Mittelstreckler Robert Farken hat am Samstag seinen ersten globalen Titel gewonnen: Bei den "World Athletics Road Running Championships" in Kopenhagen triumphierte er über die Meile und ließ dabei auch Weltklasse-Konkurrenz hinter sich.
In seinem letzten Rennen der Freiluftsaison ist Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) der ganz große Coup gelungen! Bei der zweiten Ausgabe der Straßenlauf-Weltmeisterschaften, die an diesem Wochenende in Kopenhagen (Dänemark) ausgetragen werden, präsentierte sich der Leipziger im Rennen über die selten gelaufene Straßenmeile von Anfang an hellwach. Vom Antritt des US-Amerikaners Yared Nuguse, der sich sofort an die Spitze des 58-köpfigen Elitefeldes setzte, ließ er sich nicht verunsichern.
Nuguse, immerhin Olympia-Dritter über 1.500 Meter und Nordamerika-Rekordler über die Meile auf der Bahn, versuchte, sich von seinen Verfolgern zu lösen. Doch vor allem der Brite Jake Heyward ließ den US-Amerikaner nicht ziehen. Auch Robert Farken, der wie Nuguse in der Trainingsgruppe von Dathan Ritzenhein in Boulder, Colorado trainiert, blieb gemeinsam mit einer Reihe Konkurrenten dem Führenden auf den Fersen.
Robert Farken mit dem richtigen Timing
Rund 100 Meter vor dem Ziel machte der Leipziger ernst und schloss zu Yared Nuguse auf. Der US-Amerikaner konnte nicht mehr kontern. Und auch Jake Heyward fiel zurück. Robert Farken hingegen hatte sich seine Kräfte optimal eingeteilt und stürmte in 3:51,80 Minuten zum Titel. Nuguse belohnte sich in 3:52,33 Minuten mit Silber, Bronze schnappte sich mit einem starken Finish Ruben Querinjean, der in dieser Saison bereits als Vize-Europameister über 3.000 Meter Hindernis geglänzt hatte. Für den Luxemburger wurde mit 3:52,77 Minuten ein neuer nationaler Rekord notiert.
Deutsche Rekorde über die Meile führt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) auf der Straße nicht, im Stadion und in der Halle hat sich Robert Farken die Rekordmarken längst gesichert. Seine Siegzeit war die weltweit stärkste Zeit über die Straßenmeile in diesem Jahr und die zweitschnellste der Geschichte auf einer Rekord-konformen Strecke. Damit hat sich der Leipziger sein schönstes Geschenk zu seinem 29. Geburtstag bereits einen Tag im Voraus selbst bereitet – und am Sonntag doppelten Grund zum Feiern.
„Es ist überwältigend“
„Es ist überwältigend, hier die Goldmedaille gewonnen zu haben. Ich habe damit natürlich nicht gerechnet. Ein bisschen habe ich von einer Medaille geträumt – aber Gold, das ist natürlich sehr cool“, sagte Robert Farken, der vor einem Jahr bei der WM bereits einen starken sechsten Platz im 1.500-Meter-Finale belegt hatte. In diesem Jahr waren seine Rennen bei der EM in Birmingham (Großbritannien) und den Ultimate Championships in Budapest (Ungarn) nicht ganz nach Wunsch verlaufen. Jetzt nutzte Robert Farken in seinem letzten Saisonrennen seine Medaillen-Chance.
„Da ich mit Yared trainiere und hier in Kopenhagen auch zusammen mit ihm wohne, wusste ich schon was passieren würde: dass er schnell loslaufen würde. Ich war darauf vorbereitet und wusste, dass ich so dicht wie möglich an ihm dranbleiben muss“, sagte Robert Farken. „Es war eine Art Achterbahn-Saison für mich. Ich hatte einige gute Rennen, aber auch einige schlechte. Jetzt konnte ich die Saison auf einem Hoch beenden.“
Eine Überraschung gab es auch im Rennen der Frauen über die Meile: Hier gab es durch Agathe Guillemot ebenfalls einen europäischen Sieg. Die Französin lief 4:22,74 Minuten und verwies die favorisierte Freweyni Hailu auf Platz zwei. Die Äthiopierin war nach 4:24,35 im Ziel Minuten. Dritte wurde die Kenianerin Mirriam Cherop mit 4:25,71 Minuten.
Jakob Ingebrigtsen noch abgefangen
Das Fünf-Kilometer-Rennen begann ungewöhnlich, denn der Franzose Flavien Szot agierte offenbar als Tempomacher für seinen Landsmann Jimmy Gressier und ging nach zwei Kilometern aus dem Rennen. Gressier übernahm die Spitze, konnte sich jedoch nicht entscheidend absetzen und belegte am Ende Platz 14. Es war dann Mezgebu Sime, der an der Vier-Kilometer-Marke einen Tempovorstoß startete. Zunächst konnte nur Dawit Seare dem Äthiopier folgen, doch nach und nach arbeitete sich Jakob Ingebrigtsen an die Spitze.
Während Sime zurückfiel und später Siebter wurde, überholte der Norweger den Außenseiter Seare rund 200 Meter vor dem Ziel. Doch auch der 5.000-Meter-Olympiasieger hatte sich verschätzt. Ingebrigtsen wurde kurz vor dem Ziel deutlich langsamer, so dass Seare ihn 50 Meter vor der Ziellinie noch abfing und in 12:56 Minuten mit drei Sekunden Vorsprung gewann. Beide liefen nationale Rekordzeiten. Als Dritter folgte mit Saymon Amanuel ein weiterer Läufer aus Eritrea in 13:00 Minuten. Der viertplatzierte Ky Robinson (Australien) lief mit 13:04 Minuten einen Kontinentalrekord.
Einen souveränen Sieg der Favoritin gab es dagegen im Fünf-Kilometer-Rennen der Frauen. Die Äthiopierin Likina Amebaw dominierte das Geschehen praktisch vom Start bis ins Ziel. Lediglich im Mittelteil des Rennens hatte die Kenianerin Caroline Gitonga kurzzeitig die Führung übernommen. Als Amebaw dann bei vier Kilometern das Tempo anzog, war Gintonga geschlagen. Amebaw lief nach 14:41 Minuten ins Ziel, gefolgt von Gitonga (14:48 min) und der Australierin Rose Davies, die mit 14:50 Minuten einen Ozeanienrekord aufstellte. Als beste Europäerin lief Marta Garcia (Spanien) in 14:59 Minuten auf Platz sechs.
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