| Frankfurt-Marathon

Miriam Dattke und Simon Boch verpassen bei widrigen Bedingungen Olympia-Norm

© Theo Kiefner
Der Mut von Miriam Dattke und Simon Boch wurde beim Frankfurt-Marathon nicht belohnt. Das Regensburger Duo lag am Sonntag lange Zeit auf Kurs Olympia-Norm. Doch beide konnten bei widrigen Bedingungen das hohe Tempo nicht halten. Die Siege bei der 40. Auflage gingen mit Top-Zeiten an Brimin Misoi und Buzunesh Gudeta.
Martin Neumann / Jane Sichting

Die Strapazen der 42,195 Kilometer waren Miriam Dattke ins Gesicht geschrieben. Als die Regensburgerin am Sonntagmittag ins Ziel des 40. Mainova Frankfurt-Marathon auf dem roten Teppich in die Festhalle lief, huschte trotzdem ein kurzes Lächeln über ihr Gesicht. Zwar verpasste sie ihr großes Ziel, die Olympia-Norm von 2:26:50 Stunden zu unterbieten, als Elfte mit 2:28:12 Stunden, doch trotz massiver Probleme auf den letzten Kilometern zog sie durch und wurde in Frankfurt beste Deutsche.

Nach einer ersten Rennhälfte von 72:11 Minuten verlor die 25-Jährige auf der zweiten Streckenhälfte knapp vier Minuten. Ein Grund dafür waren am Sonntag die widrigen Wetterbedingungen mit böigem Wind und Nieselregen. So waren negative Splits, also eine schnellere zweite Rennhälfte, für fast alle Top-Läufer außer Reichweite. „Zunächst ist es super gelaufen. Aber auf den letzten Kilometern haben die Beine und der Bauch gekrampft. Dazu kamen Wind und Regen. Da war ich richtig durch“, sagte Miriam Dattke nach harten 42,195 Kilometern.

Buzunesh Gudeta verpasst Streckenrekord nur knapp

Eine Ausnahme war Buzunesh Gudeta. Die Äthiopierin beschleunigte auf der zweiten Rennhälfte und lief mit neuer Bestzeit von 2:19:27 Stunden als klare Siegerin ins Ziel. Damit verpasste sie den Streckenrekord von Valary Jemeli (Kenia) aus dem Jahr 2019 nur um 17 Sekunden. Dahinter folgten auf den Plätzen zwei bis neun gleich acht Kenianerinnen. Angeführt von Winfridah Moseti (2:20:55 h) und Sharon Arusho (2:22:07 h). „Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine solche Leistung bringen kann. Ich war noch nie so glücklich wie heute“, jubelte Buzunesh Gudeta nach dem Zieleinlauf. Die Äthiopierin feierte ihren Sieg mit einem Tanz in der Festhalle. Als zweitbeste Deutsche lief Svenja Ojstersek (LG Telis Finanz Regensburg) mit 2:39:40 Stunden auf Platz 18.

Das Rennen an der Männerspitze nahm einen ungewöhnlichen Verlauf. Schon wenige Meter nach der Halbmarathonmarke forcierte Brimin Misoi das Tempo. Dem Vorjahressieger aus Kenia konnte nur Guye Adola (Äthiopien) folgen. Selbst der letzte Tempomacher musste die Segel streichen. Die nächste Beschleunigung bei Kilometer 28 war dann auch für Guye Adola zu viel. Der Äthiopier fiel Meter um Meter zurück und wurde am Ende mit 2:07:44 Stunden Dritter.

Brimin Misoi als Solist zum Sieg

So war der Weg frei für Brimin Misoi. Der 34-Jährige lief den mit Abstand stärksten Marathon seiner Karriere und nach 2:04:53 Stunden jubelnd in der Frankfurter Festhalle ins Ziel. Seine Bestzeit von 2:06:11 Stunden – aufgestellt beim Sieg im Vorjahr – steigerte der Kenianer damit deutlich. Den zwölf Jahre alten Kursrekord von Wilson Kipsang verpasste der nun zweimalige Frankfurt-Sieger um 71 Sekunden.

Der Kenianer war 2011 mit 2:03:42 Stunden die damals zweitbeste Zeit der Geschichte gelaufen. Der heute 41-Jährige ist bis Januar 2024 wegen verpasster Dopingkontrollen gesperrt. Bis zur 35-Kilometer-Marke war der Streckenrekord nach einer ersten Rennhälfte von 61:38 Minuten noch in Reichweite. Doch auf den letzten Kilometern wurde Brimin Misoi etwas langsamer. Rang zwei sicherte sich Mulugeta Uma (Äthiopien) mit 2:06:47 Stunden. „Es ist ein großartiges Gefühl, hier zum zweiten Mal zu gewinnen. Ab Kilometer 35 war es sehr hart“, sagte der glückliche Sieger.

Das Wetter zieht Simon Boch den Stecker

Die widrigen Bedingungen bekam auch Simon Boch zu spüren. Bei Halbmarathon (63:59 min) und einer gleichmäßigen Pace von 3:02 Minuten pro Kilometer lief der Regensburger auf Kurs Olympia-Norm von 2:08:10 Stunden. Doch ab etwa 25 Kilometern konnte er das hohe Tempo nicht mehr halten. Aus Sekunden wurden am Ende einige Minuten. Nach 2:12:32 Stunden ging Simon Boch die letzten Schritte in der Festhalle ins Ziel und belegte Rang neun.

Die Enttäuschung über die verpasste Olympia-Norm war ihm dabei deutlich anzusehen. Im Ziel wurde Simon Boch direkt vom deutschen Marathonrekordler Amanal Petros (SCC Berlin) getröstet. „Es war heute nie richtig komfortabel. Irgendwann hat es meine Gruppe zerlegt und dann mich. Das Wetter hat mir den Stecker gezogen. Die letzten sieben, acht Kilometer bin ich nur noch nach Hause gelaufen, aber ich wollte nicht aussteigen. Es waren heute sehr lange 42 Kilometer“, sagte Simon Boch. Als zweitbester Deutscher wurde Julian Großkopf (LAZ Ludwigsburg) mit 2:21:14 Stunden 19.

Das Elite-Rennen von Frankfurt: Video-Zusammenfassung

Weitere Chancen für Miriam Dattke und Simon Boch

„Das war heute leider ein bitterer Tag. Miriam und Simon waren lange Zeit Richtung Olympia-Norm unterwegs. Doch dann haben Regen und Nässe dazu beigetragen, dass die Zeiten außer Reichweite gekommen sind. Das ist schade, denn sie haben unheimlich viel für dieses Rennen investiert. Aber sie sind noch jung, ihnen gehört die Zukunft im Marathon“, bilanzierte Marathon-Bundestrainer Matthias Kohls.

Miriam Dattke und Simon Boch hatten sich erst kurzfristig für einen Start in Frankfurt entschieden. Ursprünglich wollten sie Ende September in Berlin laufen, wurden aber in der Vorbereitung von hartnäckigen Erkältungen ausgebremst. Für das Frankfurter Jubiläumsrennen hatten 13.258 Läufer aus 115 Nationen gemeldet. Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, verzeichneten die Veranstalter 24.293 Athleten.

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

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