| Interview

Lilli Schwarzkopf: „Der Siebenkampf, das bin ich“

Sie sorgte für die schönste Überraschung des Wochenendes. Lilli Schwarzkopf hat sich nach überstandenem Achillessehnenriss beim Erdgas Mehrkampf-Meeting in Ratingen eindrucksvoll an der deutschen Spitze zurückgemeldet. Im Interview spricht die Neu-Hannoveranerin über den fünftbesten Siebenkampf ihrer Karriere, ihre Rolle im deutschen Siebenkampf und den nötigen Mut, nicht aufzugeben.
Alexandra Neuhaus

Lilli Schwarzkopf ist wieder da. Würden Sie diese Aussage nach Ihrem Sieg in Ratingen unterschreiben?

Lilli Schwarzkopf:

Ich nicke dazu ganz vorsichtig, das muss jetzt erst mal etwas sacken. Aber ja, ich bin jetzt zwar richtig erschöpft, aber es fühlt sich unglaublich an, wieder zurück zu sein. Nach der Verletzung zurückzukommen, war nicht einfach und momentan bin ich auch selber noch mein größter Gegner. Die Selbstsicherheit, die ich früher hatte, die fehlt mir manchmal noch. Aber allein das Dranbleiben, trotz der Verletzung nicht aufzugeben, das fordert schon Mut.

Dieser Mut wurde am Wochenende in Ratingen belohnt. Mit 6.426 Punkten haben Sie den fünftbesten Siebenkampf Ihrer Karriere abgeliefert. War es Ihre Erfahrung, die Sie hier ausspielen konnten?

Lilli Schwarzkopf:

Ich schöpfe viel Kraft aus meiner Erfahrung, ganz klar. Man darf ja nicht vergessen, ich bin schon dreißig und damit für eine Siebenkämpferin in einem fortgeschrittenen Alter. Um mich herum sagen manche sogar, das sei alt, aber ich fühle mich nicht alt. Ich bin immer noch hungrig und mag mit dem Siebenkampf noch nicht aufhören. Der Siebenkampf, das bin ich.

Und der deutsche Siebenkampf, der braucht Sie. Das sagt auch Bundestrainer Wolfgang Kühne. Wie sehen Sie Ihre Rolle im deutschen Mehrkampf-Team?

Lilli Schwarzkopf:

Ich bin da jetzt die alte Dame, oder? Die neue Generation drückt ganz schön nach. Nehmen Sie etwa eine Carolin Schäfer. Mit ihren 22 Jahren. Sie stellt sich einfach auf die Bahn und macht. Ganz unbeschwert und frei im Kopf. Und da springen dann auf einmal 300 Punkte mehr raus. Das geht bei einem alten Hasen wie mir natürlich nicht mehr. Ich feile an allen Ecken und Enden und schaue, dass ich noch ein paar Pünktchen mehr herausholen kann. Vor zehn Jahren war das bei mir auch noch anders. Aber ich glaube, diese Kombination wird uns gut tun in Zürich. Und der Umbruch gehört in diesem Sport ja auch dazu.

In Ratingen war von einem Machtwechsel im Siebenkampf aber noch nichts zu spüren. Im Gegenteil. Nach diesem Wochenende stehen Sie wieder an der Spitze der deutschen Bestenliste. Stimmen Sie mir zu, wenn ich sage, dass Sie in den technischen Disziplinen schon wieder die alte Lilli Schwarzkopf sind, im Sprint aber nach der Verletzung noch ein Stück fehlt?

Lilli Schwarzkopf:

Zu hundert Prozent. Im Hochsprung bin ich ja sogar Bestleistung gesprungen, aber an den Sprints muss ich arbeiten. Schon vor der Verletzung waren das nie meine stärksten Disziplinen, weil ich schon immer Fußprobleme hatte, aber nach der langen Pause zucke ich über die Hürden und 200 Meter einfach noch nicht schnell genug. Das wird sich jetzt aber auch nicht von heute auf morgen ändern lassen. Ich muss da dran bleiben, an meiner Fitness arbeiten. Vielleicht auch durch den ein oder anderen kleinen Wettkampf noch vor Zürich, einfach um mich noch besser wieder in die Wettkampfsituation einzuarbeiten, aber da ist noch nichts spruchreif. Ich muss jetzt erst mal die nächsten Tage abwarten, wie es mir geht, und dann entscheiden, was sinnvoll ist.

Im Vergleich zu Ihrem ersten Siebenkampf nach dem Achillessehnenriss Anfang Juni in Götzis haben Sie sich in Ratingen um knapp 200 Punkte gesteigert. Wie vermessen ist es, in Zürich auf erneut 200 Punkte mehr zu hoffen?

Lilli Schwarzkopf:

200 Punkte wären natürlich schon schön. In Götzis ging es erstmal darum zu sehen, wo ich nach dieser langen Pause wirklich stehe. In Ratingen wollte ich in jeder Disziplin ein paar Punkte drauflegen, das muss ja nicht viel sein, aber das summiert sich dann. Und in Zürich werde ich das auch so machen. Da möchte ich drauflegen, gerne auch in den Sprintdisziplinen, auch wenn ich weiß, dass sechs Wochen keine lange Zeit sind. Aber es geht darum, gesund an den Start zu gehen und dann werde ich eine gute Leistung zeigen.

Video-Interview

<link video:10104>Lilli Schwarzkopf: "Musste erst wieder Gehen lernen"

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