Julia Ulbricht hat bei ihrem ersten EM-Finale der Frauen überraschend Silber im Speerwurf gewonnen. Die Deutsche Meisterin setzte gleich im ersten Versuch mit 61,53 Metern die entscheidende Marke und musste sich nur Rio-Olympiasiegerin Sara Kolak geschlagen geben. Luisa Tremel belegte bei anspruchsvollen Windverhältnissen Rang zwölf.
EM 2026 Birmingham Zeitplan LIve-Ergebnisse Livestream
Gegenwind und schwierige Bedingungen begleiteten das Speerwurf-Finale der Frauen am letzten Abend der Europameisterschaften in Birmingham. Julia Ulbricht (1. LAV Rostock) ließ sich davon zunächst wenig beeindrucken. Die Deutsche Meisterin erwischte einen Einstand nach Maß und warf den Speer direkt im ersten Versuch auf 61,53 Meter. Nur fünf Zentimeter fehlten zu ihrer persönlichen Bestleistung, nach dem ersten Durchgang lag die 25-Jährige damit auf Rang zwei.
Die Führung übernahm Sara Kolak (Kroatien). Die Olympiasiegerin von 2016 setzte sich ebenfalls gleich im ersten Versuch mit 62,43 Metern an die Spitze des Feldes und untermauerte diese Leistung im weiteren Verlauf mit insgesamt drei Würfen über die 60-Meter-Marke. Julia Ulbricht behauptete dahinter weiterhin Rang zwei. Der zweite Versuch geriet mit 56,14 Metern zu hoch, im dritten kippte der Speer früh ab und Julia Ulbricht machte den Versuch ungültig.
Der erste Wurf reicht zu Silber
Auch in den folgenden Durchgängen gelang Julia Ulbricht keine Steigerung mehr. Doch die Konkurrenz mühte sich mit Ausnahme von Kolak und Adriana Vilagos (Serbien; 60,93 m) vergebens an der 60-Meter-Marke. Noch bevor die 25-Jährige zum sechsten und letzten Versuch anlief, stand fest: Silber war ihr nicht mehr zu nehmen. Am Ende blieb es bei den 61,53 Metern aus dem ersten Durchgang und Julia Ulbricht durfte sich über überraschendes EM-Silber freuen.
Bereits 2019 hatte die Rostockerin bei der U20-EM in Borås (Schweden) Silber gewonnen. Sieben Jahre später folgte nun die erste internationale Medaille bei den Erwachsenen. Gold ging an Sara Kolak, deren 62,43 Meter aus dem ersten Durchgang ebenfalls bis zum Ende Bestand hatten. Bronze sicherte sich nach zwei Silbermedaillen in den Jahren 2022 und 2024 Adriana Vilagoš.
Für Luisa Tremel (LG Stadtwerke München) endete das Finale nach drei Versuchen. Die 23-Jährige begann mit 53,19 Metern und sortierte sich zunächst auf Rang elf ein. Im zweiten Versuch kippte der Speer früh ab und landete bei 51,34 Metern. Den dritten Versuch setzte Luisa Tremel außerhalb des Sektors und machte ihn damit ungültig. Im weiteren Verlauf rutschte sie auf Rang zwölf zurück und verpasste damit den Endkampf der besten acht. Auch die Europameisterin von 2022 Elina Tzengko (Griechenland; 54,01 m) und die Beste der Qualifikation Leonie Hügli (Schweiz; 54,55 m) mussten nach dem Vorkampf die Segel streichen.
Stimmen zum Wettbewerb:
Julia Ulbricht (1. LAV Rostock):
„Ich habe es gehofft, aber nicht unbedingt damit gerechnet. Ich wusste, dass ich Bestleistung werfen kann und dass es ein spannender Wettkampf werden könnte. Der Gegenwind war nicht einfach, aber beim ersten Versuch ist es mir gut gelungen, den Speer sauber in den Wind zu stellen. Die anderen Versuche waren nicht gut, aber einer reicht eben auch. Ich bin sehr glücklich. In den vergangenen Jahren war ich öfter an dem Punkt, an dem ich überlegt habe, mit dem Sport aufzuhören. Am Ende habe ich weitergemacht, weil mir Speerwerfen Spaß macht und ich meinen Kindheitstraum weiterverfolgen möchte.“
Luisa Tremel (LG Stadtwerke München):
„Es war toll. Für mich ist das natürlich Wahnsinn - schon der Finaleinzug war etwas Besonderes, und das heute Abend vor vollem Stadion erleben zu dürfen, war super schön. Natürlich hätte ich gerne einen besseren Wettkampf gezeigt. Wir hatten deutlich Gegenwind, den man nutzen kann, wenn man den Speer sehr sauber trifft. Das fällt mir nicht immer leicht. Ich nehme aus dieser Meisterschaft vor allem mit, dass man Spaß haben und solche Momente genießen muss.“