Bei den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid im vergangenen Sommer haben neun Athletinnen und Athleten ihren ersten nationalen Titel in der Aktivenklasse gewonnen. Die meisten von ihnen stehen am Anfang ihrer Karriere, andere feierten den Erfolg nach schwierigen sportlichen Zeiten. Wir stellen alle vor, heute Stabhochspringer Marec Metzger (TSV Gräfelfing).
Marec Metzger
TSV Gräfelfing
Bestleistung:
Stabhochsprung: 5,60 m (2026)
Erfolge:
Deutscher Meister 2026
Ein Hechtbagger beim Beachvolleyball mit seiner damaligen Trainingsgruppe nach dem Saisonabschluss 2022 ist lange der prägendste Moment der Stabhochsprung-Karriere von Marec Metzger gewesen. Als U20-Athlet zog er sich dabei eine Verletzung an der Schulter zu, die ihn in den folgenden Jahren ausbremste. Dennoch setzte der 22-Jährige weiter auf den Leistungssport, arbeitete mit seinem Trainer Matthias Schimmelpfennig kontinuierlich weiter und kurierte die Probleme aus.
Was ohne Beschwerden möglich ist, zeigte sich 2026. Der Athlet vom TSV Gräfelfing startete mit einer Bestleistung ins neue Wettkampfjahr und überzeugte mit elf seiner bislang besten Wettkampfleistungen. In Hannover überraschte er als Deutscher Meister in der Männerklasse und steigerte seine Bestleistung bis auf 5,60 Meter. Selbst die EM-Teilnahme war im Visier, was zeigt, wo es in den kommenden Jahren hingehen soll: Zu internationalen Großereignissen.
Familienangelegenheit
In seiner Kindheit in Reutlingen war Leichtathletik eine Familienangelegenheit. „Meine fünf Geschwister und ich haben alle Leichtathletik gemacht, heute noch in den Nachwuchsklassen dabei sind mein jüngerer Bruder und meine jüngere Schwester“, erzählt Marec Metzger. Diese Wahl der Sportart ist auf Vater Ulrich Metzger zurückzuführen, selbst Mittelstreckler und später auch Trainer und Funktionär in verschiedenen Vereinen.
Als Ulrich Metzger beim LV Pliezhausen tätig war, begann Sohn Marec dort im Alter von sechs Jahren in der Kindergruppe zu trainieren. Dann folgte er seinem Vater zum TSV Gomaringen, wo dieser auch die sportliche Betreuung seines Sohnes als Trainer übernahm. Alle Disziplinen standen auf dem Programm und Marec Metzger zeigte breit gefächertes Talent. Das führte ihn zum Mehrkampf und an die nationale Spitze seiner Altersklasse. „In dieser Zeit habe ich meinen Ehrgeiz entdeckt. Seitdem jage ich das Gefühl von Titeln und Bestleistungen, was mir unglaublich Spaß macht.“
Vom Mehrkampf zum Stabhochsprung
Im Jahr 2019 sicherte sich der damalige M15-Athlet den Titel bei den Deutschen U16-Meisterschaften im Neunkampf (5.599 pt). Auch als U18-Athlet stand er als Dritter im Hallen-Siebenkampf und Zweiter im Zehnkampf auf dem DM-Treppchen seiner Altersklasse. Dennoch wollte sich der Nachwuchsathlet spezialisieren. „Die längeren Laufdisziplinen im Zehnkampf haben mir überhaupt keinen Spaß gemacht. Und wenn mit den 400 Metern der erste Tag mit einer Disziplin endet, vor der ich eher Angst hatte, und der zweite mit den 1.500 Metern auch, dann machen auch die Disziplinen davor weniger Spaß.“
Im Stabhochsprung fehlte zu diesem Zeitpunkt zwar die Konstanz. Mit 4,81 Metern hatte der damals 17-Jährige aber die Norm für die U18-EM erfüllt, die dann allerdings coronabedingt abgesagt wurde. Wichtigstes Argument war aber, dass ihm diese Disziplin die meiste Freude bereitete. Deshalb wechselte der bisherige Mehrkämpfer in die Stabhochsprunggruppe von Leo Lohre beim VfL Sindelfingen.
Schneller Aufstieg, unsanfter Fall
Die erste Saison nach diesem Wechsel ist wohl auch ein Grund, warum Marec Metzger die dann folgende Durststrecke in seiner Karriere durchgestanden hat. Denn das Jahr 2022 zeigte ihm, dass er ein echter Himmelsstürmer sein kann. In der Hallensaison meisterte der U20-Athlet erstmals 5,00 Meter, steigerte sich in der Freiluftsaison bis auf 5,30 Meter, holte den Titel bei der Jugend-DM und belegte bei der U20-WM in Cali (Kolumbien) den neunten Platz.
„Die U20-WM war ein unfassbar tolles Gesamterlebnis, mit Precamp in Florida. Das hat mir nochmal eine ganz neue Welt der Leichtathletik eröffnet und einen weiteren Motivationsschub gegeben.“
Nach diesem Erfolg kam es zu dem schon erwähnten, verhängnisvollen Beachvolleyball-Spiel. „Ich bin beim Hechten unglücklich mit der Schulter auf einem Sandhügel gelandet. Dabei wurde die Schulter leicht ausgehebelt. Seitdem hatte ich Stabilitätsprobleme. Das hat mich zwei Jahre lang begleitet und ist immer schlimmer geworden.“
Trotz Rückschlägen nicht aufgegeben
Obwohl die Schulter instabil war, qualifizierte sich Marec Metzger 2023 als Zweiter der Jugend-DM auch für die U20-EM in Jerusalem (Israel), wo allerdings schon in der Qualifikation Endstation war. Im Anschluss verließ er seine Heimat in Baden-Württemberg und wechselte zu Trainer Matthias Schimmelpfennig beim TSV Gräfelfing, um seine sportliche Karriere noch professioneller verfolgen zu können.
Mit 5,35 Metern gelang 2024 eine neue Bestleistung und Rang zwei bei der U23-DM. Da die Schulter aber immer noch Probleme machte, entschied sich das Duo für eine OP. „Dabei wurde eine Kapselraffung gemacht und meine Supraspinatussehne ist leicht angerissen gewesen.“ Die Heilung wurde von Physiotherapeuten am Olympiastützpunkt München begleitet. „Das war wirklich top und es wurde sichergestellt, dass ich langfristig keine Probleme mehr mit der Schulter habe.“
In der Sommersaison 2025 war die Rückkehr in den Wettkampf möglich, mit 5,07 Metern als Saisonbestleistung aber kein großer Höhenflug, was auch an einem Muskelfaserriss im Oberschenkel lag. Da der Stabhochspringer in dieser schwierigen Zeit auch seine Zugehörigkeit zum Bundeskader verlor, arbeitete er nebenbei im Schichtdienst in einem Supermarkt. „Das hat sich aber negativ auf das Training ausgewirkt, weil ich meist die Frühschicht hatte.“ Inzwischen bastelt Marec Metzger daran, sich als selbständiger Video-Editor etwas dazuzuverdienen. Eine große Unterstützung, wenn nötig auch in finanzieller Hinsicht, ist seine Familie. Außerdem ist zu Trainer Matthias Schimmelpfennig ein enges Vertrauensverhältnis gewachsen.
2026 wie aus einem Guss
Der Nachweis, dass sich die Beharrlichkeit gelohnt hat, kam in diesem Jahr. „Ich konnte seit dem vergangenen Herbst kontinuierlich durchtrainieren und somit kam die Entwicklung nicht überraschend.“ Bereits beim Jahresauftakt Anfang Januar übersprang Marec Metzger 5,30 Meter. Anfang Februar steigerte er seine Bestleistung auf 5,45 Meter. Bei der Hallen-DM meisterte er auch 5,50 Meter im ersten Versuch und gewann damit die Silbermedaille.
„Der Sport hat mir wieder richtig Spaß gemacht. Das Gefühl, wieder zeigen zu können, was man kann, beflügelt. Ich war in jedem Wettkampf motiviert und wollte vor allem mir selbst und meinem Coach zeigen, dass es sich gelohnt hat zu kämpfen.“
Der Blick richtete sich im Sommer auf die EM in Birmingham. Damit klappte es zwar nicht ganz. Dafür war Marec Metzger bei dem in die Innenstadt von Hannover ausgelagerten Stabhochsprung-Wettbewerb der DM mit 5,40 Metern der beste Athlet. Bei schwierigen Windbedingungen meisterte er diese Höhe im ersten Anlauf und sicherte sich seinen ersten nationalen Titel. „Das war ein tolles Gefühl, auch weil es unerwartet kam.“ Schon bei der U23-DM (5,32 m) hatte er ganz oben gestanden. Mitte August schraubte der Deutsche Meister seine Bestleistung in Zweibrücken dann noch auf 5,60 Meter, eine Höhe, die er sich als Saisonziel gesetzt hatte.
Basis für noch größere Höhenflüge
Seine Steigerungen und die daraus gewonnene Motivation sind die Grundlage, auf der die Vorbereitung auf das kommende Jahr begonnen hat. Im Anlauf noch etwas schneller zu werden und seine Technik am Stab weiter zu verfeinern, hat sich Marec Metzger vorgenommen. Im Hinterkopf ist ein Ziel, das viele Athletinnen und Athleten antreibt: Die Olympischen Spiele in Los Angeles (USA).
Der Aufsteiger will wieder das Nationaltrikot tragen. „Für mich und meinen Trainer steht fest: Wir haben große Ziele und wenn meine Entwicklung so weitergeht, sehen wir eine gute Möglichkeit, dass ich bei den großen Meisterschaften dabei sein kann.“
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Marec wurde über einen längeren Zeitraum von Verletzungen ausgebremst. Dieses Jahr hat gezeigt, was mit einer Vorbereitung ohne Einschränkungen möglich ist. Sein Potenzial hatte er schon vorher gezeigt. Mit seinem Trainer hat er gute Arbeit geleistet. Dass ihm dieser Schritt gelungen ist, freut mich. Eine große Überraschung war es aber nicht, schon eher der deutsche Meistertitel. Da ist er am besten mit den schwierigen Windbedingungen zurechtgekommen.
Marec ist in diesem Jahr in der Lage gewesen, mit längeren und härteren Stäben zu springen. An dieser Stelle kann noch mehr Vertrauen wachsen. Das braucht Zeit. In diesem Jahr hat noch bei dem ein oder anderen Wettkampf die Konstanz gefehlt. Die technischen Grundelemente stehen. Wenn er dann die Anlaufgeschwindigkeit etwas erhöhen und mit Speed und Entschlossenheit auf den letzten Metern in Einstich und Absprung gehen kann, sind noch größere Höhen drin. 5,60 Meter plus sind der nächste Schritt. Gelingt dies, kommt auch das Ziel Olympia 2028 in Reichweite.
Marec gehört zu den jüngeren Athleten, die nach vorne drängen und ins internationale Geschäft wollen. Unter diesen Athleten läuft ein Battle darum, die in den vergangenen Jahren an der nationalen Spitze Etablierten zu verdrängen. Diese Konkurrenz tut allen gut.