Die unabhängige Integritäts-Einheit (AIU) des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics hat am heutigen Donnerstag bekannt gegeben, dass die deutschen Diskuswerfer Henrik Janssen und Steven Richter gegen die Regularien ohne Dopingbezug der AIU verstoßen haben. Die Bewährungsstrafe aufgrund verbotener Wetten beträgt drei Monate.
Henrik Janssen (SC Magdeburg) und Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) hatten kleine Beträge auf Wettbewerbe außerhalb ihrer Disziplin bei der WM in Tokio gewettet und dadurch gegen den Integritätsnorm 3.3.4 des Integritätskodexes sowie die MSC-Regularien verstoßen.
Die AIU sanktionierte die Vergehen jeweils mit einer dreimonatigen Sperre, die durch die vollumfängliche Kooperation der Athleten mit der AIU für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem müssen beide ein E-Learning des IOC zur Prävention von Wettbewerbsmanipulation absolvieren.
Dr. Jörg Bügner: „Sportler stehen für Fehler ein“
DLV-Vorstand Dr. Jörg Bügner zur AIU-Entscheidung: „Selbstverständlich akzeptieren wir die Entscheidung der AIU – die Integrität des Sports steht für uns über allem. Dieser Vorgang trifft uns sehr, auch die beiden Athleten waren am Boden zerstört. In der Euphorie vor der WM haben sie nach eigener Aussage unbedachte Spaßwetten auf andere Disziplinen bei einem Online-Anbieter abgeschlossen. Kurz darauf erkannten sie ihren Fehler und versuchten sofort, die Wetten zurückzuziehen – leider ohne Erfolg. Dass sie den Vorfall anschließend nicht unmittelbar der Teamleitung gemeldet haben, ist ein weiterer schwerer Fehler, den sie zutiefst bereuen.“
Dr. Jörg Bügner ergänzt: „Nach Bekanntwerden in Tokio haben beide umgehend der AIU umfassend und transparent den Sachverhalt geschildert und alle Informationen vollumfänglich zur Verfügung gestellt. Die Sportler haben nach dieser schwerwiegenden Verfehlung Verantwortung übernommen, sie wissen um ihren Fehler, und sie stehen selbstkritisch dafür ein. Der DLV begrüßt die nun getroffene Maßnahme der AIU. Unsere Athletinnen und Athleten werden vor jeder internationalen Meisterschaft zum Thema Wettmanipulation umfangreich sensibilisiert. In Folge der Vorkommnisse wird der DLV seine Athletenvereinbarung anpassen und noch stärker für diese wichtige Thema sensibilisieren.“
Sportler zeigen Reue
Die Athleten äußerten sich ebenfalls zum abgeschlossenen Verfahren: „Wir haben uns im Precamp im TV gemeinsam die Wettbewerbe in Tokio angeschaut und spontan aus einer Laune heraus ein paar Wetten platziert. Was für ein idiotischer Blödsinn! Diese fünf Minuten bereuen wir extrem“, erklärt Henrik Janssen.
Steven Richter ergänzt: „Wir haben blöderweise die Athletenvereinbarung nicht richtig gelesen, das war ganz klar unser Fehler. Wir dachten, wir dürfen nur nicht auf unsere Diskuswettbewerbe setzen. Als klar war, dass das falsch ist, haben wir versucht, die Wetten zu annullieren. Aber dies ging nicht mehr. Unser Verhalten war extrem dumm. Wir bereuen diesen Schritt und entschuldigen uns nur aufrichtig beim gesamten Team.“