert knackt die 17 Meter
Erstmals über 17 Meter: Das gelang Pauline Schubert (LV 90 Erzgebirge) im Kugelstoßen der weiblichen Jugend U18. Mit einer schönen, konstanten Serie und dem Ausreißer auf 17,09 Meter konnte sie die Konkurrenz für sich entscheiden. „Mit der Weite bin ich sehr zufrieden. Der Stoß hat sich sehr leicht und sehr gut angefühlt. Da geht noch mehr, wenn ich die Hüfte mehr nach vorn und mehr in den Beinen arbeite“, sagte Pauline Schubert.
Bei der Siegerehrung der Diskuswerferinnen musste Marlene Sack (Hallesche Leichtathletik-Freude) beim Stellplatz von Emmy Pfouga (ASC Darmstadt) etwas nachhelfen (Titelfoto). Denn der zweite Platz kam für Emmy Pfouga mehr als überraschend. Im sechsten Versuch segelte ihr Wurfgerät auf die neue Bestmarke von 48,91 Metern, womit sie die bis dato Zweitplatzierte Marlene Sack auf den dritten Rang verwies. „Die ersten Würfe waren noch etwas schlechter von mir, aber beim letzten habe ich alles reingeworfen. Ich habe weniger Technik, sondern nur Kraft benutzt“, blickte Emmy Pfouga zurück.
Die Lokalmatadorin konnte dieser Weite nichts mehr entgegensetzen und blieb mit 48,35 Metern Dritte. Zugleich kam es in der deutschen Jahresbestenliste ebenfalls zum Wechsel, Emmy Pfouga löste dort Marlene Sack als Führende ab. „Darauf bin ich schon stolz. Das kam alles sehr unerwartet“, zeigte sich Emmy Pfouga erfreut. Ferner durfte sich Olivia Eyenga (SCC Berlin) mit einer steten Steigerung auf 47,00 Metern über die erfüllte EM-Norm freuen.
Zwei Speerwerferinnen über 50
Im Speerwurf ist ein Aufwärtstrend deutlich spürbar. So gab es gleich drei Normerfüllerinnen, die den Richtwert mit neuen Bestmarken von 49,00 Metern übertrafen. Lena Sachse (TTL Ehrenfriedersdorf) und Jette Strauß (Haldensleber SC) feuerten den Speer sogar über die 50-Meter-Marke – beide im sechsten und letzten Versuch.
Die größte Weite erzielte Lena Sachse mit 51,90 Metern vor Jette Strauß (50,87 m). Das deutsche Siegerpodest komplettierte Tami Forkel (Hallesche Leichtathletik-Freunde) mit 49,86 Metern als Dritte. Als beste U18-Hammerwerferin kam Milena Horbach (PSV München) mit 57,92 Metern auf Rang vier.
Drei Münchner Siege in der U23
In den U23-Konkurrenzen gab es einige deutsche Spitzenplätze. Im Kugelstoßen setzte sich der Deutsche Hallenmeister Georg Harpf (Georg Harpf) souverän mit 19,38 Metern durch. Im sechsten und letzten Versuch flog der Speer von Florian Schmid (LG Stadtwerke München) auf eine neue Bestweite von 79,33 Metern. Der bis dato Führende Niederländer Ryan Jansen hatte noch die Möglichkeit für einen Konter. Dieser blieb aus, wodurch Florian Schmid die Konkurrenz für sich entschied.
Für einen weiteren Münchner Sieg sorgte Kugelstoßerin Helena Kopp, die gleich im ersten Versuch ihre Tagesbestweite von 16,47 Metern erreichte. Im Hammerwurf der weiblichen U23 siegte die Schwedin Malin Garbell (71,30 m), beste Deutsche war auf Platz drei die U20-Siegerin des Vortages, Clara Hegemann (67,29 m), die dicht an ihre Bestweite von 67,74 Metern herankam.
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