Auf dem Weg zu den Europameisterschaften nach Birmingham stellte Jean-Paul Bredau noch einmal unter Beweis, dass er in dieser Saison wieder in absoluter Top-Form ist und Zeiten unter 45 Sekunden abrufen kann. Und wie: Mit 44,72 Sekunden steigerte der Wolfsburger seine Bestzeit deutlich. Besonders erfreulich für den Sieger: Mit Thorben Finke hat es auch ein zweiter DLV-Langsprinter geschafft, die EM-Direktnorm zu erfüllen. Mit viel Zuversicht geht es für das Duo gemeinsam nach Großbritannien. Auch der drittplatzierte Thilo Traue empfahl sich für die EM.
Es war ein Rennen, in dem der Titelverteidiger keine Zweifel daran aufkommen ließ, auf der blauen Bahn im Lohrheidestadion zum dritten Mal in Folge als Sieger bei Deutschen Meisterschaften aus dem Stadion zu gehen. Mit einem offensiven Angang drückte Jean-Paul Bredau (VfL Wolfsburg) von Beginn an aufs Tempo und lief bereits nach 200 Metern auf Thilo Traue (LG Stadtwerke München) auf. Und wenngleich solch ein mutiges Rennen über die Stadionrunde durchaus mit einem Leistungseinbruch auf der Zielgeraden einhergehen kann, hatte der Favorit das zunehmende Laktat in den Beinen bestens im Griff und zog sein hohes Tempo konsequent durch.
Belohnt wurde seine ambitionierte Renngestaltung nicht nur mit dem Titel-Hattrick, sondern auch mit der ersten Zeit unter 45 Sekunden in dieser Saison. Besser noch: Mit 44,72 Sekunden durfte sich der 27-Jährige auch über eine Bestleistung freuen. Erste Gratulantin im Ziel war seine Frau Luna Bredau, die kurz zuvor Bronze im Frauen-Finale nur knapp verpasst hatte. Mit solch einem Resultat hat Jean-Paul Bredau ordentlich Selbstvertrauen für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien) gesammelt sowie die beste Leistung eines deutschen 400-Meter-Sprinters seit 2001 gezeigt. In der ewigen deutschen Bestenliste teilt er sich nun den fünften Platz mit Hartmut Weber, der 1982 ebenfalls 44,72 Sekunden gelaufen ist. Für Bredau war es eine Steigerung seiner „PB“ aus dem Jahr 2024 um 24 Hundertstel, den Meisterschaftsrekord von Karl Honz aus dem Jahr 1972 verpasste er nur um winzige zwei Hundertstelsekunden.
„Die Zeit bedeutet mir enorm viel. Ich wäre natürlich gern noch zwei Hundertstel schneller gerannt, um den Meisterschaftsrekord zu knacken. Aber am Ende ist es bei den Bedingungen richtig gut gewesen“, sagte der Deutsche Meister Bredau in der Mixed Zone. Und blickte voraus: „Wir schauen einfach, was bei der EM passieren kann. Ich habe mich gestern schon im Vorlauf sehr gut gefühlt. Heute habe ich dann richtig durchgezogen und dann ist diese Zeit dabei herausgekommen. Bei der EM kann viel passieren, würde ich sagen. Wenn ich so ein Ding im Halbfinale laufe, wäre das stark und dann kann ich schauen, was im Finale noch drin ist.“
Thorben Finke überrascht mit EM-Norm und Silber
Ebenfalls eine beeindruckende Vorstellung lieferte der Deutsche U23-Meister Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel), der im Sog von Jean Paul Bredau in einer neuen Bestzeit von 45,08 Sekunden nicht nur sensationell zu Silber lief, sondern auch erstmals in dieser Saison die EM-Direktnorm (45,25 sec) unterbieten konnte und sich nun auf den Weg nach Birmingham machen darf. „Das bedeutet mir unglaublich viel. Ich habe im Leben nicht mit der Zeit gerechnet. Es waren nicht die einfachsten Meisterschaften für mich. Das Loch für die Schnürsenkel an meinen Spikes ist gestern gerissen. Da musste ich mir über Nacht noch etwas überlegen. Ich habe ein neues Loch eingestanzt, aber es hat nicht ganz so gut funktioniert“, sagte Thorben Finke nach seinem Silber-Coup.
Und weiter: „In den vergangenen drei Wochen hatte ich mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen. Mein einziges Ziel war es heute, mich für die EM-Staffel zu qualifizieren. Ich habe vorher ein bisschen damit geliebäugelt, dass Jean Paul Bredau vor mir auf der Bahn ist. So konnte ich mich von ihm ziehen lassen. Mit Birmingham beschäftige ich mich erst ab heute. Ich muss erst einmal realisieren, dass ich auch die Einzel-Norm habe.“ Über Bronze freuen konnte sich der Durchstarter des Jahres: Thilo Traue. Nachdem sich der 26-Jährige in diesem Jahr bereits um fast zwei Sekunden auf 45,29 Sekunden verbessern konnte, bestätigte er diese neu gewonnene Form auch in Bochum-Wattenscheid. Gestoppt wurden für ihn 45,30 Sekunden.
„Man träumt natürlich immer davon, was möglich wäre. Aber ich glaube, es war am Ende voll in Ordnung. Ich bin sehr happy, wenn ich auch darüber nachdenke, dass ich letztes Jahr noch 47 Sekunden gelaufen bin und im Winter noch eine Schambeinentzündung hatte. Es ist meine erste Einzelmedaille bei den Aktiven. Ich habe mein Studium abgeschlossen und meine Eltern unterstützen mich, sodass ich mich auf den Sport konzentrieren kann. Es ist schön, wenn sich das nun auszahlt. In den letzten Monaten und Wochen ist so viel passiert, quasi von 'Zero to Hero'. Ich genieße das nun wirklich“, freute sich der Münchner.
Top 10: Die ewige deutsche Bestenliste 400 Meter
44,33 sec | Thomas Schönlebe (SC Karl-Marx-Stadt) | 03.9.1987 | Rom
44,50 sec | Erwin Skamrahl (SV Union Groß-Ilsede) | 26.7.1983 | München
44,66 sec | Ingo Schultz (LG Olympia Dortmund) | 05.8.2001| Edmonton
44,70 sec | Karl Honz (VfB Stuttgart) | 21.7.1972 | München
44,72 sec | Hartmut Weber (OSC Thier Dortmund) | 09.9.1982 | Athen
44,72 sec | Jean-Paul Bredau (VfL Wolfsburg) | 26.07.2026 | Bochum-Wattenscheid
44,85 sec | Mathias Schersing (SC Chemie Halle) | 29.8.1986 | Stuttgart
44,86 sec | Jens Carlowitz (SC Karl-Marx-Stadt) | 09.9.1989 | Barcelona
44,87 sec | Frank Schaffer (ASK Potsdam) | 30.7.1980 | Moskau
44,92 sec | Harald Schmid (TV Gelnhausen) | 11.8.1979 | Stuttgart
44,98 sec | Ralf Lübke (LG Bayer Leverkusen) | 12.7.1986 | Berlin