Ein Kreis soll sich schließen: Im Februar holte Serina Riedel ihren ersten Deutschen Mehrkampftitel in der Halle. Ihre Sommersaison soll nach einigen Rückschlägen nun bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Hannover am Wochenende versöhnlich enden. Am besten natürlich mit dem deutschen Meistertitel.
Schon einmal stand Serina Riedel (SV Halle) im Erika-Fisch-Stadion in Hannover ganz oben auf dem Podest. Das war vor zwei Jahren. Damals noch in der U23. In diesem Jahr sind die Vorzeichen für die Siebenkämpferin ganz andere. Nach dem Fünfkampf-Titel unter dem Hallendach standen die Vorzeichen für einen erfolgreichen Sommer eigentlich gut. Dem schloss sich der erfolgreiche Abschluss ihrer Ausbildung bei der Bundespolizei an.
Auch die anschließenden Trainingslager in Südafrika und Kienbaum deuteten auf einen hoffnungsvollen Sommer hin. „Das sah wirklich alles sehr gut aus. Ich habe richtig gut trainieren können“, sagt die Dritte der U23-EM von 2025. Somit stand ihrem geplanten Auftakt in Neuwied eigentlich nichts im Wege. Nur wenige Tage zuvor bei einer Steigung im Training zog es ihr dann in den linken Oberschenkel rein, sie unterbrach das Training und ließ Luft dran. Einen Tag – und länger.
„Es hat nichts geholfen. Neuwied haben wir daraufhin abgesagt“, erklärt Serina Riedel, die daraufhin mit dem Redbull Athletikzentrum in Salzburg zusammenarbeitete, um die Ursache herauszufinden. „Ob CT oder MRT, es war nichts zu sehen. Es sah alles top aus. Wir fanden keine Erklärung, woher der Schmerz kam. Trotz der Behandlungen in Salzburg wurde es nicht besser.“ Umso mehr schmerzte die nächste Absage für das prestigeträchtige Mehrkampf-Meeting in Götzis (Österreich). Im Vorjahr hatte sie hier noch eine neue persönliche Bestleistung von 6.322 Punkten aufgestellt.
Rückschlag in Ratingen
So wie der Schmerz kam, verschwand er auch wieder. „Mit einmal war er weg“, zeigt sich Serina Riedel verwundert und zugleich erleichtert. Ihr nächster geplanter Wettkampf war das Mehrkampf-Meeting in Ratingen. Es war ihre letzte Chance, um noch auf den EM-Zug aufzuspringen. „Ich habe mich richtig gut gefühlt. Wenn alles gut gelaufen wäre, dann hätte es sicherlich mit der EM-Norm geklappt.“
Das Verhängnisvolle daran: die erste Disziplin. Im Hürdensprint strauchelte sie an der letzten Hürde und knickte mit dem rechten Fuß um. Etwas kurios stand am Ende sogar noch eine persönliche Bestzeit von 13,59 Sekunden im Protokoll. Der anschließende Hochsprung verlief mit 1,72 Metern im Rahmen. Sie kämpfte sich weiter durch. Im Kugelstoßen und über 200 Meter habe sie die Schmerzen im Fuß am meisten gespürt. Unweigerlich führte sie ihr Weg zu den Physios – es wurde behandelt mit Ultraschall und geklebt.
Schmerzhaft begann Tag zwei mit dem Weitsprung – ihrer Paradedisziplin. „Es ging gar nichts. Ich war einfach zu langsam“, erklärt die Vize-Weltmeisterin von 2022. Das Aus kam beim Einwerfen im Speerwurf. Sie passte schon gar nicht mehr in ihre Schuhe rein. Sie blickte zu ihrem Trainer Kai Dockhorn, dieser schüttelte nur mit dem Kopf und signalisierte: „Hör bitte auf“. Der nächste Rückschlag in dieser Saison. Die Enttäuschung saß in dem Moment richtig tief, die Chance auf das EM-Ticket war verstrichen.
Die Zeit wird kommen
Der Fuß hatte einiges abbekommen: Außenband gezerrt, Ferse geprellt und das Sprunggelenk verstaucht. Die nachfolgenden Tage und Wochen waren zermürbend, die Gedanken kreisten. Der Kopf voller Fragen – eine davon: „Warum ich dieses Jahr?“ Eine richtige Antwort fand sie darauf nicht. Stattdessen viele Tränen.
Dann gab es wiederum die Geschichten wie die von Vanessa Grimm (Königsteiner LV) und Sophie Weißenberg (TSV Bayer 04 Leverkusen), die Mut machen. Sophie Weißenberg begeisterte zuletzt als Fünfte bei den Europameisterschaften in Birmingham. „Das war schon cool zu sehen, wie sie in Götzis eine persönliche Bestleistung aufgestellt hat und sich da eindrucksvoll zurückgemeldet hat. Endlich ist sie wieder topfit, das freut mich wahnsinnig für sie“, sagt Serina Riedel, die mit ihren 23 Jahren noch sehr jung ist.
„Ich habe in den vergangenen Monaten oft gehört: Du bist noch jung und deine Zeit kommt noch.“ Sie wird kommen, das weiß Serina Riedel, die nach Wochen des Bangens und Hoffens mit alternativen Maßnahmen seit vier Wochen wieder voll trainieren kann.
Hochmotiviert für die Mehrkampf-DM
Umso zuversichtlicher ist sie nun für die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Hannover. Das oberste Ziel ist die PK-Norm von 6.100 Punkten. Darüber hinaus verfolgt sie noch einen anderen Plan: „Ich will Deutsche Meisterin werden. Ich bin es in der Halle geworden und habe den Anspruch, eine Medaille im besten Fall die goldene mit nach Hause zu nehmen.“
Sie weiß: Wenn die ersten beiden Disziplinen – sie nennt sie gern „die Zitterdisziplinen“ – mit sehr vielen Punkten beginnen, dann könnte am Ende sogar eine neue persönliche Bestmarke herausspringen. Sie kennt die Anlage in Hannover, auf der sie vor zwei Jahren in der U23 triumphiert hat. „Ich fühle mich gut, ich weiß, was ich kann.“ Und das möchte sie nun am kommenden Wochenende endlich zeigen und ihre schwierige Saison versöhnlich abschließen.
Danach beginnt ihre Off-Season. Für die Polizeimeisterin mit einem vierwöchigen Praktikum, das sie gern wieder im Hauptbahnhof in Halle/Saale machen möchte. „Ich war vor zwei Jahren schon mal dort. Mir gefiel es richtig gut, ich fühlte mich sehr gut aufgehoben und die Kollegen haben sich viel Zeit genommen.“ Darüber hinaus bleibt ihr sicherlich noch ein wenig Zeit für eine private Auszeit, wo sie nach einer schwierigen Saison wieder genügend Kraft und Energie für die Vorbereitung auf das neue Jahr tanken kann. Um da endlich wieder voll durchzustarten.
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