| Gävle 2019

U23-EM: Sophie Weißenberg jubelt über die Silbermedaille

Nur eine war noch besser: Sophie Weißenberg hat mit der Silbermedaille im Siebenkampf der U23-EM von Gävle endgültig den Weg zurück zum Mehrkampf gefunden. Die einstige U20-Vize-Weltmeisterin im Weitsprung musste nur der Schweizerin Géraldine Ruckstuhl den Vortritt lassen. Vanessa Grimm schaffte es in die Top Ten.
Silke Bernhart

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Tag 2, Freitag, 12. Juli

800 Meter

Sophie Weißenberg: Silber gewonnen, nicht Gold verloren

Dranbleiben an Verfolgerin Géraldine Ruckstuhl, das war für Sophie Weißenberg die Vorgabe für die 800 Meter gewesen. Sie versuchte es –  aber die U18-Weltmeisterin von 2015 hatte die stärkere letzte Disziplin. In 2:12,05 Minuten stellte sie eine neue Bestzeit auf und konnte, noch im Ziel liegend, beim ersten Blick über die Schulter sehen, dass Sophie Weißenberg erst eingangs der Zielgerade war. Damit war klar: Géraldine Ruckstuhl (6.274 Pkt) ist die neue U23-Europameisterin im Siebenkampf! Voraus war die Belgierin Hanne Maudens (2:08,79 min) gerannt, sie errang Bronze (6.093 Pkt).

Sophie Weißenberg kämpfte sich nach 2:20,39 Minuten ins Ziel und machte damit den zweitbesten Siebenkampf ihrer Karriere sowie die Silbermedaille perfekt. Die Neubrandenburgerin sorgte für die erste deutsche U23-EM-Medaille im Siebenkampf seit 2013, als Kira Biesenbach mit 5.946 Punkten ebenfalls Zweite geworden war. Die letzte Deutsche, die bei diesen Titelkämpfen mehr Punkte im Siebenkampf gesammelt hat als Sophie Weißenberg, war 2007 die spätere Olympia-Zweite Lilli Schwarzkopf (6.196 Pkt).

Als Zehnte beendete Vanessa Grimm ihre Premiere auf der großen internationalen Bühne. In einen soliden Siebenkampf reihte sich ihre 800-Meter-Zeit von 2:20,45 Minuten ein, am Ende standen 5.649 Punkte und viele wertvolle Erfahrungen zu Buche.

STIMMEN ZUM WETTBEWERB

Sophie Weißenberg:
Das waren die härtesten zwei Tage, die ich je hatte! Ich habe mir vorgenommen dranzubleiben, aber nach einer Runde habe ich gemerkt, da geht gar nichts mehr. Ich habe Silber gewonnen, nicht Gold verloren! Schon der Siebenkampf in Götzis war geil, dass ich das dort miterleben durfte, aber so eine internationale Meisterschaft ist noch mal was ganz anderes. Ich bin so erleichtert, dass ich es hier mir selbst und allen anderen noch mal beweisen konnte.  Ich hatte vorher viele lange Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte. Mit meinen Eltern habe ich vorher wenig über den Wettkampf gesprochen, meine Mama [Heike Tischler, ehemalige Siebenkämpferin] hält sich raus. Aber vor den 800 Metern habe ich meinen Trainer Carsten Hodea angerufen, er ist auch hier, und ihm gesagt, dass er noch mal kommen soll, dann haben wir 20 Minuten geredet. Er meinte, er hätte schon mit meiner Mutter telefoniert und dass sie sich die 800 Meter gar nicht angucken kann. Es war für alle sehr emotional!

Vanessa Grimm:
Ich glaube, ich brauche erstmal ein paar Tage, um das alles hier zu verarbeiten. Es war eine ganz neue Erfahrung! Alleine das Gefühl, hier an den Start zu gehen, ist so motivierend! Heute Abend war das Stadion ja auch gut gefüllt. Ich habe gelernt, dass man sich noch mehr auf sich selbst fokussieren muss. Mein Siebenkampf war insgesamt recht ausgeglichen, überall hat ein bisschen was gefehlt, nur über den Hochsprung brauchen wir gar nicht zu reden. Aber es war ein richtig cooler Wettkampf, auch zusammen mit Sophie, das hat viel Spaß gemacht!

Speerwurf

Géraldine Ruckstuhl fordert Sophie Weißenberg

Spätestens mit der sechsten Disziplin ist das Duell um die Goldmedaille der U23-EM in Gävle eröffnet. Denn im Speerwurf schlug ein weiteres Mal die Stunde von Géraldine Ruckstuhl. Die Schweizerin, die mit 58,31 Metern sogar den Landesrekord hält, schickte den Speer auf 54,82 Meter und näherte sich in der Gesamtwertung bis auf 18 Zähler der Führenden Sophie Weißenberg an.

Die Neubrandenburgerin zeigte ebenfalls gute Würfe, weniger als ein Meter fehlte zur Bestmarke. 47,92 Meter waren gleichbedeutend mit der viertbesten Leistung, aber eben auch 134 Punkte weniger wert als der beste Versuch von Géraldine Ruckstuhl. Mit 5.357 und 5.339 Zählern sowie rund 200 Punkten Vorsprung auf die drittplatzierte Emma Oosterwegel (Niederlande; 5.146 Pkt) machen sie sich auf die abschließenden 800 Meter, dahinter lauern Sarah Lagger (Österreich; 5.122 Pkt) und Hanne Maudens (Belgien; 5.111 Pkt) auf ihre Medaillenchance. Die etwas besseren Karten über 800 Meter hat die Schweizerin, für Weißenberg heißt es: dranbleiben!

Auf dem Weg zu einer Platzierung in den Top Ten ist Vanessa Grimm (4.832 Pkt). Auch sie zeigte eine für sie gute Speerwurf-Leistung von 41,34 Metern. Jetzt gilt es, über 800 Meter Rang acht gegen mehrere nur knapp hinter ihr liegende Athletinnen zu verteidigen.

Weitsprung

Sophie Weißenberg lässt im Regen Punkte liegen

Tag zwei begrüßte die Siebenkämpferinnen mit empfindlich kühlen Temperaturen und Dauerregen. Keine guten Bedingungen für weite Sprünge, auch wenn sich der starke Wind des Vortages gelegt hatte und die Athletinnen zudem mit Anlauf in Richtung 100-Meter-Start überwiegend mit leichtem Rückenwind unterwegs waren.

So tat sich Sophie Weißenberg (SC Neubrandenburg) in ihrer eigentlichen Paradedisziplin schwer: Nur einmal landete die einstige U20-Vize-Weltmeisterin im Weitsprung jenseits der sechs Meter, mit 6,04 Metern fehlten ihr satte 34 Zentimeter zu ihrer Leistung von Götzis. Zwar kam nur eine Konkurrentin weiter – die Belgierin Hanne Maudens (6,22 m) schob sich hinter Weißenberg (4.537 Pkt) auf Rang zwei der Gesamtwertung nach vorne (4.494 Pkt). Doch auf der Jagd nach der WM-Norm (6.300 Pkt) erlitt die Neubrandenburgerin einen großen Dämpfer. Und sie muss im Kampf um den Titel weiter die Schweizerin Géraldine Ruckstuhl (5,87 m; 4.385 Pkt) fürchten, die eine hervorragende Speerwerferin ist.

Ordentliche Sprünge zeigte bei diesen Bedingungen Vanessa Grimm (Königsteiner LV), der mit 5,70 Metern die zehntbeste Leistung der Konkurrenz gelang. Nur einmal hat sie bisher die Sechs-Meter-Marke überboten, bei ihrem besten Siebenkampf im Juni in Bernhausen (6,08 m). In der Zwischenwertung (4.149 Pkt) konnte sich die Hessin sogar von Rang neun auf Rang sieben nach vorne arbeiten.

 

Tag 1, Donnerstag, 11. Juli

200 Meter

Halbzeit-Führung für Sophie Weißenberg

Schon in der letzten Disziplin des Tages durfte Sophie Weißenberg die gelbe Nummer der Führenden tragen. Am Freitag startet sie mit eben dieser Nummer in Tag zwei. Die Neubrandenburgerin rannte in 24,67 Sekunden die drittschnellste Zeit der Siebenkämpferinnen und hielt damit die zuvor zweit- und drittplatzierten Géraldine Ruckstuhl (25,22 sec) und Sarah Lagger (25,61 sec) auf Distanz.

Trotz der im Gegenwind verlorenen Punkte über die Hürden (-2,4 m/sec) und über 200 Meter (-1,6 m/sec) bleibt eine Siebenkampf-Bestleistung noch in Reichweite. Sophie Weißenberg hat nach vier Disziplinen 3.675 Punkte gesammelt, 34 weniger als in Götzis. Hinter der Deutschen, die sich ein Polster von 86 Punkten erarbeitet hat, schoben sich mit den schnellsten 200-Meter-Zeiten Adrianna Sulek (Polen; 3.589 Pkt) und Hanne Maudens (Belgien; 3.576 Pkt) auf die Ränge zwei und drei nach vorne.

In den Top Ten eines starken Feldes übernachtet Vanessa Grimm (3.380 Pkt). Nachdem alle vier Rennen beendet waren, stellte sich heraus, dass ihre 25,10 Sekunden aus dem ersten Lauf gleichbedeutend mit der sechstbesten Zeit waren. Bei ihrem ersten großen Einsatz mit der Nationalmannschaft behauptet sie sich als Neunte glänzend.

STIMMEN ZUM 1. TAG

Sophie Weißenberg:
Der Tag war insgesamt gut, auch wenn es natürlich blöd ist mit dem Gegenwind über die Hürden und über 200 Meter, da ist die Punktzahl nicht so gut. Wo ich im Feld liege, will ich eigentlich gar nicht so unbedingt mitkriegen. Als ich die gelbe Startnummer bekommen habe, dachte ich: Oh, gut zu wissen! Aber ich konzentriere mich lieber auf mich selbst und mache mein Ding. Im Hochsprung habe ich mir das Knie angeschlagen, meine Achillessehne tut auch ein bisschen weh – aber im Wettkampf merke ich zum Glück nichts davon.

Vanessa Grimm:
Es macht total Spaß, hier am Start zu sein, in so einem Weltklasse-Feld! Ich hatte heute Höhen und Tiefen. Beim Hochsprung hat mir das Gefühl gefehlt, mit den Hürden und dem Kugelstoßen bin ich zufrieden. Ich bin hier zum Lernen. Zu wissen, dass Europas Elite hier antritt und ich dabei bin, ist noch mal eine ganz neue Erfahrung.

Kugelstoßen

Starke Stöße befördern DLV-Duo weiter nach vorne

Gleich der erste Versuch saß. Sophie Weißenberg ließ die Kugel deutlich über die 14-Meter-Markierung segeln und hatte nach drei Disziplinen die erste Einzel-Bestleistung auf dem Konto. 14,18 Meter wurden gemessen, damit kam sie 16 Zentimeter weiter als in Götzis. Es war der drittbeste Stoß der Konkurrenz, der sie in der Zwischenwertung bis ganz an die Spitze des Feldes beförderte. Mit 2.758 Punkten hat sie nun fünf Zähler mehr auf dem Konto als auf dem Weg zu ihrer Siebenkampf-Bestleistung.

Auch Vanessa Grimm zählte zu den besten Kugelstoßerinnen im Feld. Ihre Weite: 13,79 Meter und damit Platz vier der Disziplinwertung. Erst einmal hat sie weiter als 14 Meter gestoßen, in ihrem besten Siebenkampf war die Kugel bei 13,43 Metern gelandet. Mit 2.502 Punkten arbeitete sich die 22-Jährige vor bis auf Rang 13.

Ein Befreiungsschlag gelang nach zwei für sie eher schwächeren Disziplinen der U20-Vize-Weltmeisterin Sarah Lagger. Die Österreicherin steigerte ihre Bestleistung um 81 Zentimeter auf 15,23 Meter und liegt nach drei Disziplinen nunmehr auf Rang drei (2.691 Pkt). Zwischen Weißenberg und Lagger hat sich Géraldine Ruckstuhl (2.708 Pkt) geschoben. Die Schweizerin war mit 14,58 Metern zweitbeste Kugelstoßerin.

Hochsprung

Mitfavoritin Ndama patzt, Weißenberg überzeugt

Über die Hürden hatte sie wegen des Windes einige Punkte liegengelassen. Im Hochsprung holte sich Sophie Weißenberg die Zähler wieder zurück! Die Neubrandenburgerin meisterte als eine von vier Athletinnen 1,82 Meter und sprang damit fünf Zentimeter höher als bei ihrer Siebenkampf-Bestleistung in Götzis. Dort hatte sie mit 6.293 Punkten die WM-Norm für Doha (Katar) nur um sieben Punkte verfehlt. In Gävle sortierte sie sich nach zwei Disziplinen auf Platz drei (1.952 Pkt) ein.

Beste Hochspringerinnen war die Schwedin Bianca Salming (1,88 m) und die Finnin Maria Huntington (1,85 m), die auch die zweibeste Hürden-Zeit (13,89 sec) erzielt hatte und  mit 2.035 Punkten die Führung übernahm. Auf Platz zwei liegt derzeit die Polin Adrianna Sulek (1.971 Pkt), die wie Sophie Weißenberg 1,82 Meter überwand.

Auf Anlage B nahmen sowohl Mitfavoritin Solène Ndama (Frankreich; PB 6.290 Pkt) als auch Vanessa Grimm Anlauf. Ein zufriedenstellendes Resultat konnten beide nicht erzielen, ärger traf es aber die Französin: Sie blieb bei ihrer Einstiegshöhe von 1,67 Metern ohne gültigen Versuch und ist raus aus dem Rennen um die Medaillen. Vanessa Grimm musste sich mit 1,64 Meter zufriedengeben, damit fehlten ihr sechs Zentimeter zur Hochsprung-Leistung von Bernhausen und gar zwölf zur Bestmarke. In der Zwischenwertung liegt sie nun auf Rang 20.

100 Meter Hürden

Sophie Weißenberg behauptet sich im Gegenwind

2,6 Meter pro Sekunde Gegenwind. Das erste Hürdenrennen im Siebenkampf ließ die Hoffnungen auf große Punktzahlen in die Ferne rücken. Etwas ungläubig und mit einem Kopfschütteln quittierten alle Athletinnen nach dem Lauf die Resultate auf der Anzeigetafel, die allesamt weit entfernt von ihrem eigentlichen Leistungsvermögen lagen.

Sophie Weißenberg (SC Neubrandenburg) zeigte unter diesen Umständen in 14,21 Sekunden eine gute Leistung, 48 Hundertstel über ihrer Bestzeit aus Götzis (Österreich) – insgesamt Platz neun nach der ersten Disziplin. Die schnellste Hürdensprinterin Solène Nadama (Frankreich) blieb in 13,38 Sekunden gar 61 Hundertstel über PB, setzte sich aber dennoch wie erwartet an die Spitze des Feldes.

Ebenfalls Gegenwind, aber nicht ganz so starken hatten die Athletinnen in den weiteren Rennen. Im dritten Lauf begannen die ersten internationalen Meisterschaften für Vanessa Grimm (Königsteiner LV) gleich mit zwei zurückgeschossenen Startversuchen. Dann aber gelang der Hessin bei -0,6 m/sec Wind ein guter Auftritt: 14,28 Sekunden, nur sieben Hundertstel langsamer als bei ihrer Siebenkampf-Bestleistung in Bernhausen (5.929 Pkt). Damit sortierte sie sich zunächst auf Platz 13 von 25 Teilnehmerinnen ein.

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