Endspurt im Lohrheidestadion: Am dritten Tag der Deutschen U18- und U23-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid werden die letzten Meistertitel und U18-EM-Tickets vergeben. Gut gerüstet für die Titelkämpfe in Rieti (Italien) zeigten sich am Sonntag vor allem 200-Meter-Sieger Timur Ilik und Hürdensprinterin Delisha Benelisa Domingos.
| WEIBLICHE U18 |
Diese Geste berührte: Als Delisha Benelisa Domingos (TuS Lichterfelde) nach ihrem Finalsieg über 100 Meter Hürden in pfeilschnellen 13,15 Sekunden in den Katakomben verschwand, führte sie ihr erster Weg zur Zweitplatzierten Thalia Rabe (TV Gladbeck 1912). Diese konnte es selbst kaum glauben, vergoss Tränen der Freude, dass sie zuvor in neuer Bestzeit von 13,44 Sekunden unter der EM-Norm von 13,75 Sekunden blieb. Delisha Benelisa Domingos ging zur ihr, gratulierte und sagte: „Das hast du dir verdient.“ Überzeugend ebenso der Auftritt der Jahresschnellsten, die sich nach dem Finale dankbar zeigte.
„Ich bin schon sehr zufrieden. Ich bin den Lauf nicht nur für mich gelaufen, sondern für meinen Freund, der hier auch gelaufen ist. Das hat mir schon viel bedeutet, weil das Jahr davor nicht so wirklich gut lief über die Hürden. Dass ich es jetzt wieder beweisen konnte, macht mich einfach glücklich. Ich bin dankbar für meine Religion, weil ich ganz fest an Gott glaube. Auch für meinen Trainer Christopher Montague und meine Mama, die mich die ganze Zeit massiert hat, und den Rest der Familie, die mich auf meinem Weg immer unterstützen“, sprudelte es aus der Hürdensprinterin heraus.
Bei den Spezialistinnen mischte Svea Funck (TV Jahn Walsrode) ganz vorn mit. Die Siebenkämpferin wurde in 13,58 Sekunden Dritte. Für eine der Favoritinnen Munachi Eze (LAC Quelle Fürth), die auch zu den EM-Kandidatinnen gezählt hatte, kam bereits im Vorlauf nach einem Fehlstart das bittere Aus.
Isabella Tikovsky vergießt Freudentränen
In den Katakomben des Stadions vergoss Isabella Tikovsky (LG Sempt) Tränen der Freude. Soeben hatte sie das Finale über 200 Meter in neuer Bestzeit von 24,31 Sekunden für sich entschieden. Im Kampf um den Meistertitel ging es auf den letzten Metern eng zu. „Ich habe dafür trainiert und habe es mir erhofft. Ich wusste, dass ich es schaffen kann. Der Wille gab den Ausschlag für den Sieg. Über die Zeit habe ich mich riesig gefreut“, sagte die Siegerin, die sich total auf das Saisonziel U18-EM fokussiert hatte. „Das war alles, was ich jemals schaffen wollte. Es ist einfach unglaublich.“
Als Siegerin mit erfüllter Norm [24,40 sec] buchte sie das EM-Ticket. Als Zweitplatzierte blieb die Siegerin vom Vortag über 100 Meter Lina Mühlenbrink (SC DHfK Leipzig) mit 24,38 Sekunden ebenfalls noch unter dem Richtwert. Dritte wurde Greta Linnea Rentzow (SV Medizin Schwerin) in 24,54 Sekunden.
Tessa Haacks überrascht über 400 Meter Hürden
Als Siebte der Jahresbestenliste war Tessa Haacks (SC Rönnau 74) über 400 Meter Hürden zu den nationalen Titelkämpfen angereist. Das Stadion verließ sie überraschend als neue Deutsche Meisterin mit dem EM-Ticket in der Tasche. Im Schlussspurt setzte sie sich in neuer Bestzeit von 60,44 Sekunden durch.
Die Vorlaufschnellste Lina Oberschachtsiek (SSF Bonn) und Victoria Keksel (Gothaer LAC) hatten sich eingangs der Zielgeraden in eine gute Position gebracht, ehe von hinten noch überraschend Tessa Haacks angestürmt kam, so dass sie Lina Oberschachtsiek und Victoria Keksel auf die weiteren Plätze in 60,51 und 60,59 Sekunden verwies. „Die Sieg kam für mich völlig überraschend. Ich hatte hinten raus einfach noch die Körner, um vorn anzugreifen. Die U18-EM-Norm [61,50 sec] hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Für mich ist es auch das erste Jahr in der U18“, sagte Tessa Haacks
Smilla Bauer (Erfurter LAC) setzte sich über 800 Meter vom ersten Meter an die Spitze des Feldes. Im Hinterkopf hatte sie immer noch die EM-Norm von 2:09,00 Minuten. Doch dafür war das Anfangstempo zu langsam, um hinten raus noch den Richtwert zu unterbieten. Zwar versuchte Smilla Bauer auf der Zielgerade noch den Angriff, aber ihre Zielzeit reichte mit 2:11,08 Minuten nicht mehr für das EM-Ticket. Dennoch durfte sie über den Meistertitel jubeln. Gefolgt von Ida Terhorst (VfL Löningen) in 2:11,35 Minuten. Bronze ging an Valerie Fehlandt (LAV Zeven) in 2:11,64 Minuten, die sich obendrein noch das EM-Ticket sicherte. In Karlsruhe lief sie Ende Mai 2:08,22 Minuten, damit deutlich schneller als die geforderte Norm.
Tami Forkel belohnt sich im letzten Versuch
Vier Speerwerferinnen hatten im Vorfeld der nationalen Titelkämpfe die EM-Norm von 49,00 Metern übertroffen. Der Kampf um die zwei EM-Tickets verlief anfangs etwas schleppend. So hatte sich zu Beginn Miranda Wolf (OWL Athletics) mit 47,23 Metern an die Spitze des Feldes gesetzt. Erst im Endkampf nahm der Wettkampf richtig an Fahrt auf. So war es zunächst Lena Sachse (TTL Ehrenfriedersdorf), die im fünften Versuch mit 47,34 Metern die Führung übernahm.
Der sechste und letzte Versuch brachte noch einmal richtig viel Spannung in die Konkurrenz. Nervenstärke bewies Tami Forkel (Hallesche Leichtathletik-Freunde), die mit neuer Bestleistung von 50,09 Metern die 50-Meter-Marke knackte. Sie war eine der EM-Normerfüllerinnen, und durfte sich am Ende sogar über den Meistertitel freuen. Keine der anderen Konkurrentinnen sollten diese Weite noch übertreffen. Dahinter jubelte Annabell Flizikowski (SV Halle) über Silber. Sie verbesserte ihre Bestmarke auf 48,17 Meter.
Die lange Zeit Führende Miranda Wolf gewann mit einer weiteren Steigerung auf 47,34 Meter die Bronzemedaille. Dahinter weitengleich auf Platz vier landete Lena Sachse, die aber den schlechteren zweiten Versuch hatte. Als vorherige EM-Normerfüllerin darf sie auf das zweite EM-Ticket hoffen.
Punktlandung für Teresie Hess
Zentimeter-Krimi im Weitsprung: Zwischen Gold und Platz vier lagen nur sechs Zentimeter. Mit 5,73 Metern hatte Teresie Hess (SG Schorndorf 1846) im ersten Versuch bereits gut vorgelegt, um sich dann im dritten Versuch auf exakt 6,00 Meter zu steigern. Nach zwei ungültigen Versuchen im Hauptkampf gelang ihr im sechsten Versuch nochmals eine Weite von 6,00 Metern, die ihr den Meistertitel bescherte.
Keine Konkurrentin sprang noch weiter. Ebenso sicherte sie sich das EM-Ticket, die Norm liegt bei 6,00 Metern. Im Kampf um Silber und Bronze gab ein Zentimeter den Ausschlag zugunsten von Matilda Leowald (ART Düsseldorf) mit neuer Bestleistung von 5,97 Metern vor Carla Keller (TSV 05 Reichenbach; 5,96 m).
| MÄNNLICHE U18 |
Im 200-Meter-Vorlauf hatte Timur Ilik (LAC Quelle Fürth) bereits mit 21,26 Sekunden geglänzt. Dort legte er nochmals eine Schippe drauf und durfte in neuer Bestzeit von 21,12 Sekunden über den Meistertitel jubeln. Ein kleiner Wermutstropfen blieb. „Der Lauf fühlte sich bis etwa 180 Meter rund an. Ich habe mir vorgenommen unter 21 Sekunden zu laufen, um den Deutschen Rekord zu attackieren“, verriet er. Die DLV-U18-Bestzeit von Robert Hering (TuS Jena) steht seit 2007 bei 20,96 Sekunden.
„Ich dachte kurzzeitig, dass es zu 100 Prozent klappt. Dann ein Fehler von mir, ich habe mich zu früh ins Ziel einwerfen wollen. Ich habe mich dann nochmal aufgerichtet und habe mich anschließend ins Ziel geworfen. Ich bin trotzdem zufrieden mit meiner Leistung. Ich bin verletzungsfrei durch die Saison gekommen. Das war das Ziel“, sagte der Sieger mit erfüllter EM-Norm [21,75 sec], die ihm das Ticket für Rieti bescherte. In seinem Sog lief Danilo Hübner (LAC Berlin) als Zweiter in 21,36 Sekunden zu einer neuen Bestzeit. Dritter wurde Fabian Wüst (Eintracht Duisburg) in 21,39 Sekunden.
Eingangs der Zielgerade entschied sich das Rennen über 800 Meter, als Ole Steinbach (Dresdner SC) die Initiative ergriff, sich vom Feld mehr und mehr absetzte und als Erster in 1:56,40 Minuten die Ziellinie überquerte. Der Jahresbeste brauchte nicht mehr allzu viel investieren, hatte er doch bereits im Vorfeld die EM-Norm von 1:52,50 Minuten bereits deutlich mit 1:50,13 Minuten unterboten. Im Kampf um die weiteren Medaillen blieb Taro Rösler (SC Potsdam) in 1:57,24 knapp vor Vinzenz Fortner (TSV 1862 Neuburg) in 1:57,26 Minuten.
Luca Koch pfeilschnell über die Hürden
In souveräner Manier stürmte Luca Koch (LAC Erdgas Chemnitz) ins Finale über 110 Meter Hürden. Bereits im Halbfinale blieb er in 13,60 Sekunden nur zwei Hundertstelsekunden über seiner bisherigen Bestzeit. Dafür wurde es dann im Finale nochmals schneller. Nämlich 13,51 Sekunden, womit er seinen Titel erfolgreich verteidigte. Im Hinterkopf hatte der Sieger noch eine andere Zeit: „Das Rennen war soweit gut, bis auf die sechste Hürde, wo es mich ein wenig rausgehebelt hat. Da bin ich ein wenig aus meinem Schritt rausgekommen. Das hat mich dann leider den deutschen Rekord gekostet. Dennoch bin ich sehr zufrieden: PB und erster Platz – mehr wollte ich gar nicht“, sagte der alte wie neue Deutsche Meister. Die DLV-U18-Bestleistung steht seit 2014 bei 13,40 Sekunden, erzielt von Henrik Hannemann (LG Neumünster).
Auf den Silberrang lief Jakob Sand (TSV 1860 Ansbach; 14,06 sec). Bronze sicherte sich Jakob Windmüller (SC Frankfurt (Oder)) in 14,29 Sekunden, der im Halbfinale mit 13,95 Sekunden nicht nur zu einer neuen Bestzeit lief, sondern auch exakt die EM-Norm als zweiter U18-Athet hinter dem überragenden Luca Koch erfüllte.
Das Finale über 400 Meter Hürden entwickelte sich zu einem wahren Bestleistungsrennen. Angeführt von Erik Siepmann (MTV Wittmund), der richtig aufdrehte und zu einer neuen Bestzeit von 52,00 Sekunden stürmte. „Ich habe keine Ahnung, woher ich diese Zeit genommen habe. Alle haben mich angeschrien. Dazu das geile Feeling, geile Konkurrenten – einfach geiler Lauf“, sagte der Sieger, der in dieser Saison die 52,00 Sekunden schon ins Visier genommen hat. „Dass es jetzt eine glatte 52 geworden ist, das hätte ich nicht gedacht. Das ist richtig geil.“ Ebenfalls unter der EM-Norm von 54,00 Sekunden blieben der Zweit- und Drittplatzierte Colin Schäfer (Erfurter LAC; 53,68 Sekunden) und Felix Messerer (Erfurter LAC; 54,00 sec).
Oliver Zeno Ispan meldet sich stark zurück
Bis zum sechsten und letzten Versuch sollte es dauern, ehe Speerwerfer Oliver Zeno Ispan (LG Stadtwerke München) seinen weitesten Versuch auspackte. Er ließ sein Arbeitsgerät auf 66,50 Meter segeln, womit er die EM-Norm [66,00 m] wie schon bei den Halleschen Werfertagen übertraf und zu seinem Meistertitel noch das EM-Ticket löste. Für ihn war der DM-Start der erste Wettkampf nach einer Verletzungspause. „Spannend war es schon, vor allem nach der durchwachsenen Saison. Ich hatte nach den Halleschen Werfertagen ein Bandanriss. Das haben wir behandelt. Auf meinem Wunsch hin habe ich therapiebedingt etwas früher angefangen zu werfen, damit ich nicht komplett einroste. Der letzte Wurf war mehr Kraft als Technik“, erklärte Oliver Zeno Ispan.
Mit persönlichen Bestweiten sowie der Silber- und Bronzemedaille verließen Patrick Hüsken (LG Brillux Münster) und Lennard Wechsler (LG Landkreis Roth) mit 64,60 und 64,09 Metern die Konkurrenz. Das zweite EM-Ticket wird voraussichtlich an den Viertplatzierten Quentin Albers (SC Potsdam; 64,03 m) gehen. Er hatte in dieser Sommersaison seinen Speer schon auf 66,65 Meter gejagt.
Jonathan Hummel und Fynn Linus Fahrland im Pokerspiel
Die beiden Favoriten im Stabhochsprung Jonathan Hummel (LG Leinfelden-Echterdingen) und Fynn Linus Fahrland (SC Potsdam) wurden dieser Rolle vollauf gerecht. In diesem Sommer war das Duo schon über die 5,00-Meter-Marke geflogen. Als Einstiegshöhe hatten beide 4,70 Meter gewählt. Das war auch jene Höhe, die als Norm für die U18-EM gefordert ist. Problemlos ging es für beide im ersten Versuch drüber. Mit ihnen hatten es noch zwei weitere Springer mit David Könsgen (LAZ Zweibrücken) und Ben Wehner (LT DSHS Köln) über diese Höhe geschafft. Während Fynn Linus Fahrland die 4,80 Meter ausließ, meisterte Jonathan Hummel diese im ersten Versuch. Ebenso wie David Könsgen. Nach drei Fehlversuchen schied Ben Wehner bei dieser Höhe aus.
Somit blieb noch ein Trio im Kampf um die Medaillen und die EM-Tickets. Während Jonathan Hummel weiter befreit aufsprang und bei 4,90 Meter ohne Fehlversuch blieb, brauchte Fynn Linus Fahrland zwei Versuche. David Könsgen pokerte und hob sich nach zwei Fehlversuchen den dritten Versuch für die 5,00 Meter auf, die an diesem Tag noch zu hoch für ihn waren. Auch Jonathan Hummel bereitete diese Höhe Probleme – er scheiterte zwei Mal. Seinen dritten Versuch hob sich der Jahresbeste für 5,05 Meter auf.
Gänzlich auf die 5,00 Meter verzichtete Fynn Linus Fahrland, womit er drei Versuche über 5,05 Meter hatte. Bei seinem noch verbliebenen Versuch hatte Jonathan Hummel über 5,05 Meter kein Glück. Selbst drei Versuche von Fynn Linus Fahrland sollten für diese Höhe nicht reichen, er belegte mit 4,90 Meter den zweiten Platz. Höhengleich aber mit einem Fehlversuch weniger sicherte sich Jonathan Hummel den Meistertitel. Bronze gab es für David Könsgen mit 4,80 Metern.