| Interview

Robert Farken: „Eine Zeit unter 3:30 Minuten wird kommen“

Der deutsche Mittelstreckler Robert Farken führt mit goßem Vorsprung ein Rennen auf einer blauen Laufbahn an. © Theo Kiefner
Robert Farken ist der deutsche Dauer(b)renner auf der Mittelstrecke. Der 28-Jährige von der SG Motor Gohlis-Nord Leipzig startete in diesem Jahr bereits bei der Hallen-WM, der EM und dem Diamond-League-Finale. In den kommenden Wochen stehen für den WM-Sechsten noch die Ultimate Championships in Budapest und die Straßenlauf-WM in Kopenhagen an. Im Interview der Woche spricht der Deutsche Rekordhalter über 1.500 Meter über seine bisherige Saison, die Besonderheit der Ultimate Championships und erklärt, warum er mit 3:32-Minuten-Zeiten nicht mehr zufrieden ist.
Martin Neumann

Robert Farken, am Freitag sind Sie noch beim Diamond-League-Finale in Brüssel gestartet. Wo erwischen wir Sie zwei Tage später?

Robert Farken:
Zu Hause in Leipzig. Ich habe dieses Jahr das große Glück, dass der Höhepunkt mit der Europameisterschaft in Europa lag und auch die Vorbereitung darauf sowie die späten Saisonrennen alle im europäischen Diamond-League-Zirkus stattfanden. Dadurch konnte ich zu den Wettkämpfen immer wieder von zu Hause aus anreisen und danach ein paar Tage in der Heimat verbringen. So wohl ich mich in meiner Wahlheimat in den USA fühle, so schön ist es auch, Zeit zu Hause in Leipzig zu verbringen.

Ihre Saison ist noch lange nicht vorbei. Nach der EM und dem Diamond-League-Finale folgen noch die Ultimate Championships in Budapest und die Straßenlauf-WM in Kopenhagen. Können Sie einfach nicht vom schnellen Laufen lassen?

Robert Farken:
Ich habe mich jetzt zum zweiten Mal für ein Diamond-League-Finale qualifiziert und habe mich damit schon in der erweiterten Weltspitze festgebissen. Das ist natürlich auch ein schönes Feedback. Jetzt geht es Schlag auf Schlag weiter. Ich freue mich, dass ich mich für die Ultimate Championships qualifizieren konnte. Am Ende ging es bei der Qualifikation in der Weltrangliste um Stellen nach dem Komma. Das zeigt die große Dichte über 1.500 Meter. Die Straßenmeile in Kopenhagen wird erst meine zweite überhaupt sein. Der Fokus liegt zwar nicht darauf, aber es ist trotzdem eine WM. Deshalb gehe ich sehr motiviert an die Sache heran und freue mich darauf, ein sehr gutes Jahr mit einigen schönen Rennen abzuschließen. Der Saisonhöhepunkt war aber natürlich die EM in Birmingham.

Blicken wir nach Budapest: Das extrem hohe Preisgeld von 150.000 US-Dollar für den Sieger 75.000 US-Dollar für Platz zwei und 40.000 US-Dollar für Rang drei ist natürlich ein enormer Ansporn. Auf welche Art von Rennen stellen Sie sich kommendes Wochenende ein?

Robert Farken:
Ich finde es eigentlich angenehm, dass es kein typisches Diamond-League-Rennen mit Tempomachern wird. Hoffentlich sehen wir ein taktisches Rennen, das würde mir entgegenkommen. Klar sind die Preisgelder hoch, aber natürlich nach hinten sehr stark gestaffelt. Gold und Silber werden extrem schwer zu erreichen sein.

„Rechne in Budapest mit einem taktischen Rennen“

Beschäftigen Sie sich schon mit einem konkreten Rennverlauf oder einem für Sie optimalen Ergebnis?

Robert Farken:
Wenn jemand wie Meilen-Weltrekordler Josh Kerr am Start steht, beschäftigt man sich mit den ganz vorderen Platzierungen gar nicht erst zu sehr. Ich glaube schon, dass jemand relativ früh im Rennen offensiv wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es ein echtes Bummelrennen wird. Ich glaube nicht, dass wir für den Sieg etwas Langsameres als 3:40 Minuten sehen werden. Wahrscheinlich bewegt sich das Rennen eher im Bereich von 3:35 Minuten, so wie viele taktische internationale Rennen zuletzt. Darauf stelle ich mich aktuell ein. Die konkrete Taktik wird aber erst kurz vor dem Rennen festgelegt.

Eine Woche später geht es zur Straßenlauf-WM nach Kopenhagen. Welchen Stellenwert hat dieses Rennen für Sie?

Robert Farken:
Als ich den Termin im Kalender gesehen habe, habe ich ihn direkt markiert. Erstens ist es eine Weltmeisterschaft und zweitens etwas Neues. Eine Straßenmeile bin ich bisher erst einmal gelaufen. Außerdem glaube ich, dass es ein cooles Event wird. Für mich war deshalb direkt klar, dass ich versuchen werde, mich dafür zu qualifizieren. Ich empfinde das als eine schöne Abwechslung.

Wie unterscheiden sich 1.500-Meter-Rennen auf der Bahn von einer Meile auf der Straße?

Robert Farken:
Wie gesagt, meine Straßenerfahrung ist noch nicht so groß (lacht). Ich war erst einmal sehr überrascht, als ich die Meldeliste gesehen habe: 71 Leute. Ich weiß überhaupt nicht, wie das funktionieren soll. Man wird auf jeden Fall gut von der Startlinie wegkommen müssen, um nicht direkt den Anschluss zu verlieren. Außerdem fühlt sich ein hohes Tempo auf der Straße noch einmal anders an. Von der Fifth Avenue Mile 2024 in New York habe ich die Erinnerung, dass das richtig wehgetan hat. Es war wirklich extrem anstrengend. Vielleicht wird es diesmal aber auch taktisch und gar nicht so schnell. Das werden wir sehen.

„Habe mich im EM-Finale verbrannt“

Blicken wir noch einmal auf die bisherige Bahnsaison zurück. Sowohl bei der EM als auch beim Diamond-League-Finale sind Sie Neunter geworden. Warum hat es bei diesen Höhepunkten nicht ganz funktioniert?

Robert Farken:
Das EM-Finale war eines dieser Rennen, die man zehnmal laufen könnte und zehn verschiedene Ergebnisse bekäme. Das Niveau war extrem ausgeglichen. Viele von uns, mich eingeschlossen, haben sich daran verbrannt, auf jede Bewegung der Konkurrenz reagieren zu wollen, um die guten Positionen zu verteidigen. Auch wenn ich mir davon nichts kaufen kann: Die späteren Medaillengewinner konnte ich in Zürich und Berlin schlagen. Das zeigt mir zumindest, dass es nicht an der läuferischen Leistungsfähigkeit gelegen hat, sondern an der taktischen Umsetzung an diesem Tag.

Und wie schätzen Sie das Rennen in Brüssel ein?

Robert Farken:
In Brüssel war es ähnlich wie zuvor in Zürich. Ich ärgere mich darüber, dass ich mich im Rennen zu weit hinten positioniert habe. Das Niveau ist so hoch, dass selbst eine sehr gute Schlussrunde dann nicht mehr reicht, um weit nach vorn zu kommen. Ich habe dieses Jahr meine besten Rennen gemacht, wenn ich offensiv gelaufen bin und mich vorne einsortiert habe. Genau das habe ich in Zürich und Brüssel nicht geschafft. Darüber ärgere ich mich sehr. Aber es kommen noch zwei Rennen, in denen ich es besser machen kann.

„Die Aufgabenstellung in London war einfach“

Kommen wir zu einem Rennen, das besser lief: der Meile Mitte Juli in London. Dort sind Sie mit 3:46,82 Minuten Deutschen Rekord gelaufen und habe auch „im Vorbeilaufen“ die 1.500-Meter-Bestmarke auf 3:30,09 Minuten gesteigert. War London das bisher beste Rennen in Ihrer Karriere?

Robert Farken:
Vom Ergebnis und von der Zeit her sicherlich. Das lässt sich nicht abstreiten. Von der Aufgabenstellung her war es allerdings vergleichsweise einfach. Es ging schlicht darum, so schnell wie möglich anzulaufen und das Tempo bis ins Ziel aufrechtzuerhalten. Deshalb würde ich das persönlich nicht unbedingt als mein bestes Rennen bezeichnen. Das WM-Finale im vergangenen Jahr war noch einmal ein anderes Level.

Warum?

Robert Farken:
Damals bin ich mit einer ganz anderen Einstellung ins Rennen gegangen. Mein Ziel, ein globales Finale zu erreichen, hatte ich bereits erfüllt. Deshalb bin ich deutlich entspannter ins Rennen gegangen und nicht mit dem Gedanken, unbedingt gewinnen oder aufs Podium laufen zu müssen. Im Moment fehlt mir vielleicht noch etwas die Ruhe in Situationen, in denen ich mich weiter hinten im Feld befinde. Dann die Nerven zu behalten und auf den richtigen Moment zu warten, das ist etwas, woran ich noch arbeiten kann.

In London fehlte Ihnen exakt eine Zehntelsekunde für eine Zeit unter 3:30 Minuten. Ärgert Sie das rückblickend?

Robert Farken:
Ehrlich gesagt nicht. Ich glaube sogar, dass ich an diesem Tag in einem 1.500-Meter-Rennen deutlich unter 3:30 Minuten geblieben wäre. Vielleicht sogar unter 3:29 Minuten. Deshalb bin ich überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich unter 3:30 Minuten laufe. Ich denke nicht ständig darüber nach. Ein bisschen muss man sich für die kommenden Jahre ja auch noch offenlassen.

„Möchte mich weiter in der Weltspitze festsetzen“

Vergleicht man Ihren Top-Fünf-Schnitt der 1.500-Meter-Rennen in diesem Jahr waren Sie mit 3:31,80 Minuten rund sieben Zehntel schneller als 2025. Haben Sie in dieser Saison ein neues Leistungsniveau erreicht hast?

Robert Farken:
Auf jeden Fall. Vor allem in Rennen, die nicht optimal verlaufen, schaut man trotzdem auf die Uhr und sieht 3:31 oder 3:32 Minuten. Das ist natürlich ein gutes Zeichen. Auf der anderen Seite wächst mit dem höheren Niveau auch der eigene Anspruch. Früher hätte ich mich über solche Zeiten möglicherweise riesig gefreut. Heute bin ich mit solchen Ergebnissen teilweise unzufrieden. Die Grenzen verschieben sich einfach. Trotzdem ist es wichtig, die Entwicklung einzuordnen und auch stolz auf den Fortschritt zu sein. Jetzt geht es darum, die Dinge weiter so zu machen wie bisher und an einzelnen Stellschrauben zu arbeiten, um noch besser zu werden.

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?

Robert Farken:
Ich bin aktuell an einem Punkt angekommen, an dem ich mich für die ganz großen Rennen qualifiziere. Mein Ziel ist es, mich in den Top 12 der Welt weiter festzusetzen. Dazu gehört, die Bestzeiten weiter zu steigern, meine taktischen Möglichkeiten auszubauen und in Diamond-League-Rennen regelmäßiger weiter vorn ins Ziel zu laufen. Insgesamt möchte ich einfach weiterhin besser werden und ein vollkommenerer Läufer sein.

Top 10: Die zehn schnellsten 1.500-Meter-Rennen von Robert Farken

3:30,09 | London,18. Juli 2026 (+)
3:30,80 | Rom, 6. Juni 2025
3:31,30 | Zürich, 28. August 2025
3:31,73 | Berlin, 30. August 2026
3:32,10 | Rehlingen, 28. Mai 2023
3:32,11 | Brüssel, 4. September 2026
3:32,20 | Oslo, 30. Mai 2024
3:32,46 | Eugene, 4. Juli 2026 (+)
3:32,63 | Zürich, 27. August 2026
3:32,95 | Zürich, 5. September

(+) = Zeit erzielt als offizielle Zwischenzeit in einem Meilen-Rennen (1.609,34 m).

Mehr:
Tag 1 Diamond-League-Finale Brüssel

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