Kann Tigst Assefa den Berlin-Marathon ein weiteres Mal mit einem Weltrekord krönen? Vor drei Jahren hatte die Äthiopierin die Marke mit einer Zeit von 2:11:53 Stunden in neue Dimensionen geschoben. Doch in der Zwischenzeit steht die globale Bestzeit bei 2:09:56 Stunden. Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) will versuchen, den Deutschen Rekord anzugreifen. Diesen hatte Irina Mikitenko 2008 in Berlin mit 2:19:19 Stunden aufgestellt.
13 Weltrekorde wurden in der Geschichte des spektakulärsten deutschen Straßenlaufes bisher aufgestellt. Dies ist ein Rekord für sich, denn bei keinem anderen Marathon weltweit wurden derart viele globale Bestzeiten gebrochen. Tigst Assefa will nun Rekord Nummer 14 hinzufügen. Bei der Pressekonferenz hielt sich die 29-Jährige jedoch zurück.
Als das Wort „world record“ fiel, lächelte Tigst Assefa freudig, auf Amharisch antwortete sie dann mit Hilfe des Übersetzers: „Ich freue mich sehr, wieder auf der schnellen Strecke in Berlin laufen zu können und hoffe, dass ich meine Erfolgsgeschichte hier am Sonntag fortsetzen kann. Ich bin sehr gut vorbereitet und will meine Bestzeit unterbieten.“ Ihr persönlicher Rekord steht weiterhin bei 2:11:53 Stunden und ist nach wie vor auch der Berliner Streckenrekord. Mit dieser Zeit hätte sie in den 70er und 80er Jahren die ersten elf Ausgaben des Berlin-Marathons gewonnen – so stark ist die Entwicklung in der Frauen-Weltspitze.
Tigst Assefa trifft in Berlin unter anderen auf die Titelverteidigerin Rosemary Wanjiru. Die Kenianerin wird aber ein Weltrekordtempo nicht mitlaufen. Für sie geht es darum, ihre Bestzeit von 2:16:14 Stunden möglichst auf eine Zeit von unter 2:15:00 Stunden zu drücken. In einen solchen Bereich wollen auch die Äthiopierinnen Bedatu Hirpa (2:18:27 h), Dera Dida (2:18:32 h) und Zeineba Yimer (2:18:47 h) vordringen. Dida ist die Frau des Marathon-Olympiasiegers Tamirat Tola und eine Trainingspartnerin von Tigst Assefa. „Ich denke, wir werden in Berlin gute Leistungen zeigen“, sagte Dera Dida.
Esther Pfeiffer gegen Europameisterin
Die dritte Frauen-Gruppe im Rennen wird ein Tempo laufen, das auf eine Zielzeit von unter 2:20:00 Stunden hinausläuft. Eine solche Zeit strebt neben der finnischen Europameisterin Alisa Vainio (2:20:39 h), die trotz des kurzen Zeitabstandes zum EM-Rennen in Birmingham vom 16. August in Berlin startet, auch Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) an.
„Ich werde ein Tempo einschlagen, das auf den Deutschen Rekord hinausläuft. Das ist mein großes Ziel und die Jagd soll am Sonntag beginnen“, sagte die 29-Jährige, die bisher erst einen Marathon gelaufen ist: 2023 sicherte sie sich in Köln in 2:37:00 Stunden ohne besondere Konkurrenz den deutschen Meistertitel. Seitdem hat sich die Ehefrau des Marathonläufers Hendrik Pfeiffer, der am Sonntag ihr Tempomacher sein wird, auf den kürzeren Distanzen stark verbessert. Zuletzt lief sie beim Halbmarathon in Berlin im März 67:25 Minuten und danach steigerte sie sich über 10 Kilometer auf 30:45 Minuten.
„Ich denke, ich habe eine gute Ausgangsposition für den Marathon“, sagte Esther Pfeiffer. Ihre Halbmarathon-Leistung deutet darauf hin, dass sie sich über die 42,195 Kilometer um rund eine Viertelstunde verbessern kann. „Es ist schon sehr mutig, in diesem Rennen gleich den Deutschen Rekord anzugreifen. Aber es würde mich nicht überraschen, wenn Esther es schafft“, sagte Berlins Race-Direktor Mark Milde.Der Deutsche Rekord von Irina Mikitenko – 2:19:19 Stunden in Berlin 2008 – steht jetzt seit 18 Jahren.
Laura Hottenrott von Birmingham nach Berlin
Ebenso wie Alisa Vainio wagt auch Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics) den Start bei einem zweiten Marathon nur sechs Wochen nach dem EM-Rennen. In Birmingham erreichte die 34-Jährige, die eine Bestzeit von 2:24:32 Stunden aufweist, als beste deutsche Läuferin Platz 16. Mit Kristina Hendel (Marathon Team Berlin; 2:27:29 h) startet eine Athletin, die über Jahre hinweg immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Eine Newcomerin ist Anna Langerwisch (Marathon Team Berlin; 2:32:13 h). Der 25-Jährigen gelang der Sprung aus dem Hobbybereich in den Leistungssport. Sie könnte sich am Sonntag auf eine Zeit von unter 2:30:00 verbessern.
Insgesamt ist das Berliner Elitefeld der Frauen sehr stark besetzt. Sieben Läuferinnen mit Bestzeiten von unter 2:20:00 Stunden stehen auf der Startliste – mehr waren es noch nie. Die Rekordzahl von 13 Athletinnen weist persönliche Rekorde von unter 2:22:00 Stunden auf.
Eliteläuferinnen mit persönlichen Bestzeiten:
Tigst Assefa | ETH | 2:11:53 h
Rosemary Wanjiru | KEN | 2:16:14 h
Bedatu Hirpa | ETH | 2:18:27 h
Dera Dida | ETH | 2:18:32 h
Zeineba Yimer | ETH | 2:18:47 h
Misgane Alemayehu | ETH | 2:19:08 h
Bekelech Gudeta | ETH | 2:19:39 h
Evaline Chirchir | KEN | 2:20:33 h
Alisa Vainio | FIN | 2:20:39 h
Deshun Zhang | CHN | 2:20:53 h
Eebbisee Addunyaa | ETH | 2:21:13 h
Aminet Ahmed | ETH | 2:21:24 h
Rika Kaseda | JPN | 2:21:55 h
Mao Uesugi | JPN | 2:22:11 h
Pascaline Jelagat | KEN | 2:22:44 h
Manon Trapp | FRA | 2:23:38 h
Natsuki Omori | JPN | 2:23:45 h
Fatima Gardadi | MAR | 2:24:06 h
Laura Hottenrott | GER | 2:24:32 h
Kristina Hendel | GER | 2:27:29 h
Anna Langerwisch | GER | 2:32:13 h
Thea Heim | GER | 2:33:25 h
Esther Pfeiffer | GER | 2:37:00 h
Foto: Alisa Vainio, Dera Dida, Tigst Assefa, Rosemary Wanjiru und Manon Trapp (von links nach rechts) wollen am Sonntag in Berlin angreifen.
Eine Vorschau auf das Rennen der Männer folgt am Freitag!