Hürden-Spezialistin Rosina Schneider hat am Sonntag beim Internationalen Läufermeeting in Pliezhausen die Sprint-Konkurrenz über 80 und 150 Meter hinter sich gelassen. Über 300 Meter Hürden siegten Eileen Demes und Owe Fischer-Breiholz gleich zweimal. Weitsprung-Königin Malaika Mihambo stieg mit zwei Sprints in die Saison ein.
Über 80 und 150 Meter bot sich am Sonntag beim Internationalen Läufermeeting in Pliezhausen nach dem Zieleinlauf das gleiche Bild: Rosina Schneider (TV Sulz) staunte über sich selbst. Die eigentliche Hürdensprinterin konnte die Spezialistinnen auf der Flachdistanz in Schach halten. Über 80 Meter lag die 21-Jährige in 9,45 Sekunden vier Hundertstel vor Lisa Nippgen (VfB Stuttgart), die vor drei Jahren den Meetingrekord von 9,32 Sekunden aufgestellt hatte.
Noch knapper wurde es über 150 Meter: Hier entschieden im Duell mit Lisa Nippgen nur zwei Hundertstel zugunsten von Rosina Schneider, die mit 17,28 Sekunden siegte. „Ich bin wirklich überwältigt!“, staunte die frühere U20-Europameisterin. „Ich habe wirklich die letzten Wochen sehr, sehr gut trainiert und alles gegeben. Ich freue mich, dass es sich so auszahlt. Ich hoffe, dass ich ab nächster Woche auch in meiner Hauptdisziplin Gas geben kann!“ Anschließend brachte sie noch das 300-Meter-Rennen in 39,15 Sekunden zu Ende, es siegte die Rumänin Andrea Esanu-Miklos (37,90 sec).
Auch Weitsprung-Vize-Weltmeisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) stieg mit einem Test über 80 und 150 Meter ein, für sie wurden 9,67 beziehungsweise 17,93 Sekunden gestoppt. „Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht“, befand sie. „Ich merke aber auch, dass das Trainingslager noch nicht so lange her ist, das steckte mir noch ziemlich in den Knochen. Daher bin ich ohne Erwartungen hierhergekommen und wollte einfach Spaß haben. Ich habe gesehen, dass die Steigerung vom ersten zum zweiten Lauf da war, das ist das Wichtigste.“ Die WM-Dritte mit der 4x100-Meter-Staffel Sina Mayer (LAZ Zweibrücken) brachte 9,64 und 18,01 Sekunden auf die Bahn.
Eileen Demes und Owe Fischer-Breiholz doppelt im Einsatz
Über 300 Meter Hürden wurden wie im Vorjahr je ein Rennen nach internationalen Regularien (mit sieben Hürden und dem Finish im Ziel) und ein Rennen nach Pliezhausen-Tradition (mit acht Hürden und üblichem Startpunkt) angeboten. Die Siegerin und der Sieger waren jedoch in beiden Rennen jeweils dieselben: die Deutsche Meisterin Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) und der Deutsche Meister Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV). Beide trainieren in Frankfurt bei Christian Kupper.
Der U23-Europameister setzte sich zunächst im traditionellen Rennen mit 35,27 Sekunden durch. Damit war er schneller als der Schweizer Dany Brand (35,34 sec), der die erste Serie gewonnen hatte. In dessen Rennen blieb mit Maximilian Köhler (LG Region Karlsruhe; 35,98 sec) noch ein weiterer Langhürdler unter 36 Sekunden. Pliezhausen-Stammgast Joshua Abuaku (Eintracht Frankfurt) trat in beiden Serien an und bewies mit 36,44 beziehungsweise 36,45 Sekunden Konstanz.
Noch schneller wurde es, als Fischer-Breiholz und Brand im Rennen nach internationalen Regularien schließlich aufeinandertrafen: 34,80 Sekunden wurden für den DLV-Athleten gestoppt, auch Dany Brand konnte in 35,13 Sekunden noch eine Schippe drauflegen. „Es hat Spaß gemacht!“, bilanzierte Owe Fischer-Breiholz. „Ich habe im zweiten Lauf versucht, noch ein paar Dinge umzusetzen, die ich aus dem ersten Lauf mitgenommen habe. Zum Beispiel, dass ich die Hüfte weiter oben halte und dadurch eine bessere Hürde laufe. Eigentlich dachte ich, ich könnte den 13er-Rhythmus auch durchlaufen. Hinten habe ich jedoch gemerkt: Wenn ich das mache, riskiere ich etwas. Wenn ich den 14er laufe, bin ich sicherer.“
Hürden-Asse unangefochten
Auch Eileen Demes präsentierte sich souverän. Zuerst gewann sie das traditionelle Pliezhausen-Rennen in 39,16 Sekunden. Dabei wurde die Deutsche Meisterin von Vizemeisterin Elena Kelety (Frankfurt Athletics; 39,80 sec) gefordert. Fast gleich schnell legte Eileen Demes anschließend die 300 Meter Hürden nach internationalem Standard zurück: 39,20 Sekunden. „Es ist total anders, mit fünf Metern mehr mit viel mehr Speed auf die Hürde zuzulaufen“, verglich sie die beiden Rennen. „Aber es hat sehr gut geklappt. Auf der Zielgeraden hätte ich noch ein bisschen mutiger sein können. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich über acht Hürden schneller war als über sieben.“
Elena Kelety entschied sich statt für ein zweites Hürdenrennen noch für einen Test über 600 Meter. Hinter Andrea Esanu-Miklos (1:26,12 min), die auch die 300 Meter flach gewonnen hatte, wurde sie in 1:27,76 Minuten Zweite. Die drittbeste Zeit lief die Deutsche U20-Hallenmeisterin über 800 Meter Helena Guttke (Race Erfurt; 1:28,22 min). Über 3.000 Meter siegte Vera Petrykowski (Cologne Athletics) in 9:11,32 Minuten. 9:14,76 Minuten bescherten der drittplatzierten Julia Ehrle (LG farbtex Nordschwarzwald) in ihrem ersten 3.000-Meter-Rennen des Sommers die Norm für die U20-WM in Eugene (USA; 5. bis 9. August).
Über 1.000 Meter zog Lara Tortell (Athletics Team Karben; 2:40,75 min) mit einem starken Finish an der Schweizerin Lilly Nägeli (2:41,86 min) und 800-Meter-Hallenmeisterin Tanja Spill (TSV Bayer Dormagen; 2:42,77 min) vorbei. Hindernisspezialistin Adia Budde (LAV Stadtwerke Tübingen) wurde in 2:42,83 Minuten Vierte. Schnellste Hindernisläuferin über 2.000 Meter war die Portugiesin Laura Taborda (6:22,52 min).
Gelungener Sprint-Test für Luka Herden
Bei den Männern war sowohl über 80 (8,50 sec) als auch über 150 Meter (15,26 sec) Folawlyo Olaoye aus Nigeria am schnellsten, Weitsprung-Spezialist Luka Herden (LG Brillux Münster) wurde jeweils Zweiter. Auf der kürzeren Sprintdistanz wurden für ihn 8,72 Sekunden, auf der längeren 15,91 Sekunden gestoppt. Die 300 Meter flach entschied Vladimir Aceti aus Italien in 33,17 Sekunden für sich.
Über 600 Meter blieb der Türke Ömer Faruk Bozdag als Einziger unter 1:17,00 Minuten – um fünf Hundertstel. Auf der 1.000-Meter-Distanz lag mit Salih Teksöz (2:19,58 min) ebenfalls ein Türke vorn. Das Rennen über die längste Distanz, die 3.000 Meter, gewann ein Äthiopier im Trikot des SV Fun-Ball Dortelweil: Kefyalew Sileshi Kifle (7:58,28 min). Er hatte im Frühjahr bereits beim Paderborner Osterlauf triumphiert. Über 2.000 Meter Hindernis fiel sogar der Meetingrekord. Den holte sich der Pole Maciej Megier in 5:19,12 Minuten.
DLV-Talente jubeln über Normen
Grund zur Freude hatten auch einige DLV-Talente. Im B-Lauf über 3.000 Meter, den U20-EM-Teilnehmer Yannick Graf (TSV Gomaringen) in 8:14,31 Minuten gewann, hakten sowohl der zweitplatzierte Maximilian Rath (LG Stadtwerke München; 8:14,75 min) als auch Jonathan Albustin (8:15,78 min) auf Platz drei deutlich die Norm für die U18-EM in Rieti (Italien; 16. bis 19. Juli) ab. Gefordert waren 8:24,00 Minuten.
Gleich zweimal bekamen die DLV-Staffeln der U20 die Chance, ihr Zusammenspiel unter Wettkampfbedingungen zu erproben. In der männlichen Jugend blieben im ersten Lauf über 4x100 Meter sowohl die erste als auch die zweite Staffel unter der U20-WM-Norm von 40,75 Sekunden. Tyrese Stewart (TSV Amicitia Viernheim), Lennox Schmidt (SCC Berlin), Gianluca Wessendorf (TSV Bayer 04 Leverkusen) und U18-Europameister Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) waren mit 39,83 Sekunden sogar fast ebenso schnell wie bei U20-EM-Silber im Vorjahr. Im zweiten Lauf erfüllte erneut ein DLV-Quartett die U20-WM-Norm.
In der weiblichen Jugend wurde die U20-WM-Norm von 45,70 Sekunden ebenfalls dreimal unterboten. Die schnellste Zeit legten im zweiten Lauf Emma Goretzka (LAC Berlin), Anne Böcker (TSV Bayer 04 Leverkusen), Paula Springstein (Ostsee Sprint- und Laufteam Rostock) und Lena Anochili (Hamburger SV) hin. 44,42 Sekunden wurden gestoppt, den ersten Lauf in dieser Besetzung hatte das Quartett nach einem missglückten zweiten Wechsel noch nicht zu Ende gebracht.
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