Nur vier andere Läuferinnen und Läufer waren je schneller: Der Kenianer Amos Kipruto und die Äthiopierin Hawi Feysa setzen beim Chicago-Marathon Ausrufezeichen. Hendrik Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) ging das Rennen mutig an, konnte das hohe Tempo auf dem letzten Streckendrittel aber nicht mehr halten.
Amos Kipruto und Hawi Feysa haben den Chicago-Marathon gewonnen und dabei absolute Weltklassezeiten erreicht. Der 34-jährige Kenianer Kipruto lief 2:01:09 Stunden und rückte damit auf Platz fünf in der Liste der bis heute schnellsten Läufer aller Zeiten. Auch der zweitplatzierte Äthiopier Tadese Takele lief mit 2:02:56 Stunden eine Spitzenzeit. Dritter wurde sein Landsmann Milkesa Mengesha (2:03:46 h). Titelverteidiger Jacob Kiplimo (Uganda) brach im letzten Teil des Rennens ein und wurde Vierter (2:04:18 h).
Nicht wie erhofft lief es für Hendrik Pfeiffer (Düsseldorf Athletics), der auf Platz 22 nach 2:10:17 Stunden im Ziel war und die avisierte persönliche Bestzeit deutlich verpasste. Seine Durchgangszeit bei der Halbmarathon-Marke lag bei 61:03 Minuten. Auf den letzten zehn Kilometern konnte der 33-Jährige sein Tempo, das sich noch bis zu Kilometer 25 zwischen 2:58 und 3:02 min/km bewegte, nicht mehr halten.
Gelungene Titelverteidigung von Hawi Feysa
Die fünftschnellste bis heute gelaufene Zeit erzielte auch Hawi Feysa. Die 27-jährige Titelverteidigerin aus Äthiopien gewann in 2:13:33 Stunden, nachdem sie sich erst auf dem letzten Kilometer von Sharon Lokedi gelöst hatte. Die Kenianerin wurde Zweite in 2:14:07 Stunden. Dies ist die neuntschnellste je gelaufene Zeit. Als Dritte folgte Brigid Kosgei (Kenia) mit 2:14:55 Stunden. Es ist das erste Mal, dass drei Läuferinnen in einem Rennen Zeiten von unter 2:15:00 Stunden erreichten. Gemessen an den beiden Siegzeiten, die zusammengerechnet 4:14:42 Stunden ergeben, war der Chicago-Marathon das fünftschnellste Rennen in der ewigen Bestenliste.
Die Männer liefen lange Zeit ein hohes Tempo, das im Bereich des Streckenrekordes lag, den der zwischenzeitlich verstorbene Kenianer Kelvin Kiptum vor drei Jahren mit 2:00:35 Stunden aufgestellt hatte. Frühzeitig bildete sich eine sechsköpfige Spitzengruppe mit dem Titelverteidiger und Topfavoriten Jacob Kiplimo, den Kenianern Amos Kipruto und Daniel Mateiko sowie den Äthiopiern Boki Diriba, Milkesa Mengesha und Tadese Takele. Diese Gruppe passierte die 10-Kilometer-Marke in 28:37 Minuten und den Halbmarathon dann in 60:21 Minuten.
Mengesha und Boki verloren dann als Erste den Kontakt und vor der 30-Kilometer-Marke konnten auch Mateiko und der zweimalige Tokio-Marathon-Sieger Takele nicht mehr mithalten. An der Spitze hatten Kiplimo und Kipruto das Tempo noch etwas erhöht, so dass die 30-Kilometer-Zwischenzeit von 85:28 Minuten sogar auf eine Zielzeit von knapp über der Zwei-Stunden-Barriere hindeutete. Doch der Titelverteidiger konnte die Geschwindigkeit nicht mehr halten. Nach 34 Kilometern löste sich Kipruto dann von Kiplimo, der in der Folge deutlich zurückfiel und am Ende als Vierter ins Ziel lief.
Amos Kipruto gewinnt mit Bestzeit
Der 34-jährige Kipruto gewann zum zweiten Mal ein Rennen der World Marathon Majors, nachdem er bereits 2022 in London triumphiert hatte. Im vergangenen Jahr gewann der Kenianer den Hamburg-Marathon mit einem Streckenrekord von 2:03:46 Stunden und in diesem Frühjahr war er Vierter in London (2:01:39 h). Diese Bestzeit steigerte er nun um eine halbe Minute auf 2:01:09 Stunden – es ist genau diese Zeit, mit der Eliud Kipchoge (Kenia) 2022 in Berlin einen Weltrekord aufgestellt hatte. „2024 war ich hier Dritter, im vergangenen Jahr dann Zweiter – jetzt war das Ziel klar: Ich wollte unbedingt gewinnen und eine persönliche Bestzeit laufen. Ich hatte eine perfekte Vorbereitung“, sagte Amos Kipruto.
Hendrik Pfeiffer hatte sich in diesem Frühjahr beim Boston-Marathon, dessen Strecke nicht rekordkonform ist, auf 2:06:34 Stunden verbessert. Zuvor war er im Dezember 2025 in Valencia 2:06:45 Stunden gelaufen. Ein Ergebnis unter 2:07:00 Stunden und möglichst eine persönliche Bestzeit waren das Ziel des 33-Jährigen. Entsprechend schnell ging Hendrik Pfeiffer das Rennen auf den ersten Kilometern an. Nach einer 10-Kilometer-Zwischenzeit von 29:44 Minuten erreichte er den Halbmarathon-Punkt nach 63:02 Minuten. Doch schon bald darauf konnte er das Tempo nicht mehr halten und bei Kilometer 30 (1:30:27 h) lag die erwartete Zielzeit bei rund 2:07:15 Stunden. In der Folge wurde Hendrik Pfeiffer deutlich langsamer und kam schließlich nach 2:10:17 Stunden als 22. ins Ziel.
Hawi Feysa gewinnt zum zweiten Mal in Folge
Ein sehr schnelles Anfangstempo schlugen im Rennen der Frauen die Titelverteidigerin Hawi Feysa und Brigid Kosgei ein. Die Kenianerin hatte den Chicago-Marathon 2019 in der damaligen Weltrekordzeit von 2:14:04 Stunden gewonnen. Die beiden Läuferinnen lagen an der 10-Kilometer-Marke mit einer Zwischenzeit von 31:04 Minuten bereits klar in Führung. Sie liefen zu diesem Zeitpunkt ein Tempo für eine Zielzeit von knapp über 2:11:00 Stunden. Kurz vor der 20-Kilometer-Marke schlossen die Kenianerinnen Sharon Lokedi und Loice Chemnung zu den beiden Führenden auf. Die Gruppe passierte dann den Halbmarathon in 66:06 Minuten.
Nach Kilometer 25 fiel dann zunächst Chemnung wieder zurück und kurz vor Kilometer 30 war es überraschend Kosgei, die nicht mehr mit Lokedi und Feysa mithalten konnte. Der Zweikampf zwischen der Boston-Siegerin Lokedi und der Titelverteidigerin Feysa setzte sich bis zum letzten Kilometer fort. Dann ging Hawi Feysa an der Kenianerin vorbei und lief noch zu einem deutlichen Sieg. Die Äthiopierin gewann zum dritten Mal in Folge einen großen Herbst-Marathon mit einer persönlichen Bestzeit: 2024 siegte sie in Frankfurt mit einem Streckenrekord von 2:17:25 Stunden, im vergangenen Jahr lief sie in Chicago 2:14:57 Stunden und nun verteidigte sie ihren Titel in Chicago mit 2:13:33 Stunden.
„Ich bin sehr froh, dass ich erneut gewinnen konnte. Nachdem der Tempomacher bei Kilometer 33 ausgestiegen war, wurde es ein Kampf. Aber ich dachte schon bei 35 km, dass ich gewinnen kann“, sagte Hawi Feysa, die in Addis Abeba zur Trainingsgruppe von Gemedu Dedefo gehört. Die Berlin-Marathon-Siegerin Tigst Assefa ist eine ihrer Trainingspartnerinnen.
Top-8-Ergebnisse
Männer:
1. Amos Kipruto (KEN) 2:01:09 h
2. Tadese Takele (ETH) 2:02:56 h
3. Milkesa Mengesha (ETH) 2:03:46 h
4. Jacob Kiplimo (UGA) 2:04:18 h
5. Boki Diriba (ETH) 2:05:01 h
6. Daniel Mateiko (KEN) 2:05:01 h
7. Clayton Young (USA) 2:05:23 h
8. Charles Hicks (USA) 2:05:35 h
...
22. Hendrik Pfeiffer (GER) 2:10:17 h
Frauen:
1. Hawi Feysa (ETH) 2:13:33 h
2. Sharon Lokedi (KEN) 2:14:07 h
3. Brigid Kosgei (KEN) 2:14:55 h
4. Mary Ngugi-Cooper (KEN) 2:17:23 h
5. Joan Kilimo (KEN) 2:18:39 h
6. Isobel Batt-Doyle (AUS) 2:20:38 h
7. Emma Hurley (USA) 2:20:47 h
8. Degitu Azimeraw (ETH) 2:20:59 h
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