Der neue Deutsche Rekordhalter Emil Agyekum hat am Freitag bei der EM in Birmingham Silber über 400 Meter Hürden geholt. Es war die erste deutsche EM-Medaille auf dieser Strecke seit 1986. Eine Klasse für sich war mit mehr als einer Sekunde Vorsprung Weltrekordler Karsten Warholm. Auch Owe Fischer-Breiholz rannte um die Medaillen mit.
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Der Weltrekordler und Olympiasieger von 2021 hat seinen vierten EM-Titel in Folge geholt: Karsten Warholm (Norwegen) war in Birmingham (Großbritannien) über 400 Meter Hürden ein weiteres Mal eine Klasse für sich. Von Beginn an stürmte er dem Rest der Konkurrenz auf und davon, auf die Zielgerade bog er mit großem Vorsprung. Im Ziel war er nach 46,63 Sekunden – Meisterschaftsrekord, nur zwei Hundertstel fehlten zu seiner eigenen Weltjahresbestleistung.
Sein stärkster Konkurrent lief auf der Bahn rechts neben ihm. Und das war Emil Agyekum (SCC Berlin). Der neue Deutsche Rekordhalter konnte zwar bei schwierigen Windbedingungen nicht mit dem Weltrekordler mithalten. Und doch gelang ihm bei den Europameisterschaften Historisches: In 47,87 Sekunden holte er die erste deutsche EM-Medaille auf dieser Strecke seit 1986, als Harald Schmid in 48,65 Sekunden Europameister geworden war.
Die Entwicklung des 27-Jährigen, der in Frankfurt trainiert, ist eindrucksvoll und die EM-Medaille der verdiente Lohn dafür. Im vergangenen Jahr war Emil Agyekum bei der WM in Tokio (Japan) im Halbfinale und Finale erstmals unter 48 Sekunden geblieben, in diesem Jahr ließ er fünf weitere Zeiten unter dieser Marke folgen, darunter im Juli in London (Großbritannien) in 47,45 Sekunden der deutsche Rekord.
Owe-Fischer Breiholz überzeugt – und ist enttäuscht
Dass Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) nach einem fünften Platz bei seiner EM-Premiere tief enttäuscht das Stadion verließ, zeugt von dem großen Ehrgeiz und Selbstvertrauen des jungen U23-Europameisters. Vielleicht wird die Tatsache, dass in den vergangenen 40 Jahren außer Emil Agyekum kein deutscher Hürdenläufer bei Europameisterschaften besser platziert war, später ein wenig Trost spenden.
Auf der Zielgeraden sah es noch so aus, als könne Owe Fischer-Breiholz um die Bronzemedaille mitsprinten. Dann aber zogen Ismail Nezir (Türkei; 48,26 sec) und Oskar Edlund (Schweden; 48,36 sec) noch vorbei. In 48,56 Sekunden war das EM-Finale für den 22-jährigen Deutschen beendet.
Stimmen zum Wettbewerb:
Emil Agyekum (SCC Berlin):
Das war kein einfaches Rennen, aber es hat super viel Spaß gemacht. Ich denke, das ist der Anfang von noch viel mehr Möglichkeiten, die mir bevorstehen. Das war mein Ziel dieses Jahr. Ich habe jetzt schon viele Ziele erreicht, die ich mir gesteckt habe: den 13er Rhythmus bis zur achten Hürde zu laufen, eine EM-Medaille anzugreifen, den deutschen Rekord zu brechen. Das war bis jetzt eine super Saison, aber sie ist noch nicht vorbei. Das ISTAF steht noch bevor, die Ultimate Championships stehen noch bevor. Ich bin einfach dankbar. Dass ich jetzt PB nach PB laufe, hat mich schon überrascht. Das Training hat es zwar gezeigt, aber es ist ein besonderes Gefühl, wenn man dann auch abliefert, wenn es wirklich drauf ankommt. Karsten Warholm war relativ schnell neben mir, ich habe alles gegeben um dranzubleiben, aber es hat nicht gereicht, das war auf jeden Fall ein kleiner Dämpfer. Aber ich bin als Zweiter angereist und als Zweiter angekommen, bei so einer Meisterschaft ist es das, was zählt.
Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV):
Wenn ich in fünf Minuten noch mal laufen würde, wäre das schneller als das gerade. In diesem Lauf waren etliche Fehler dabei. Es ist super traurig für mich, dass das heute passieren musste. Das war einfach ein Flüchtigkeitsfehler nach dem anderen. Das enttäuscht mich zutiefst, weil ich weiß, was in mir steckt. Die Saison ist noch nicht vorbei und ich werde weitere Rennen machen, bei denen ich mich beweisen will. Heute war aber der wichtigste Wettkampf des Jahres für mich. Und da nicht mal ansatzweise ein gutes Rennen zu haben tut einfach weh. Selbst mit einem soliden Rennen hätte ich heute eine Medaille gewinnen können. Das verstehe ich einfach nicht.