Dass sich Leichtathleten über Regen freuen, das ist eher selten der Fall. Nicht so im Hammerwurf-Finale der Männer am Sonntag bei der DM in Bochum-Wattenscheid. Sowohl dem Titelverteidiger Merlin Hummel als auch Sören Klose kamen die nassen Bedingungen im Ring durchaus entgegen – was sich auch in ihrer Leistung bestätigen sollte. Beeindruckend war beim Sieg von Merlin Hummel vor allem das starke Comeback von Sören Klose, der mit EM-Norm und Bestleistung Silber gewann.
Das war der Hammer! Gemeint ist nicht nur das Finale mit dem 7,26 Kilogramm schweren Wurfgerät aus Metallkugel und Strahldraht selbst, sondern vor allem die Vorstellung der beiden Erstplatzierten. Denn obwohl der WM-Zweite Merlin Hummel mit einer Saisonbestweite von 81,74 Metern als der große Favorit in den Ring ging, entwickelte sich der Wettkampf zu einem spannenden Duell mit seinem einstigen Dauerrivalen Sören Klose (beide Eintracht Frankfurt).
Mit einer Weite von 76,25 Metern den besseren Einstieg fand Sören Klose, Deutscher Meister von 2023 und 2024. Erst mit dem einsetzenden Regen schob sich im dritten Versuch dann Titelverteidiger Merlin Hummel vorbei. Seine Weite: 77,99 Meter, gefolgt von einem Wurf auf 79,18 Meter. Im fünften Durchgang ging erneut ein Raunen durch das Lohrheidestadion. Den Hammer weit in den Sektor geschleudert hatte dabei allerdings Sören Klose, der bereits jubelte und mit einem breiten Grinsen gespannt zur Anzeigetafel lief.
Geteilte Freude ist die schönste Freude
Als diese dann 78,18 Meter anzeigte, war es ausgerechnet Merlin Hummel, der seinem Vereinskollegen zuerst in die Arme fiel und zur neuen Bestleistung gratulierte. Und damit nicht genug. Zwar hatte es Klose bereits im vierten Versuch mit 77,53 Meter geschafft, die Direktnorm für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien) um drei Zentimeter zu überbieten, doch mit einem Wurf auf 78,18 Meter meldete er sich nach langer Leidenszeit zum richtigen Zeitpunkt topfit zurück und stellte unter Beweis, dass er beim internationalen Höhepunkt nicht nur dabei sein will, sondern durchaus Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung hat.
Internationale Erfahrungen konnte er bereits 2024 bei den Olympischen Spielen und den Europameisterschaften in Rom sammeln. Das darauffolgende Jahr musste er dann den wohl größten Rückschlag seiner bisherigen Karriere erfahren. Nach einem Bandscheibenvorfall sowie einem Riss der Außenbänder war er die komplette Saison 2025 zu einer Pause gezwungen und konnte keine Wettkämpfe bestreiten. Nun aber hat sich der 24-Jährige wieder eindrucksvoll zurückgemeldet.
Starke Comeback-Saison mit EM-Start krönen
Bereits im Mai verbuchte er wieder Weiten knapp über der 70-Meter-Marke und kam im Laufe der Saison immer besser in Form. Anfang Juni landete der Hammer bereits wieder bei 75,12 Metern, knapp einen Monat vor den Deutschen Meisterschaften hatte er zwei Ergebnisse mit Weiten über 76 Meter stehen. Mit der Hochzeit Anfang Juli folgte ein privates Highlight und am Sonntag schließlich auch sportlich ein erster Höhepunkt bei seinem Comeback in diesem Sommer.
Bis dato stand seine Bestleistung bei 77,49 Metern – das Potenzial für die EM-Norm war entsprechend gegeben. Und schließlich sollte der Knoten im entscheidenden Wettkampf platzen, sodass Sören Klose nun mit Norm und DM-Silber zuversichtlich bei der EM im Alexander Stadium an den Start gehen kann. „Ich bin sehr begeistert. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, ich bin völlig sprachlos und überwältigt. Ich wusste, dass ich gut in Form bin und dass ich 77 Meter werfen kann, wenn ich einen Versuch gut treffe. Aber mit 78 Metern habe ich nicht gerechnet“, sagte er überglücklich in der Mixed Zone.
Und erklärte: „Es ist umso schöner, weil dieses Jahr mein Comeback ist. Ich war nach Olympia 2024 raus, weil ich wegen starken Rückenproblemen lange pausieren musste. Ich hatte einen Bandscheibenvorfall und eine Entzündung im Rücken. Und dann habe ich mir auch noch meine Außenbänder gerissen. Seit vier Monaten bin ich wieder dabei und enorm glücklich, dass ich nun diese Weite werfen konnte. Das zeigt, dass ich hart trainiert habe. Bei meinem letzten DM-Titel hatten wir auch Starkregen. Ich denke, die Bedingungen liegen mir. In Birmingham würde ich natürlich gern an diese Weiten anknüpfen.“
Merlin Hummel mit Medaillenambitionen
Zuversichtlich blickt auch der nun dreifache Deutsche Meister Merlin Hummel der EM entgegen und sagt nach seinem Sieg in Bochum-Wattenscheid: „Die Bedingungen waren heute perfekt. Ich habe mir zwei Sachen gewünscht: Sören [Klose] wirft die EM-Norm und es regnet. Meine Wünsche wurden erhöht. Man kann den nassen Ring für die Geschwindigkeit nutzen. Eine Herausforderung war, dass ich vor einer Woche umgeknickt bin. Ich habe heute davon nichts mehr gemerkt, aber ich konnte die Woche über nicht gut trainieren und war natürlich erst einmal vorsichtiger.“
Und weiter: „Ich bin froh, dass ich mit einem blauen Auge davon gekommen bin. Ansonsten habe ich den Wettkampf genossen. Ich freue mich, dass Sören und ich zu zweit zur EM fahren. Dort möchte ich mein Niveau abrufen und dann um die Medaillen kämpfen. Ich möchte auch der medialen Erwartungshaltung gerechtwerden und einen guten Wettkampf zeigen, ganz egal, ob die Sonne scheint oder es regnet.“
Komplettiert wurde das Podium von Lukas Winkler (LAC Erdgas Chemnitz), der im letzten Versuch noch einmal Saisonbestweite werfen konnte und 70,54 Meter zu Protokoll brachte. Tim Steinfurth (LG Eppstein-Kelkheim; 65,94 m), der an selber Stelle erst kürzlich Gold bei der U23-DM gewann, musste sich hinter Timo Port (SV Go! Saar 05; 67,01 m) mit Platz fünf zufriedengeben.