Von der M/W14 bis zu den Aktiven: Bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften werden am Wochenende deutsche Meistertitel in sechs Altersklassen vergeben. Schauplatz der Titeljagd ist wie schon 2023 und 2024 das Erika-Fisch-Stadion in Hannover.
Die Mehrkampf-Familie kehrt zurück nach Hannover: An diesem Wochenende werden im Erika-Fisch-Stadion rund 340 Athlet:innen in sechs Altersklassen um die deutschen Meistertitel kämpfen. Nach den Meisterschaften 2023 und 2024 ist die niedersächsische Landeshauptstadt damit bereits zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Gastgeberin der Mehrkampf-DM. Die Meistertitel werden bei den Erwachsenen sowie in den Altersklassen U23, U20, U18, M/W15 und M/W14 vergeben.
„Nach der gelungenen Ausrichtung in den letzten Jahren wird Hannover erneut für optimale Bedingungen sorgen. Dafür steht das Orga-Team des Leichtathletikverbandes Hannover-Stadt und des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes mit ganz vielen Unterstützer:innen“, ist sich Uwe Schünemann, Präsident des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes (NLV), sicher.
Marcel Meyer greift nach dem dritten Heimtitel
Besonders im Fokus steht der Hannoveraner Marcel Meyer, in diesem Jahr die Nummer vier der deutschen Bestenliste hinter den drei EM-Teilnehmern, die auf einen Start verzichten. Der Zehnkämpfer von Hannover 96 hat bereits 2023 und 2024 im Erika-Fisch-Stadion den deutschen Meistertitel gewonnen. Nun möchte der 25-Jährige, der sich im Juni beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen auf 8.261 Punkte gesteigert hat, vor heimischem Publikum an diese Erfolge anknüpfen. Am Samstag um 14:10 Uhr startet er mit dem 100-Meter-Sprint in den Zehnkampf.
Sein größter Herausforderer konnte ebenfalls in Ratingen überzeugen: Moritz Bartko. Der Potsdamer hat in seinem ersten Männer-Zehnkampf schon starke 8.180 Punkte erzielt und sich in seinem ersten U23-Jahr für einen Start bei den Männern entschieden. Der gleichaltrige Leon-Joel Clair (SV Halle), in Ratingen auf 7.881 Zähler verbessert, strebt hingegen den Titel in der U23 an und ist in dieser Altersklasse klarer Favorit – ebenso wie Vereinskollegin Anna Hinkelmann im U23-Siebenkampf. Auch bei den Frauen haben sich die beiden auf dem Papier besten U23-Athletinnen für einen Start in der Frauenklasse entschieden.
Vier 6.000-Punkte-Siebenkämpferinnen
Mit 6.216 Punkten hat Anna-Elisabeth Ehlers im Juni auf Teneriffa für einen Paukenschlag gesorgt. Für die Leverkusenerin war es der erste 6.000er überhaupt. In Ratingen legte sie mit 6.193 Punkten nach und qualifizierte sich in ihrer Paradedisziplin Hochsprung für die EM in Birmingham (Großbritannien). Wenn die Kräfte noch für einen weiteren Siebenkampf reichen, zählt die gerade 20-Jährige zu den Sieg-Aspirantinnen.
Auf den Fersen sind ihr jedoch ihre wurfstarke Vereinskameradin Marie Dehning (6.180 pt) und die ebenfalls erst 20 Jahre alte Emma Kaul (USC Mainz), die ihren Hausrekord sowohl in Götzis (6.104 pt) als auch in Ratingen (6.152 pt) nach oben schrauben konnte. Hinzu kommt eine Athletin, die zwar in diesem Jahr noch keinen Siebenkampf beenden konnte, aber in Bestform Titel-Anwärterin ist: Serina Riedel (SV Halle). Die U23-EM-Dritte musste in Ratingen nach dem Weitsprung verletzungsbedingt die Segel streichen, bringt aber mit 6.322 Punkten die stärkste Bestleistung aller gemeldeten Athletinnen mit.
Nach der ersten Disziplin dürfte jedoch eine Athletin in Führung gehen, die bislang keine nennenswerten Erfahrungen im Siebenkampf vorzuweisen hat: Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen). Die Hürden-Spezialistin ist amtierende Hallen-WM-Siebte und hat in diesem Jahr schon 12,84 Sekunden auf die Bahn gebracht. Als Deutschlands Nummer vier ist sie in ihrer Spezialdisziplin haarscharf am EM-Ticket vorbeigeschrammt. Anfang August hat sich die 24-Jährige mit einem Vierkampf in Gladbeck für die Mehrkampf-DM qualifiziert. Das Mehrkampf-Talent könnte ihr im Blut liegen: Ihr Vater Paul Meier war 1993 WM-Dritter im Zehnkampf.
Svea Funck sucht die Herausforderung
Der prominenteste Name in den Nachwuchs-Altersklassen gehört einer Niedersächsin: Svea Funck (TV Jahn Walsrode). Die 17-Jährige gewann im Juli in Rieti (Italien) mit DLV-U18-Bestleistung von 6.065 Punkten Silber bei der U18-EM. In Hannover stellt sich die EYOF-Siegerin des Vorjahres einer Herausforderung: Sie tritt nicht in der U18 an, sondern in der U20 – mit höheren Hürden und schwereren Wurfgewichten. Anfang Mai in Edemissen hat sie schon 5.460 Punkte erzielt und ist damit im Kampf um den Titel eine ernsthafte Herausforderin von U20-WM-Teilnehmerin Elenor Servatius (TSV Bayer 04 Leverkusen; PB 5.525 pt).
Ohne die haushohe Favoritin verspricht der U18-Siebenkampf eine gehörige Portion Spannung. Gute Karten im Kampf um den Titel hat sicherlich die zweite U18-EM-Teilnehmerin Elisabeth Nawroth (TSV Gomaringen; PB 5.562 pt). Auch die beiden Hallenserinnen Julia Malcharek (5.353 pt) und Giséle Grosser (PB 5.303 pt) sind zu beachten – ebenso wie die U18-EM-Vierte im Weitsprung Teresie Hess (SG Schorndorf 1846; 5.321 pt), die in der fünften Disziplin ihre Stärke ausspielen kann.
Im männlichen Nachwuchs sind keine Teilnehmer internationaler Nachwuchs-Meisterschaften gemeldet. Wohl aber mehrere Athleten, die mit erfüllten Normen aufgrund der starken innerdeutschen Konkurrenz den Saison-Höhepunkt verpassten und nun auf nationaler Ebene glänzen wollen. Dazu gehört David Kleinschrodt (LG Steinlach-Zollern; 7.349 pt), der als Ersatz-Starter bei der U20-WM nicht zum Zug kam. In der U18 ist Jakob Sand (TSV 1860 Ansbach) favorisiert. Der 16-Jährige wurde beim Qualifikationswettkampf in Filderstadt über 400 Meter disqualifiziert, stellte aber Ende Juli in Regensburg mit 7.126 Punkten sein Potenzial unter Beweis.