| Bochum-Wattenscheid

DM am Samstag | Shanice Craft nach acht Jahren wieder auf dem obersten Podest

© Theo Kiefner
Acht Jahre ist es her, dass Diskuswerferin Shanice Craft zuletzt einen deutschen Meistertitel bejubeln durfte. Am Samstag war es im Lohrheidestadion wieder so weit. Dabei war die 33-Jährige mit einem großen Fragezeichen in den Wettkampf gegangen.
Svenja Sapper

DM 2026

Bis Samstag besaß Shanice Craft (SV Halle) mehr EM-Medaillen als deutsche Meistertitel. Bei Europameisterschaften hatte die 33-Jährige in den Jahren 2014, 2016 und 2018 jeweils Bronze gewonnen. Bei Deutschen Meisterschaften stand sie inmitten der starken Konkurrenz "nur" zweimal ganz oben: 2014 und 2018. Das änderte sich im Lohrheidestadion von Bochum-Wattenscheid. Und somit in dem Stadion, in dem sie 2012 ihre ersten Deutschen Meisterschaften bestritten hatte. Damals warf sie ihre Scheibe auf die Bestleistung von 62,92 Metern und wurde Vierte. 

Am Samstagnachmittag war nun Shanice Craft die erfahrene Athletin, die sich des Angriffs von Herausforderinnen wie Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt) und Joyce Oguama (TV Wattenscheid 01) erwehren musste. Doch noch behielten die routinierten Werferinnen die Oberhand. Die Hallenserin startete mit 63,54 Metern in den Wettkampf. Damit war sie von Anfang an hellwach, während sich die Konkurrenz anfangs noch schwertat. Im fünften Versuch war dann noch eine Steigerung fällig: Bis auf 66,18 Meter flog der Diskus. Damit packte Shanice Craft 15 Zentimeter auf ihre Saisonbestleistung drauf. 

Dass es so gut laufen würde, überraschte die 33-Jährige selbst. Denn immerhin hatte sie vor einer Woche den Wettkampf beim Diamond-League-Meeting in London (Großbritannien) mit Adduktorenproblemen nach dem ersten Wurf beenden müssen und seither die Scheibe nicht mehr in die Hand genommen. Am Samstag zeigte sich, dass sich der Körper der Hallenserin wieder gut erholt hat und sie auf hohem Niveau mithalten kann. "Es war alles gut, die Therapeuten haben hervorragende Arbeit geleistet", betonte sie. 

Nächstes Ziel: Medaille in Birmingham

Mit dem Sieg sicherte sich Shanice Craft auch das Ticket für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August). Die zweitplatzierte Kristin Pudenz (OSC Potsdam; 64,00 m) darf ebenfalls schon fest mit der Reise nach Großbritannien planen. Von den weiteren Normerfüllerinnen präsentierte sich im Lohrheidestadion Leia Braunagel am stärksten. Sie holte mit 63,15 Metern Bronze vor Lokalmatadorin Joyce Oguama (60,13 m). Die Jahresbeste und Titelverteidigerin Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) musste den Wettkampf nach zwei Versuchen abbrechen. 

Die Europameisterschaften haben in diesem Jahr einen besonderen Reiz. Denn die Kroatin Sandra Elkasevic, die von 2010 bis 2024 alle sieben EM-Titel abgeräumt hatte, verzichtet in diesem Jahr auf einen Start. Das eröffnet natürlich Chancen für die Konkurrenz. "Eigentlich bin ich in die Saison gegangen mit dem Ziel, Europameisterin zu werden", verriet Shanice Craft. "Aber die Niederländerin Jorinde van Klinken war in diesem Jahr sehr konstant auf hohem Niveau, da bin ich momentan noch nicht. Das Ziel bleibt aber eine Medaille", so die Hallenserin. Sollte dieses Unterfangen gelingen, wäre es ihre vierte EM-Medaille – womit sie dann wieder mehr EM-Medaillen als DM-Titel hätte. 

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