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DM am Samstag | Im Ziel seiner Karriere jubelt Max Thorwirth über DM-Bronze

© Theo Kiefner
Es war das Abschlussrennen des ersten Wettkampftags in Bochum-Wattenscheid. Und für Max Thorwirth (LAV Stadtwerke Tübingen) waren die 5.000 Meter auf der blauen Bahn im Lohrheidestadion weit mehr als das – der Lauf über die zwölfeinhalb Runden war sein letzter großer Auftritt im Kapitel Profisport. Verabschiedet hat er sich überglücklich und sichtlich gerührt mit Bronze.
Jane Sichting

DM 2026

Obwohl Sich Maximilian Thorwirth (LAV Stadtwerke Tübingen) seit vielen Jahren in der nationalen Lauf-Spitze festgesetzt hat, sind es weniger die großen Titel, die ihn für die deutsche Leichtathletik so wertvoll machen. Der 31-Jährige ist einer, der sich durch unermüdliches Engagement auszeichnet, in der Leichtathletik-Szene stets bestens informiert ist und gern öffentlich darüber fachsimpelt. Maximilian Thorwirth ist ein Profisportler mit Machermentalität oder besser gesagt – war ein Profisportler.

Denn was mit dem Kindertraining in seiner Heimat Düsseldorf begonnen hatte, fand am Samstagabend mit dem 5.000-Meter-Rennen bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid sein Ende. Ein letztes Rennen, ein letzter Auftritt auf der Bahn. Bereits im November 2025 hatte Thorwirth angekündigt, dieses Jahr seine letzte Saison zu bestreiten und noch davon geträumt, seine Profikarriere im Nationaltrikot bei der EM in Birmingham (Großbritannien) zu beenden. Wenngleich sich dieser Traum nicht erfüllen sollte, blickt er zufrieden auf seine Zeit als Leistungssportler zurück und belohnte sich im Lohrheidestadion noch einmal mit Edelmetall. Die letzte Runde absolvierte er gemeinsam mit Teamkamerad und Hindernis-Europarekordler Frederik Ruppert und Florian Bremm (Franconia Athletics) und jubelte ausgelassen über Bronze. Die Zeit: Nebensache.

In der besten Form der laufenden Sommersaison

Unter dem Motto: „Have Fun. Be Fast“ stellte er unter Beweis, dass sich die Freude am Laufen und die Anstrengung im Wettkampf einander nicht ausschließen und machte wahr, was er bereits im Gespräch mit dem ehemaligen Hindernisläufer Felix Hentschel während einer Folge des gemeinsamen Podcasts „Auslaufen“ angekündigt hatte, dessen Hosts die beiden sind: „Ich bin dankbar dafür, an der Startlinie zu stehen und selbstbewusst genug, dass ich sage, dass ich im Kampf um die Bronzemedaille auf jeden Fall konkurrenzfähig bin“. Voller Vorfreude sprach er davon, dass er es geschafft habe, in den letzten dreieinhalb Wochen in eine Form zu kommen, die er dieses Jahr so noch nicht hatte. „Auch wenn es keine 13:10-Minuten-Top-Shape ist, ist es die beste Form der Saison“ – eine Anspielung auf seine Bestzeit (13:10,50 min) über 5.000 Meter aus dem Jahr 2024.

Jene hätte er schließlich auch steigern müssen, um sich noch für die Europameisterschaften zu qualifizieren. Die Norm liegt bei 13:08,00 Minuten. Doch anstatt der verpassten Chance auf den internationalen Saisonhöhepunkt nachzutrauern, pushte er sich umso mehr für sein letztes Rennen vor nationaler Kulisse. Ein letztes Mal wollte er das gesamte Wettkampfprozedere mit Aufwärmen, Callroom und Rennen genießen und zeigte sich bereits im Vorfeld dankbar dafür, dies gemeinsam mit Frederik Ruppert, Florian Bremm und Co. zu absolvieren. Zudem war es ihm eine Ehre, dass viele seiner Freunde sowie seine Familie mit im Stadion waren und ihm nicht zuletzt der von ihm mitinitiierte Stimmungsblock mit tosendem Applaus, Motivationsplakaten und beeindruckender Choreografie ordentlich eingeheizt habe.

Gebührender Abschluss

Ohne eine mögliche Taktik zu verraten, zeigte er sich vor dem 5.000-Meter-Finale selbst gespannt auf den Rennverlauf und setzte sich zum Kredo, „noch einmal zu zucken“ und sich von der überwiegend jüngeren Konkurrenz nicht einfach vom Thron stoßen zu lassen. „Ich habe nichts zu verlieren“, kündigte er in seinem Podcast an. Und das hat er auch nicht – mehr noch, er hat Bronze gewonnen. Trotz aller gesundheitlichen Rückschläge im Saisonverlauf hatte er alles auf eine Karte gesetzt, alles aus sich herausgeholt und für einen gebührenden Abschluss gesorgt.

Bereits bei der Vorstellung des Teilnehmerfeldes im Athletentunnel sichtlich gerührt, ließ er keine Sekunde lang im Rennen Zweifel daran, das Podium aus dem Blick zu verlieren. Nachdem sich die Läufer zunächst in gemächlichem Tempo in Bewegung gesetzt hatten, ging Max Thorwirth selbstbewusst an die Spitze. Frederik Ruppert indes schaute sich das Rennen in der Jakob-Ingebrigtsen-Taktik als Schlusslicht von hinten an. Erst nach der Vier-Minuten-Marke lief der Hindernis-Spezialist stetig nach vorn und positionierte sich in Schlagdistanz zur Führungsgruppe um Thorwirth und Bremm. Und nach absolvierten 2.000 Metern war es zwischenzeitlich mit Jona Bodirsky ein Leverkusener, der die etwas unrhythmisch laufende „Perlenkette“ anführte.

Attacke auf Gold wird mit Bronze belohnt

Ab etwa der Hälfte des Rennens wurde dieses dann etwas unruhiger und es waren weiterhin Bremm, Ruppert und Thorwirth, die vorn mitmischten. Ebenso wie Nick Jäger. Doch drei Runden vor Schluss war es dann Favorit Bremm, der das Tempo an der Spitze deutlich anzog, Thorwirth und Ruppert klemmten sich direkt dahinter. Als Trio ging es auf die letzten 800 Meter – und Max Thorwirth lief dicht an der Schulter von Bremm sogar an der Außengrenze der Innenbahn, was zusätzlich Körner kostet. Mit dem Einläuten der Schlussrunde waren die drei Führenden weiterhin sehr eng beieinander und Max Thorwirth setzte eingangs der Schlusskurve die erste Attacke. Doch der Jahresschnellste Florian Bremm hielt dagegen, sodass die Medaillenvergabe zu Beginn der Zielgeraden noch völlig offen war.

Schließlich war es Frederik Ruppert, der zum beeindruckenden Vollsprint ansetzte und sich mit Achtungsabstand in 14:08,15 Minuten den Titel sicherte. Auf Platz zwei folgte Florian Bremm (14:09,03 min), mit dem er sich gemeinsam in St. Moritz im Höhentrainingslager auf dieses Meisterschaftsrennen vorbereitet hatte. Max Thorwirth hingegen hatte dafür auf das gewohnte Trainingsumfeld in Tübingen gesetzt und von den Gegebenheiten vor Ort profitiert. Bereits etwa 30 Meter vor dem Ziel riss er glücklich die Arme in die Höhe und lief jubelnd als Dritter (14:11,15 min) ein. Es war sein zweites Rennen über 5.000 Meter in dieser Saison. Und das letzte in der Funktion als Profiathlet. Mit Tränen in den Augen und Bronze dekoriert, verabschiedete er sich von seinen Fans und aus dem Leistungssport.

„Es ist wundervoll. Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können. Natürlich ist die Saison mit den Verletzungen nicht gut verlaufen, aber ich habe das Beste daraus gemacht. So wie wir hier im Stadion empfangen und durch die Runden getragen wurden, ist der Wahnsinn. Und nun darf ich noch einmal mit zwei sehr guten Freunden auf dem Podium stehen. Viel besser kann ein Karriereende nicht sein“, sagte Max Thorwirth und ergänzte: „Ich musste mich im Vorfeld echt zusammenreißen, weil ich mich sonst nicht auf das Rennen hätte konzentrieren können. Es war hier so viel los mit Freunden und Familie, die alle da waren. Auch war es für mich fast ein Heimspiel. Ich glaube, dass ich noch ein paar Tage brauchen werde, bis ich realisiert habe, dass meine sportliche Laufbahn jetzt vorbei ist.“

Berufliche Zukunft im Sport 

Von der Bildfläche in der deutschen Leichtathletik verschwinden, das wird Max Thorwirth allerdings nicht so schnell. Zum einen sieht er in dem Aus als Profiathlet keinen „kalten Exit“ und wird sich zumindest noch in diesem Jahr in den Dienst seines Vereins stellen und etwa Crossläufe für sein Team bestreiten sowie auch Intervalltraining auf der Bahn machen – allerdings ohne den Fokus darauf zu lenken, dabei das Beste aus sich herauszuholen. Und zum anderen ist er bei zahlreichen Projekten involviert und unter anderem als Athletensprecher des Deutschen Leichtathletik Verbandes aktiv. Zudem treibt er sein Herzensprojekt voran und ist fester Bestandteil des Organisationsteams der „Kö-Meile“, einem Laufevent auf Düsseldorfs Prachteinkaufsstraße, die Spitzen- und Hobbylaufsport zusammenbringt, sowie weiterhin in seinem Podcast „Auslaufen“ und als Kommentator der Diamond League zu hören.

Darüber hinaus ist er als Kolumnist tätig und schielt bereits auf eine berufliche Zukunft im Laufsport. „Vielleicht suche ich mir vorher auch noch etwas woanders im Sport. Mal die eigene Bubble zu verlassen hilft dabei, dazuzulernen und neue Perspektiven zu entdecken, die ich dann wiederum in die Leichtathletik und den Laufsport einbringen kann“, sagt er. Wenngleich die „Karriere nach der Karriere“ noch nicht in Stein gemeißelt ist, ist eines sicher: Langweilig wird es bei Max Thorwirth nicht.

Vorstellen kann er sich eine hauptberufliche Beschäftigung sowohl in den Bereichen Management, Medien und Event – Hauptsache im Sport. Denn wer von sich selbst sagt: „Mein Leben ist der Sport“, der ist auch beruflich am besten im Sport aufgehoben, um dort fachkundig etwas bewegen zu können und im Sinne der Athleten mögliche Veränderungen anzustoßen. Denn dies ist einer der Aspekte, der Max Thorwirth schon während der Karriere stets begleitet hat. Auch als aktiver Profiathlet war es ihm ein Anliegen, dem Sport etwas zurückzugeben, andere zum Laufen zu motivieren und seine Stimme zu erheben, wenn es um die Interessen der Athleten oder kritische Debatten geht.

WM-Teilnahme 2022 als internationaler Höhepunkt

Der Blick des Leichtathletik-Enthusiasten richtet sich nach vorn. Und doch lohnt sich auch einer zurück. Zurück auf die ersten Volksläufe, Kreis- und Landesmeisterschaften, die ersten Deutschen Schüler-Blockwettkampfmeisterschaften 2010, die ersten Deutschen Meisterschaften, die erste DM-Medaille in Sindelfingen, der erste DM-Titel in Leverkusen, drei Deutsche Meistertitel unter dem Hallendach über 3.000 Meter sowie internationale Einsätze mit dem Höhepunkt der WM 2022 in Eugene (USA). Und natürlich der Blick auf unzählige Momente und Menschen, die den Langstreckenspezialisten bis heute prägen. Emotionale Tiefen und Höhen. Sportliche Niederlagen und Erfolge. Verpasste Normen, taktische Rennen und große Träume.

Manch einer wurde von der Realität bitter eingeholt, manch einer Traum ging in Erfüllung. Doch das Leben ist nicht zum Träumen da. Und so wird Max Thorwirth auch in Zukunft munter seinen Weg gehen, Dinge hinterfragen, hier und da für Wirbel sorgen und der Leichtathletik erhalten bleiben. Als Nächstes steht für ihn ein Umzug zurück in die Heimat nach Düsseldorf an. Auch sind einige Hochzeiten im Kalender eingetragen – Erlebnisse, auf die er als Profiathlet oft verzichten musste. Und ein erster Schritt in ein Leben ohne Wettkampfplanung und Leistungsdruck. Ein Leben, das für immer geprägt sein wird von der Leidenschaft fürs Laufen, voller Herausforderungen steckt und ihn vielleicht doch noch zum Marathon führt. Bislang hält er die 42,195 Kilometer für ausgeschlossen, doch bei Max Thorwirth ist bekanntlich vieles möglich.

DM 2026

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