Mehr als zehn Stunden Leichtathletik live: Der zweite Tag der Deutschen U16- und U20-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid hat es in sich. Hier lesen Sie, welche Athletinnen und Athleten sich am Samstag bei den Entscheidungen um Titel und U20-WM-Tickets durchgesetzt haben.
| WEIBLICHE U20 |
Wenn Mut belohnt wird – so könnte der Titel zum Finale über 400 Meter lauten. Mit gleich fünf Athletinnen, die im Laufe der Saison bereits die U20-WM-Norm geknackt hatten, war auf dem Papier ein enges Rennen zu warten. Denn einen Einzelstart in Eugene es nur für die ersten beiden Sprinterinnen. Ihren Anspruch darauf wollte von Beginn an Vorjahressiegerin Luna Fischer (VfL Eintracht Hannover) anmelden. Mit einem engagierten Angang hatte sie sich bereits zur Hälfte mit einem beachtlichen Vorsprung vom Feld abgesetzt – doch konnte sie das Tempo auch bis ins Ziel halten?
Zwar musste sie auf den letzten 100 Metern sichtlich kämpfen und büßte ein wenig an Geschwindigkeit ein, dennoch gelang es ihr, den Angriff von Eni Kuske (TSV Zirndorf) abzuwehren. In 53,85 Sekunden verteidigte die Niedersächsin erfolgreich ihren Titel und sicherte sich zugleich das Ticket für ihre bereits vierte internationale Meisterschaft. Begleitet wird sie auf der Reise in die USA von Eli Kuske, die in 53,96 Sekunden Silber gewann. Platz drei ging an Ida Carlotta Schröder (Hamburger SV; 54,86 sec).
"Da ich auf Bahn sieben nicht so viel Orientierung hatte, habe ich einfach mein eigenes Rennen gemacht. Ich bin generell jemand, der Rennen schnell anläuft und deswegen dachte ich mir, dass ich das Finale mutig angehe und hinten raus schaue, was noch geht. Das war dann sehr hart, da das Rennen gestern für mich schon sehr anstrengend war. Das habe ich ein bisschen gespürt – auch die Anspannung, weil es um internationale Tickets ging. Aber 400 Meter sind immer hart. Jetzt freue ich mich riesig auf die WM und will mich dort nicht vor der internationalen Konkurrenz verstecken, sondern noch mal das letzte internationale Jugend-Highlight mitnehmen und mutig laufen. Einfach alles geben und schauen, für was es reicht", sagte Luna Fischer nach dem Finale.
Hallenmeisterin Emily Scherf sichert sich auch den Freilufttitel
Es war der erwartete Vierkampf um die Medaillen sowie die zwei verfügbaren WM-Tickets, die das Kugelstoßen dominierte. Und vielleicht war genau dies auch ein Grund dafür, dass sich die Favoritinnen auffällig viele Fehlversuche leisteten. Doch was zählen ungültige Stöße, wenn am Ende trotzdem eine gute Weite steht? Die trifft auch auf Emily Scherf (SC Neubrandenburg) zu, die zwar nur die ersten beiden Stöße gültig machte, beide jedoch für Gold gereicht hätten. Letztlich holte sie sich den Titel sowie das erste Ticket nach Eugene mit 16,76 Meter.
„Das war heute alles etwas anstrengend – auch weil es sehr heiß und ich die Woche über noch erkältet war. Ich bin glücklich, dass ich es geschafft habe, meinen Hallentitel auch im Freien zu verteidigen und besser gestoßen habe, als noch letztes Wochenende. Zwar bin ich mit der Weite nicht so ganz zufrieden, aber jetzt konzentriere ich mich auf die WM“, sagte Emily Scherf im Anschluss an den Wettkampf.
Nur eine gültige Weite brachte Anna-Maria Weber (VfB Stuttgart 1893) in die Ergebnisliste ein. Und lange sah es so aus, als ob ihre 15,01 Meter aus dem ersten Versuch erneut für Silber reichen – bereits am Freitag hatte sie im Diskuswerfen Platz zwei belegt. Doch dann entwickelte Antonia Heberle (TV Rottenburg) jene magische Energie, die nur in einer Meisterschaft möglich ist. In ihrem letzten Versuch schob sie sich noch an Weber vorbei und packte den besten Stoß ihrer noch jungen Karriere aus. 15,23 Meter bedeuteten nicht nur Bestleistung und Silber, sondern auch das Ticket zur U20-WM. Als Vierte das Nachsehen hatte indes Johanna Guggemoos (LG Stadtwerke München; 14,90 m).
| Männliche U20 |
Mit 19,75 Metern war Simon Kunkel (USC Mainz) auf dem Papier der klare Favorit im Kugelstoßen. Und dieser Rolle wurde der Mainzer vier Tage nach seinem 19. Geburtstag vollauf gerecht: Jeder seiner fünf gültigen Versuche hätte ihm den Titel beschert. Mit 18,87 Metern stieg er in den Wettkampf ein und packte in Runde vier noch zehn Zentimeter drauf. Dabei blieb es. "Das größte Ziel war es, das U20-WM-Ticket abzuhaken. Deutscher Meister zu werden, ist auch immer der Hammer. Die Weite ist nicht so der Hammer, aber ich hoffe, dass ich bei der WM mehr zeigen kann."
Der 19-Jährige traut sich noch deutlich größere Weiten zu. "Die letzten Einheiten im Training waren wirklich gut, auch das Einstoßen war besser. Im Wettkampf bin ich dann ein bisschen fest geworden", analysierte er. Zum souveränen Sieg vor Max Louis Emmrich (LV 90 Erzgebirge) reichte es dennoch. Der Deutsche U20-Meister im Diskuswurf stieß die Kugel im letzten Durchgang auf die neue Bestweite von 17,60 Metern. Bronze ergatterte, ebenfalls mit neuem Hausrekord, Lenny Dittmar (BIG Basketball in Gotha; 17,12 m).
PB gibt Rückenwind auf dem Weg zur U20-WM
Mit Bestzeit Selbstvertrauen für den Saisonhöhepunkt sammeln: Bereits als Favorit ins Finale über 400 Meter gestartet, zeigte Tjark Schult (LG Flensburg) ein durchweg starkes Rennen und ließ sich auch nicht von der Konkurrenz beeindrucken, die ihm eingangs der Zielgeraden noch dicht auf den Fersen war. Was zunächst nach einem spannenden Finish aussah, zeichnete sich etwa 30 Meter vor dem Ziel doch als souveräner Titelgewinn des Norddeutschen aus, der das beste Stehvermögen hatte und sich noch klar von seinen Verfolgern absetzen konnte.
Die für ihn gestoppten 47,06 Sekunden bedeuteten am Ende nicht nur Gold, sondern lagen auch deutlich unterhalb der geforderten Norm für die U20-WM, die er im Mai mit 47,39 Sekunden bereits erfüllt hatte. Im Sog des Siegers lief der Zweitplatzierte Amir Bilal Chaib Cuti (TSV Marktoberdorf; 47,48 sec) ebenfalls zu einer neuen Bestzeit. Michal Fatyga (SC Neubrandenburg) belohnte sich für seine Saisonbestzeit von 47,58 Sekunden mit Bronze.