Mit den ersten Entscheidungen am Freitagmittag ist die DM U18/U23 in Bochum-Wattenscheid gestartet. In der weiblichen Jugend U18 entschied eine Hundertstel über den Sieg über 2.000 Meter Hindernis. Mit dem Diskus fand Clesio De Carvalho schwer in den Wettkampf, krönte den Titel aber schlussendlich noch mit einer neuen Bestleistung.
| WEIBLICHE U18 |
Hoch hinaus ging es für Eva Marie Weisbrodt (MTG Mannheim) im Stabhochsprung, die mit 4,05 Meter ihre Bestleistung einstellte. Anschließend ließ sie noch 4,20 Meter auflegen. Eben jene Höhe, die sie bereits in der Hallensaison gemeistert hatte. Im Freien sollte es mit dieser Höhe bei den nationalen Titelkämpfen noch nicht klappen. Aber vielleicht dann bei den U18-Europameisterschaften in zwei Wochen in Rieti. „Ich war schon darauf eingestellt, den Titel zu holen. Ich habe es mir einfach immer wieder eingeredet: Du holst den Titel, du schaffst das. Ich habe im Training sehr hart dafür gearbeitet und vor allem auch in der letzten Zeit sehr stark trainiert. Das war das Ziel – und erreicht“, freute sich Eva Marie Weisbrodt.
Hinter der überragenden Springerin ging es im Kampf um das zweite EM-Ticket deutlich spannender zu. Im dritten Versuch meisterten Mira Drißler (MTG Mannheim) und Tessa Böttner (SC Potsdam) nochmals die EM-Norm von 3,85 Metern, während Line Gretzler (USC Mainz) die Höhe dreimal riss. Tessa Böttner überquerte im Anschluss die 3,90 Meter gleich im ersten Versuch, bei Mira Drißler fiel die Latte und sie hob sich ihre zwei noch ausstehenden Versuche für 3,95 Meter auf. Die Latte blieb dort zweimal nicht liegen, sodass ihr die übersprungenen 3,85 Meter Bronze brachten. Silber ging an Tessa Böttner, die nach einem Fehlversuch über 3,95 Meter sich anschließend mit zwei Versuchen an den 4,00 Metern probierte, aber scheiterte.
Franziska Gräter fängt Mila Klein ab
Mila Klein (Berliner SV 1892) sah über 2.000 Meter Hindernis schon wie die sichere Siegerin aus. Eingangs der Zielgerade hatte sie sich aus dem Führungsquartett abgesetzt und lief ihrem sicher geglaubten Erfolg entgegen. Was sie nicht sah: Von hinten kam Franziska Gräter (TSG Schwäbisch Hall) herangestürmt und sicherte sich mit einem starken Schlussspurt in neuer Bestzeit von 6:44,52 Minuten den Meistertitel. „Ich weiß gar nicht, woher ich die Körner auf den letzten Metern noch hergenommen habe. Ich wusste nur, diese Chance ist nur einmal, bei den Deutschen Meisterschaften zu gewinnen. Ich dachte, ich muss jetzt alles nochmal geben und habe alles rausgeholt“, sagte die Siegerin. Zweite wurde Mila Klein in 6:44,53 Minuten. In einer glänzenden Verfassung präsentierte sich Lucie Schmied (SV Empor Bad Langensalza), die zwischendurch sogar die Führungsarbeit übernommen hatte, und sich in neuer persönlicher Bestzeit von 6:46,93 Minuten mit der Bronzemedaille belohnte.
Es war ein hartes Stück Arbeit für die Jahresbeste Emmy Pfouga (ASC Darmstadt) im Diskusring. Für die 50-Meter-Werferin standen zum Auftakt 41,79 Meter im Protokoll. Auch für Marlene Sack (Hallesche Leichtathletik-Freunde) lief es zunächst mit einem ungültigen Versuch nicht rund. „Ich hatte letzte Woche noch eine sehr, sehr gute Trainingswoche. Deshalb habe ich mir gedacht, ich bekomme das hin. Nach dem ersten ungültigen Versuch war ich schon ein wenig nervös“, sagte Marlene Sack, die dann von der Tribüne lautstarke Unterstützung durch ihren Vater und Trainer René erfuhr „Das hat dann geholfen. Mir ist nach dem zweiten Versuch wirklich ein Stein vom Herzen gefallen. Er war gültig und noch sehr weit.“ Dieser landete nämlich bei einer neuen Bestmarke wie Führungsweite von 49,04 Metern.
Die Führungsposition konnte sie bis zur fünften Runde behaupten, ehe Emmy Pfouga sich auf 49,97 Meter steigern und im letzten die 50-Meter-Marke mit 51,13 Metern knacken konnte. „Marlene hat auf jeden Fall einen Beitrag zu meiner Leistung geleistet, als sie im zweiten Versuch richtig einen vorgelegt hat. Da wusste ich, dass wir uns im weiteren Verlauf noch richtig pushen. Ich wollte eigentlich Bestleistung werfen, aber es ist dennoch eine sehr gute Weite“, resümierte Emmy Pfouga, die sich mit Marlene Sack das EM-Ticket für Rieti sicherte. Auf Rang drei warf sich mit neuem Hausrekord Juna Duwenbeck (LG Olympia Dortmund) mit 44,71 Metern.
Die StG Team Sachsen-Anhalt hatte in diesem Jahr als führendes Quartett mit 46,84 Sekunden stark vorgelegt. Gefordert war die 4x100-Meter-Staffel in der Besetzung Johanna Lehneis, Amy Strätz, Valentina Krug und Olivia Nieß gleich im ersten Zeitlauf und stürmte in 46,54 Sekunden ins Ziel. Im zweiten Zeitlauf folgte das Quartett des SC DHfK Leipzig mit Merle Richter, Lina Mühlenbrink, Tessa Sonnekalb und Luise Möckel, die in der Jahresbestenliste auf Rang zwei lagen. Auf der blauen Bahn im Lohrheidestadion zündeten die Leipzigerinnen den Turbo und kamen in 46,27 Sekunden ins Ziel. Damit durfte das Quartett über Gold jubeln, Silber ging an die StG Team Sachsen-Anhalt und Bronze an die Staffel der ART Düsseldorf mit Milena Sandkrüger, Clara Apfel, Charlotte Apfel, und Matilda Leowald in 47,16 Sekunden.
Maßarbeit von Nika Helene Illing
Das 5.000 Meter Bahngehen gewann Grace Wagener (VfL Sindelfingen) in 24:36,81 Minuten vor Pia Kurzendörfer (LC Eilenburger Land) in 25:26,97 Minuten und Clara Heinzl (SSC Bad Sooden-Allendorf) in 25:53,89 Minuten. In der Jugend U20 nahm Nika Helene Illing (LSV 1971 Ilmenau) ihr Herz in die Hand und ging nicht nur dem Meistertitel entgegen. Sie hatte noch dazu eine Zeit von 23:15,00 Minuten vor Augen. Das ist nämlich die Norm für die U20-WM in Eugene (USA; 4. bis 9. August). Eingangs der Zielgerade hatte sie nur noch die Uhr im Blick, die sich immer weiter der Normzeit näherte.
Im Ziel musste sie dann lange warten, ehe ihre Zielzeit angesagt bzw. angezeigt wurde. Nach der Bekanntgabe war ihr die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, sogar ein paar Tränen kullerten, ob ihrer Bestzeit von 23:14,58 Minuten. „Klar, habe ich mir das gewünscht, aber wenn man es dann sieht, ist es doch schon krass. Die letzten zwei Runden waren ganz schön anstrengend, aber vor allem die letzten 30 Meter konnte ich eigentlich nicht mehr und am Ende habe ich nur noch gehofft, dass es von der Zeit passt“, sagte die Siegerin, die damit auch auf ein WM-Ticket hoffen kann. Zweite wurde Trainingspartnerin Maria-Lena Carniel (ASV Erfurt; 23:31,14 min). Bronze ging an Mia Bandoly (SCC Berlin; 24:25,07 min).
| MÄNNLICHE U18 |
Wie spannend kann man einen Wettkampf gestalten? Die Antwort darauf gab Clesio De Carvalho (LG Steinlach-Zollern) in der Diskus-Konkurrenz. Die ersten zwei Versuche ungültig, der dritte auf 55,32 Meter, um dann in der vierten Runde seine persönliche Bestleistung auf 62,17 Meter zu steigern. „Der dritte war ein Sicherheitswurf, um im Wettkampf zu bleiben. Ich habe ein paar technische Probleme wie schon die ganze Saison über. Deswegen war ich umso glücklicher, als ich im vierten Versuch den Versuch hatte, den ich haben wollte und auch gebraucht habe“, sagte der neue Deutsche U18-Meister, der am Samstag noch mit der Kugel in den Ring steigen wird. Einen weiteren 60-Meter-Wurf gab es von John-Christian Schochardt (SC Neubrandenburg), der sich in der zweiten Runde auf 60,44 Meter verbessern konnte und Silber holte. Der Jahresbeste Lance Listner (LAC Erdgas Chemnitz) erreichte mit 59,51 Metern den Bronzerang.
Erst einmal war Paul Euskirchen (Eintracht Hildesheim) über 2.000 Meter Hindernis bisher unter der Sechs-Minuten-Marke geblieben. Das war Mitte Mai in Leipzig mit 5:59,17 Minuten. Nun kam ein weiteres Rennen mit einer Zeit unter dieser Marke hinzu. Lag das Feld auf den ersten vier Runden noch eng beieinander, begann auf der letzten Runde der Kampf um die Positionen. Das beste Finish hatte der Jahresbeste Paul Euskirchen, der in 5:59,49 Minuten zum Meistertitel lief. „Ich bin übertrieben glücklich. Es gab nichts, worauf ich länger hingearbeitet habe. Ich habe seit einem Jahr nur das im Kopf und jetzt hat es sich ausgezahlt“, sagte Paul Euskirchen, der sich damit auch das U18-EM-Ticket sicherte. Gefolgt von Emil Oppelt (LG Sempt), der in 6:00,09 Minuten zu Silber lief und ebenfalls unter dem geforderten Richtwert (6:03,00 min) blieb. Bronze ging an Erik Geisler (SC DHfK Leipzig; 6:00,33 min).
Phil Janitz veredelt Titel mit Bestleistung
Mit 7,50 Meter sprang Phil Janitz (Düsseldorfer Athletics) so weit wie noch nie. Im zweiten Versuch setzte er den ersten von zwei Sieben-Meter-Sprüngen in die Grube. Im fünften Versuch standen nochmals 7,13 Meter im Weitsprung-Protokoll. Mit der Tagesbestweite von 7,50 Meter ngewann er nicht nur den Meistertitel, sondern buchte zugleich das Ticket für die U18-EM. Auf den weiteren Plätzen glänzten drei weitere Weitspringer mit Sprüngen über die Sieben-Meter-Marke wie EM-Norm (7,10 m). Ebenfalls mit persönlicher Bestmarke beendete Felix Remmele (TV 1891 Bürstadt) mit 7,28 Metern die Konkurrenz als Zweiter. Bronze ging an Alexander Mann (TV Ochenbruck), der seinen Hausrekord auf 7,19 Meter steigerte.
Im letzten von drei Zeitläufen stürmte die 4x100-Meter-Staffel des LAC Berlin in 41,75 Sekunden zum Sieg. So schnell wie das Quartett mit Moritz Mittelstädt, Moritz, Tim Hannebauer, Finn Bengsch und Danilo Hübner war in diesem Sommer noch keine Vereinsstaffel unterwegs. Ebenfalls noch unter 42 Sekunden blieb das Quartett von Eintracht Duisburg mit Simon Pancherz, Lars Fischer, Mats Altenrath und dem Jahresschnellsten über 100 Meter sowie Schlussläufer Fabian Wüst in 41,89 Sekunden.
Tausendstel-Krimi in der Staffel
Spannend der Kampf um Bronze, den das Quartett des SC DHfK Leipzig mit Maximilian Hanke, Jeremy Dante Weilandt, Paul Vogel und Noa Maximilian Schreiner in einem Kopf-an-Kopf-Rennen im ersten Zeitlauf mit den Staffeln des TSV Bayer 04 Leverkusen (42,06 sec) und der StG Team Sachsen-Anhalt (42,08 sec) in 42,06 Sekunden hauchdünn für sich entschied. Das Leverkusener Quartett Jelvis Frempong, Allen Cole, Marik Julian Scholz und Julian Löcher verpasste Bronze nur um vier Tausendstel.
Alexander Schwarz (ASV Erfurt) hat seine erst bei den Landesmeisterschaften in Arnstadt aufgestellte Bestzeit im 5.000 Meter Bahngehen nochmals unterboten. Er durfte sich in 21:50,31 Minuten über den Deutschen Meistertitel freuen. Obendrauf gab es noch das EM-Ticket für Rieti. „Wir sind schon sehr zügig angegangen, aber Valentin [Kräling] hat das schon sehr, sehr stark gemacht. Auf den letzten fünf Runden habe ich mein Herz in die Hand genommen“, sagte der 15-Jährige, der die familiäre Unterstützung von der Tribüne auf der Bahn spürte und sich dankbar zeigte. Auf Rang zwei folgte Valentin Kräling (TSV Bayer 04 Leverkusen) in 22:03,86 Minuten. Dritter wurde Paul Alberto Gutierrez Müller (Erfurter LAC; 24:20,69 min). In der Jugend U20 siegte Felix Aßmus (Erfurter LAC) in 24:34,41 Minuten vor Jakob Kellen (Diezer TSK Oranien; 25:30,87 min).