Es sollte nicht sein: Bis Kilometer 40 sah es so aus, als könnte Tigst Assefa beim Berlin-Marathon den Weltrekord brechen. Doch muskuläre Probleme bremsten die Äthiopierin abrupt aus. Trotzdem lief sie 2:11:04 Stunden auf Rang drei der ewigen Weltbestenliste. Bei den Männern siegte Guye Adola. Als schnellste Deutsche liefen Anna Langerwisch und Haftom Welday ins Ziel.
Bis drei Kilometer vor dem Ziel sah es am Sonntagvormittag aus, als würde beim Berlin-Marathon der 14. Weltrekord des Rennens aufgestellt werden. Doch dann wurde Tigst Assefa (Äthiopien) plötzlich deutlich langsamer und absolvierte die letzten Kilometer deutlich humpelnd. Mit 2:11:04 Stunden lief die 29-Jährige die drittbeste Zeit der bisherigen Marathongeschichte und einen Berliner Streckenrekord. Doch da sie auf den letzten Kilometern rund 90 Sekunden verlor, war der Weltrekord von Ruth Chepngetich außer Reichweite.
Die Kenianerin war 2024 in Chicago 2:09:56 Stunden gelaufen und hatte den damaligen Weltrekord von Tigst Assefa (Äthiopien) gleich um zwei Minuten gesteigert. Allerdings wurde Ruth Chepngetich ein Jahr später für drei Jahre wegen Dopings gesperrt. Hinter der Siegerin folgten mit Respektabstand vier weitere Äthiopierinnen. Im Rennen um Rang zwei setzte sich auf der Zielgeraden hinter dem Brandenburger Tor Bedatu Hirpa mit 2:16:53 Stunden mit zwei Sekunden Vorsprung auf Dera Dida durch.
Anna Langerwisch beste Deutsche
Als beste Deutsche steigerte Anna Langerwisch (SCC Berlin) ihre Bestzeit um knapp fünf Minuten auf 2:27:31 Stunden. Damit belegte die Lokalmatadorin Rang 16. Auch ihre Teamkameradin Kristina Hendel blieb als 22. mit 2:29:48 Stunden unter der 2:30-Stunden-Marke. Anna Langerwisch ist die Aufsteigerin der deutschen Laufszene. Die 25-Jährige steigerte ihre Bestzeit innerhalb eines Jahres um 14 Minuten.
„Ich wollte unter 2:30 Stunden laufen, das hat geklappt. Im Rennen habe ich mich auf mein Gefühl und die Tempomacher verlassen. Ich wusste gar nicht, wie schnell ich eigentlich unterwegs war“, sagte Anna Langerwisch. Die erste Hälfte absolvierte die Berlinerin in 72:35 Minuten, die zweite in 74:56 Minuten.
Esther Pfeiffer muss Rennen früh beenden
Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) ging das Rennen mutig an und lief Richtung 2:19 Stunden. Damit wäre der Deutsche Rekord von Irina Mikitenko (TV Wattenscheid 01), die 2008 in Berlin 2:19:19 Stunden gelaufen war, in Reichweite gekommen. Doch die Düsseldorferin musste das Rennen schon kurz vor der 15-Kilometer-Marke aufgeben. Zuvor hatte sie sich länger mit ihrem Ehemann und Tempomacher Hendrik ausgetauscht. Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics) hatte aufgrund gesundheitlicher Probleme kurzfristig auf einen Start verzichtet.
Bei den Männern entwickelte sich ein spannendes Rennen. Denn nach der verletzungsbedingten Absage von Weltrekordler Sabastian Sawe (Kenia) war ein Weltrekord außer Reichweite, vielmehr stand am Sonntag das Rennen um den Sieg im Fokus. Die Vorentscheidung fiel kurz vor der 35-Kilometer-Marke. Dort konnte Guye Adola den entscheidenden Vorsprung vor seinen äthiopischen Landsleuten herauslaufen und sich absetzen.
Guye Adola siegt erneut mit Bestzeit
Bis zum Ziel kurz hinter dem Brandenburger Tor baute der 35-Jährige seinen Vorsprung weiter aus und siegte mit 2:02:51 Stunden zum zweiten Mal nach 2021. Seine 2017 in Berlin aufgestellte Bestleistung steigerte Guye Adola um 55 Sekunden. Auch Rang zwei ging nach Äthiopien. Gemechu Deriba kam nach 2:03:19 Stunden ins Ziel, das Podium komplettierte Gabriel Geay (Tansania) mit 2:03:59 Stunden. Die Plätze vier bis acht gingen ebenfalls an äthiopische Läufer.
Das Rennen um die Position des schnellsten Deutschen entschied Haftom Welday (TB Hamburg Eilbeck) für sich. Der 36-Jährige lief als 16. in 2:08:25 Stunden bis auf zwölf Sekunden an seine Bestzeit heran. „Ich bin super zufrieden, zumal ich in den letzten drei Wochen ein paar Probleme hatte. Klar war es hinten heraus schwer, aber ich bin zufriedener als bei meiner Bestzeit“, sagte Haftom Welday nach dem Rennen. Aaron Bienenfeld (Düsseldorf Athletics) war zunächst begleitet von 5.000-Meter-Vizeeuropameister Florian Bremm (Düsseldorf Athletics) vor dem Hamburger gelaufen. Doch am Ende musste er Haftom Welday ziehen lassen und wurde mit 2:09:18 Stunden 20. Vier Plätze dahinter kam Sebastian Hendel (SCC Berlin; 2:09:50 h) ins Ziel.
Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...
Foto: Tigst Assefa bei ihrem Sieg in Berlin 2023.
Der Beitrag wird im Laufe des Tages aktualisiert.