| Interview

Blanka Dörfel: "Die Faszination für den Marathon war schon immer da"

Blanka Dörfel laufend auf der nassen Straße mit Stirnband © Theo Kiefner
Ein bemerkenswertes Debüt: Bei ihrem ersten Rennen auf der Marathondistanz lief Blanka Dörfel in 2:20:46 Stunden auf Anhieb auf Platz zwei der ewigen deutschen Bestenliste. Der Deutsche Rekord von Irina Mikitenko von 2:19:19 Stunden ist für die 24-Jährige von Berlin Athletics nicht mehr weit entfernt. Gebremst wurde die 24-Jährige in Frankfurt von den Wetterbedingungen mit Regen und kühlen Temperaturen.
Wolfram Marx

Blanka Dörfel, herzlicher Glückwunsch zu diesem starken Debüt mit einer herausragenden Zeit von 2:20:46 Stunden und Platz zwei in der deutschen Bestenliste. Wie war das Rennen für Sie?

Blanka Dörfel:
Vielen Dank. Es war ein tolles Rennen, auch wenn es bei den kühlen Temperaturen nicht so einfach war, denn ich laufe gerne in der Wärme und bei Sonne. Ich wusste während des Rennens nicht genau, wo ich liege und wie schnell ich bin, denn ich laufe ohne Uhr und nach Gefühl.

Wenn Sie ohne Uhr laufen, liegt im Rennen vieles bei den Tempomachern. Wie war das, konnten Sie sich auf sie verlassen?

Blanka Dörfel:
Sie waren klasse, das hat genau gepasst. Ich musste auf nichts achten, nur auf die Nässe. Mein Trainer hat ihnen die Zeit gesagt, ich weiß, dass ich einfach mit ihnen laufen kann. Einer der beiden war Hideyuki Ikegami, ein Freund meines Trainers Dieter Hogen aus Japan, der früher bei ihm trainiert hat. 

Es war das Debüt. Gab es eine Zielzeit?

Blanka Dörfel:
Nein, gar keine. Ich wollte mit Gefühl loslaufen, es war dann ein Tempo von 3:20 Minuten pro Kilometer und es hat sich gut angefühlt. Bis Kilometer 25 waren wir in einer großen Gruppe, alle haben die Pace gemacht. Die Gruppe wurde dann kleiner. Das hat mich überrascht, bis 35 waren wir nur noch zu zweit.

Gab es Schwierigkeiten oder Tiefs während des Laufs?

Blanka Dörfel:
Die ersten zehn bis 15 Kilometer wollte ich in den Rhythmus kommen und es war so easy. Wir war in einer großen Gruppe unterwegs, das lief gut. Schwierig war es da nur wegen der Pfützen und dem Straßenbelag, da musste man aufpassen, dass man nicht rutscht. Aber ich war überrascht, dass ich mich so gut fühle, bis Halbmarathon war es super. Es war so easy, es war der Wahnsinn. Ich habe immer in Abschnitten von fünf Kilometern gedacht, das hat sehr gut geklappt. Härter wurde es dann bei Kilometer 33/34: Weil es so kühl war, konnte ich die Gels nicht mehr aus den Packungen quetschen. Schwer waren dann die letzten fünf Kilometer, da dachte ich, wir laufen eine Pace von fünf Minuten pro Kilometer. Es war kalt. Aber ich wollte unbedingt den Einlauf auf dem roten Teppich in der Festhalle erleben.

Waren die Temperaturen auf den letzten Kilometern entscheidend?

Blanka Dörfel:
Ja, es lag nicht am Marathon und der Distanz, mit der kam ich super klar. Ich gebe der Kälte die Schuld. So ein schlechtes Wetter hatte ich schon lange nicht mehr und kein Rennen bei so einem Wetter. Umso mehr bin ich fasziniert, dass es so gut geklappt hat. 

Sie sind ja nur knapp über der Grenze von 2:20 Stunden geblieben. Enttäuscht, dass es nicht gereicht hat, auch wenn Sie ohne Uhr laufen?

Blanka Dörfel:
Ich habe erst in der Halle die Anzeige mit 2:20 gesehen. Ich war kurz ein bisschen traurig, dass ich nicht unter 2:20 geblieben war. Aber ich bin zufrieden und happy, es war ein tolles Rennen. Ich weiß, dass beim nächsten Mal eine Zeit unter 2:20 Stunden möglich ist, vielleicht sogar unter 2:19.

Mit was für einer Zeit haben Sie denn nach dem Training gerechnet?

Blanka Dörfel:
Ich habe beim Halbmarathon in Mainz im Mai gesehen, was in Frankfurt möglich sein könnte. Das war cool. Wir waren die letzten zehn bis elf Wochen in Boulder, Das ist top für mich. Wir hatten bis zum letzten Tag über 30° und ich mag die Wärme. Es war meine beste Vorbereitung jemals und ich habe mich so gut gefühlt wie noch nie, das hat mich selbst erstaunt. Ich bin froh, dass mich mein Trainer so gut unterstützt hat und unterstützt. Ich bin ihm so dankbar.

Haben Sie mit dem Marathon Ihre Distanz gefunden?

Blanka Dörfel:
Ja, ich hatte den Marathon immer im Kopf, die Faszination war immer schon da. Ich habe immer gerne lange Läufe bis 30 Kilometer gemacht. Längere Einheiten können auch ruhig noch länger sein. Es gab im Training auch früher schon Wochen mit 170 Kilometern, auch mal mit über 200. Aber das Kilometerzählen ist nicht so wichtig. Ich habe mit Uta Pippig gesprochen und sie hat mir gute Tipps gegeben. Wichtig ist der Weg zum Ziel, es soll Spaß machen.

Und was ist für nächstes Jahr geplant? Ihr Trainer Dieter Hogen sagt immer, dass schnelle Unterdistanzzeiten eine entscheidende Grundlage sind. Gibt es eine Bahnsaison?

Blanka Dörfel:
Eine Bahnsaison laufe ich nicht. Aber ich will auf der Bahn schon noch einiges schaffen. Über 800 Meter will ich unter zwei Minuten laufen und über 5.000 Meter eine Zeit von unter 14:40 Minuten. Mein Trainer entscheidet, welches Rennen passt. Ich vertraue bei allem auf ihn. Wir haben ein so gutes Verhältnis, er ist immer an meiner Seite und wie ein Vater für mich. Ich bin auch heute zu 90 Prozent für ihn gelaufen, ich wollte, dass er zufrieden ist und ihn stolz machen.

Wie geht es denn jetzt direkt nach Frankfurt weiter?

Blanka Dörfel:
Jetzt erst mal ein kurzer Urlaub in der Wärme, aber noch keine konkreten Pläne.

Für nächstes Jahr planen Sie nur einzelne Bahnrennen. Ist dann der Marathon bei der WM in Peking ein Ziel?

Blanka Dörfel:
Die WM ist so weit weg, darüber denke ich nicht nach. Aber ein Ziel in der Zukunft sind die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028. Ich liebe die Wärme und dort ist es warm, das Wetter passt. Gute Bedingungen für mich.

Mehr: 
Grandioses Marathon-Debüt von Blanka Dörfel

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