| Interview der Woche

Marlene Meier: „Man muss bei der Hallen-DM mit mir rechnen“

Marlene Meier klatscht lachend in die Hände © Stefan Mayer
Die Hürdensprinterinnen Marlene Meier und Rosina Schneider feierten am Freitagabend beim Erfurt einen Doppelerfolg - und das erstmals mit Zeiten unter acht Sekunden in dieser Hallensaison. Marlene Meier erfüllte dabei erstmals in 7,97 Sekunden die Norm für die Hallen-WM in Torun (Polen; 20. bis 22. März). Nach diesem furiosen Rennen haben wir mit der 23-jährigen Leverkusenerin über ihre erfolgreiche Titelverteidigung, ihre Saisonziele und die weitere Hallenplanung gesprochen.
Sandra Arm

Marlene Meier, herzlichen Glückwunsch zu diesem grandiosen Rennen mit dieser fabelhaften Zeit von 7,97 Sekunden. Was diese Zeit auch das Ziel für diesen Wettkampf?

Marlene Meier:
Ja, ich habe mir auf jeden Fall die WM-Norm vorgenommen. Das Training am Dienstag lief schon richtig gut. Außerdem habe diese Woche viel auf Pause gesetzt, weil wir erst am Sonntag zuvor in Karlruhe gelaufen sind. Das war auch der Grund, weshalb ich nur eine Einheit unter der Woche absolviert habe. Die lief einfach super. Danach hatte ich schon ein super gutes Gefühl. Vor dem Wettkampf habe ich super geschlafen, und dann wusste ich, dass kann schnell werden.

Es hat sich bereits im Vorlauf angedeutet, dass es schnell werden kann – und dazu noch die bärenstarke Konkurrenz. Wie haben Sie Ihre beiden Rennen wahrgenommen?

Marlene Meier:
Ich habe ganz deutlich gemerkt, welche Fehler ich im Vorlauf gemacht habe. Es ist immer gut, wenn man dafür ein Gefühl entwickeln kann. Zumal du dann ganz genau weißt, was du im zweiten Lauf anders und auch besser machen kannst. Mit der Konkurrenz habe ich mir vor dem Finale gesagt: Jetzt voll durchpreschen – und dann kannst du die Norm laufen. Das hat super geklappt. 

Was hat im Finale dann besser funktioniert als im Vorlauf?

Marlene Meier:
Im Vorlauf habe ich die ersten beiden Hürden so ein bisschen abgewartet mit meinen Bewegungen. Ab Hürde drei habe ich erst so richtig angefangen zu treten. Vor dem Finale habe ich mir gesagt, ab der ersten Hürden sofort rein, total reintreten, schnell setzen – und das hat geklappt.

Die Halle in Erfurt scheint für Sie ein absolutes Glückspflaster zu sein. Sie haben bereits im Vorjahr hier gewonnen. Ein gutes Omen. Wie ist Ihr Gefühl?

Marlene Meier:
Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass es die gleiche Halle ist wie bei uns in Leverkusen. Sie ist, glaube ich, aus dem gleichen Modellkatalog. Nur die Farben sind ein wenig anders (lacht). Ich laufe total gern in Erfurt, weil bei diesem Meeting richtig gute deutsche Konkurrenz am Start ist, und das oft kurz vor den Deutschen Hallenmeisterschaften. So kann man sich im Vorfeld der Hallen-DM schon ein wenig in solch einem Feld messen, um zu sehen, wo stehe ich und was fehlt vielleicht noch.

Das Feld war absolut meisterschaftswürdig. 

Marlene Meier:
Ja, absolut. Bis auf ein, zwei Konkurrentinnen waren alle in Erfurt dabei, mit denen ich auch in zwei Wochen bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund [27. Februar bis 1. März; Anm. d. Red.] an den Start gehen werde. 

7,97 Sekunden: Zu Ihrem persönlichen Hausrekord fehlen nur fünf Hundertstelsekunden. Sehen Sie noch Steigerungspotenzial?

Marlene Meier:
Es war schon ein sehr gutes Rennen. Ich habe generell ein paar Rennen gebraucht, um warm zu werden. Ich glaube, dass ich jetzt erst warm geworden bin. Jetzt kann noch mehr gehen. Ich habe diesen Winter ganz anders – viel mehr und besser – trainiert als noch vor einem Jahr. Ich bin schneller geworden und habe bessere Kraftwerte. Von daher kann auf jeden Fall mehr kommen. Ob es klappt, liegt an mir und meinem Kopf. Es ist auf jeden Fall möglich.

Wie sah Ihr Wintertraining konkret aus?

Marlene Meier:
Wir haben am Umfang gearbeitet. Ich konnte ganz andere Intensitäten verkraften als vorher. Wir haben schon viel mehr längere Sachen gemacht, die mit Blick auf den Sommer interessant werden. Das waren längere Sachen, die ich vorher einfach nicht gemacht bzw. nicht vertragen habe. Da sind schon ganz gute Anpassungen passiert. Ich bin jetzt einfach fit. 

Waren Sie im Winter auch im Trainingslager? 

Marlene Meier:
Ich tatsächlich nicht, weil ich mit dem Studium an der Uni zu tun hatte. Deswegen bin ich in dieser Zeit erstmal zuhause geblieben. Jetzt sind gerade Semesterferien. 

Mit der Pause im Kopf kann man sicherlich auch befreiter auflaufen?

Marlene Meier:
Ja, total. Wenn man die großen Prüfungen geschrieben hat, dann hast du einfach den Platz im Kopf, an andere Sachen zu denken. Wie dir zu überlegen: Wie gehe ich in den nächsten Wettkampf? Was brauche ich noch? Was muss ich noch einkaufen? Wenn man vor den Prüfungen steht, ist dafür wenig Platz im Kopf. 

Wie sieht Ihr weiterer Hallen-Fahrplan aus?

Marlene Meier:
Ich starte kommenden Donnerstag beim Meeting Hauts-de-France Pas-de-Calais Trophée EDF in Liévin (Frankreich), einem Gold-Meeting mit super unfassbar guter Konkurrenz. Zum Beispiel mit der Schweizerin Ditaji Kambundji, einigen US-Amerikanerinnen und guten Europäerinnen. Danach folgen die Deutschen Hallenmeisterschaften, das ISTAF Indoor in Berlin [6. März; Anm. d. Red.] und dann hoffentlich die Hallen-WM in Torun. Sie ist fest eingeplant, wofür wir die Zeit laufen wollten.

Der deutsche Hürdensprint der Frauen zeigt sich erfrischend jung, erfolgreich und mitreißend. Einen kleinen DM-Vorgeschmack hat das Erfurt Indoor geboten. Was sind Ihre Ziele für die Deutschen Hallenmeisterschaften?

Marlene Meier:
Ich möchte natürlich meinen Titel verteidigen. Wir sind erneut in Dortmund, wo ich total gern laufe. Es gab für mich dort schon gute wie auch schlechte Rennen. Darum ist es für mich ein schöner neutraler Boden. Es ist natürlich immer aufregend, wenn man als Titelverteidigerin vorgestellt wird. Aber jetzt habe ich in Erfurt schon mal bei toller deutscher Konkurrenz gezeigt, dass ich immer noch vorn voll mit dabei bin und man auf jeden Fall mit mir rechnen muss. Wenn ich nach Torun möchte, die Zeit bin ich jetzt gelaufen, dann muss ich bei der Hallen-DM unter die ersten Zwei kommen – das ist das Ziel. 

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